Die Weisheit des kleinen Alexander
Kinderbücher , Rezensionen / 26. Februar 2026

In seinem ersten Buch für Kinder, Alexander, geht Ferdinand von Schirach den Prinzipien des Zusammenlebens auf den Grund. Gerechte Gesetze sollen dabei helfen, in Frieden miteinander zu leben. Nur, was sind gerechte Gesetze? Der Hoffnungsträger Klären soll das der kleine Alexander. Das jedenfalls schlägt der dicke Fischhändler vor. Er ist der beste Freund Alexanders, dessen Vater in einem ungewollten Krieg gefallen ist. Nach einigen Fehlversuchen kommen die Menschen des Städtchens Kalliste überein, den Knaben auf Reisen zu schicken, um von Weisen Antworten auf ihre Fragen einzufordern. Die Weisen Und so macht sich der Junge auf den Weg und trifft dabei die unterschiedlichsten Gesprächspartner, darunter einen Winzer, einen Modeschöpfer, ein ungewöhnliches Orakel, streitlustige Zwillinge und eine Leserin. Von jedem und jeder kann Alexander etwas lernen, und am Ende bringt ihn ein ungewöhnliches Pferd gerade noch rechtzeitig zurück nach Kalliste, um einen neuen Krieg zu verhindern. Lehren fürs Leben Das Büchlein, zu dem Ferdinand von Schirach selbst die Skizzen gezeichnet hat, erinnert in vielem an den Kleinen Prinzen. Wie dieser ist Alexander ein wissbegieriges Kind, das auf seiner Reise Antworten auf existenzielle Fragen bekommt. Und wie Saint Exupéry nutzt Schirach den Jungen dazu, philosophische Gedanken verständlich zu formulieren. „Das Leben kann nur…

Fluch und Segen in Oberammergau
Rezensionen , Romane / 26. Februar 2026

Könnte es so gewesen sein, in Oberammergau vor fast 400 Jahren? 1633, als das erste Passionsspiel stattfand? Robert Löhr hat sich in seinem Roman „Oberammergau“ hineingedacht in die damalige Zeit, als das schwer von der Pest betroffene Dorf seine Hoffnung in einen Eid setzte, der bis heute gilt: Nehme Gott diese Heimsuchung vom Dorf, wolle man die Passion Christi spielen – bis zum Ende der Zeit. Das gespaltene Dorf Robert Löhr hat sich intensiv hineingedacht in die Zeit, als Oberammergau ein Dorf am Ende der Welt war, arm und abgelegen. Als Kriege und Pest wüteten und die Menschen in Angst und Schrecken versetzten. Vielen half der Glaube an ein besseres Jenseits, andere lehnten sich auf gegen einen Gott, der das irdische Elend zuließ. Löhr schildert eine gespaltene Dorfgemeinschaft, skizziert Menschen, die vom Schicksal – oder von der überstandenen Pest – gezeichnet sind. Es geht um Macht und Aberglauben, um Feindschaft und Liebe, um Intrigen und Heuchelei. Mächtige Gegner In dieses Wespennest kommt der junge Pfarrer Johannes und sieht sich alsbald mit der Verwirklichung des Passionsversprechens überfordert. Ihm fehlen die Worte, um das Stück lebendig werden zu lassen. Ihm fehlen die Akteure, die Kulissen, die Kostüme. Und doch packt ihn der…

Irische Aufreger
Rezensionen , Romane / 26. Februar 2026

Nicola Förg ist nicht nur Krimi-Autorin, sondern auch Reisejournalistin. Da liegt es nahe, dass sie ihre Reise-Erfahrungen auch in ihren Krimis einbringt. In „Schroffe Klippen“ geht es für Irmi Mangold nach Irland. Dabei ist Irmi ja eigentlich im Ruhestand. Aber ihre Mitbewohnerin Louise setzt auf die legendäre Spürnase der Ex-Kommissarin, um den mysteriösen Tod der jungen Anja aufzuklären. Doch kein Selbstmord? Anja war mit Louises Tochter Babsie befreundet, und die glaubt nicht an den Selbstmord ihrer Freundin. Louise muss Irmi nicht lange überreden, sich um den Fall zu kümmern. Zumal es gerade in der Beziehung zum abwesenden Lebensgefährten kriselt. Für die Lesenden ist das Ganze am Anfang allerdings schon etwas sehr konstruiert. Das legt sich im Lauf der „Ermittlungen“, bei denen wieder Student Malcolm eine wichtige Rolle spielt. Die verschwundene Tochter Die beiden „Laien-Ermittler“ sind schnell mittendrin in diesem Kriminalfall. Anja hatte als Remote Workerin für ein Pharmaunternehmen gearbeitet und mit ihren beiden Teenager-Kinder Kilian und Kim in einem Luxus-Wohnwagen gelebt. Nach ihrem Tod – sie war am Fuß der Klippen gefunden worden – war Kim verschwunden. Der Vater hatte Kilian mit zurück nach Deutschland genommen. Die Greyhound-Mafia Irmi und Malcolm machen sich also auch auf die Suche nach der…

Im Zickzack durch Europa
Allgemein , Reisebücher , Rezensionen / 24. Februar 2026

„Wo Züge sind, da sind auch (meistens) Geschichten“, scheibt Tom Chesshyre in seinem Reisebericht „Bummelzug nach Istanbul“. Diese Geschichten waren mit ein Grund dafür, dass der Journalist mit Freund Danny per Interrail durch Europa fuhr – auf den Spuren des berühmten Orient-Express. Allerdings nicht auf die luxuriöse Tour, sondern „auf eine Art und Weise, die signifikant weniger angeberisch war (und deutlich preiswerter)“. Jeder Tag ein Anfang Der Freund ist für zwei Wochen mit von der Partie, den Rückweg von Istanbul tritt Tom Chesshyre allein an. Im Buch zeichnet er die Reise minutiös nach, erzählt alte Geschichten aus dem Orient-Express, der nicht nur Agatha Christie zu Krimis inspiriert hat, sondern auch Graham Greene. Und natürlich erleben die beiden „mittelalten Männer“ bei ihrer Tour d‘Europe auch neue Geschichten. „Es ist, als würde man jeden Tag eine neue Seite aufschlagen“, stellt Freund Danny fest: „Jeder Tag ist wie ein neuer Anfang.“ Fremde Europäische Union Über Nürnberg, das den beiden Reisenden wegen der NS-Geschichte vor allem „bizarr“ erscheint, und Wien geht es weiter in den Osten des Kontinents. Dabei stolpern sie auch noch über die Kulturhauptstadt des Jahres 2023, Timisoara. Vor allem aber wundern sie sich, wie anders als im Westen es hier überall…

Im Schatten des Zweifels
Rezensionen , Romane / 20. Februar 2026

Gianrico Carofiglio war Anti-Mafia-Staatsanwalt, Richter und Senator. Mit seinen Kriminalromanen um den sympathischen und klugen Avvocato Guerrieri hat der in Bari geborene Schöngeist weltweit Erfolg. In seinem neuesten Krimi „Der Horizont der Nacht“ ist Guerrieri mit einem Mordfall beschäftigt, vor allem aber mit mit seiner eigenen Psyche. Ein klarer Fall Eigentlich ist der Fall klar: Die reiche Unternehmerin Elvira Castell hat den zwielichtigen Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester Elena erschossen. Elvira ist überzeugt, dass Petacci ihre Schwester in den Selbstmord getrieben hat. Dass er auch weiterhin in der Wohnung der Toten zu bleiben gedenkt, bringt Elvira noch mehr gegen ihn auf. Sie stellt ihn zur Rede und erschießt ihn im Streit. Duell vor Gericht War es so? Guerrieri, von seinem Freund Octavio um anwaltliche Unterstützung gebeten, zweifelt. Womöglich käme auch Notwehr infrage. Die Klientin wirkt auf ihn fast unheimlich gelassen. Berührt sie der Todesschuss so wenig? Mit Hilfe eines Freundes Tancredi kommt er einer ermittlungstechnischen Schlamperei auf die Spur. Neben dem Toten lagen die Scherben einer Kristallflasche. Könnte Petacci Elvira damit bedroht haben? Vor Gericht liefert sich Guerrieri ein Duell mit dem Staatsanwalt, der klar auf Mord plädiert. Der Anwalt erringt einen Teilerfolg. Elvira Castell wird zwar schuldig gesprochen, muss aber nur…

Mit offenen Augen in die Welt
Reisebücher , Rezensionen / 19. Februar 2026

„Mal gucken“ denkt sich Josefine Gauck immer wieder auf der Weltreise, die sie mit ihrer Familie unternimmt. „Mal gucken“ ist auch der Titel des Buches über diese ungewöhnliche Reise einer fünfköpfigen Familie. Denn neben den zwei Jungs ist auch die kleine, sehbehinderte Pauli mit von der Partie. Sie soll noch soviel wie möglich von der Welt sehen, ehe sie ihr Augenlicht ganz verliert, wünschen sich die Eltern. Mal gucken Bei der Vorbereitung der einjährigen Auszeit planen sie nur das Nötigste. „Mal gucken“ wird zum geflügelten Wort – bis zum Ende dieses aufregenden Jahres, das in einer Lebensentscheidung mündet. Kanada, die USA, Neuseeland, Australien sind die Stationen, schließlich noch Bali, wo Josefine Gauck sich angekommen fühlt. Erntehelfe und Hundehüter Die Erlebnisse ihrer Reise werden noch länger nachhallen.  Die Familie hat viel unternommen, um den Kindern die Welt zu zeigen.  Sie waren mit einem Riesencamper unterwegs und mit einem kleinen Wohnmobil, in dem sie kaum Platz hatten. Sie arbeiteten als Erntehelfer auf einem Biohof, wohnten als Haustierhüter in einer weitläufigen Villa, nächtigten in einem heruntergekommenen Trailer und in den unterschiedlichsten airbnb-Unterkünften. Zwischendurch gönnten sie sich auch Hotelnächte, um wieder zu duschen und in einem Bett zu schlafen. „Ich müsste lügen, wenn ich…

Verschränkte Erinnerungen
Rezensionen , Romane / 15. Februar 2026

Den gelben Pullover, dem dieser autofiktionale Roman von Ursula März den Titel verdankt, gab es wirklich. Zum Schulanfang hatte sich die kleine Ursula den gelben Pulli aus dem trendigen Perlon heiß gewünscht. Und dann hat ihre Freundin Siggi das gute Stück mit einem einzigen Schnitt zerstört. In einer Schublade überdauerte der gelbe Pullover die Freundschaft. Denn mit der gern Ärger provozierenden Siggi war es nach der Grundschule aus. Die Anarcho-Pippi Ursula März‘ Beschreibung der Kinderfreundin erinnert ein bisschen an eine Anarcho-Pippi: „Siggi war meine einzige Freundin. Und ich, was erstaunlicher war, ihre. Auch sie nahm in ihrer Klasse die Position einer Außenseiterin ein, wenn auch aus anderen Gründen. Sie besuchte nach wie vor die protestantische Volksschule und hatte in sechs Jahren nichts ausgelassen, um das Wohlwollen ihrer Lehrer wie ihrer Mitschüler zu verspielen.“ Das Wirtschaftswunder In dem Buch reflektiert die Autorin auch die Anfänge des Wirtschaftswunders, schreibt über den Sparzwang des Vaters, die Fernsehabende im Haus der Tante, den Kleinstadt-Klatsch in Herzogenaurach, die Fremdheit der dort lebenden „Amis“ und die Emanzipation beim Rauchen. Die Zwangsgemeinschaft All das hat sie im Gepäck, als sie 1989 im Winter nach Stromboli reist und dabei einer scheinbar disfunktionalen englischen Familie begegnet. Eine Woche lang…

Gemeinsam stark
Reisebücher , Rezensionen / 10. Februar 2026

„Die Reise unseres Lebens“, so auch der Titel ihres Buches, war für Alexander Källner und Lovis Wiefelspütz die gemeinsame einjährige Weltreise. Das liegt auch daran, dass Alex „körperlich behindert“ ist, wie er selbst schreibt, und deshalb auf Hilfe angewiesen. Die bekommt er auf der Reise von seinem besten Freund Lovis, der mit AHDS zu kämpfen hat. In ihrem Buch beschreiben sie abwechselnd ihre Reise-Erfahrungen, aber auch den nicht ganz leichten gemeinsamen Alltag. Ein Balanceakt Lovis ahnt, dass „diese Reise ein Balanceakt werden wird zwischen dem, was Alex und ich wollen und dem, was wir schaffen können“. Er attestiert dem Freund „an liebenswerten Größenwahn grenzende Ideen“, weiß aber auch „diese Reise ist für mich bereits vor dem ersten Tag eine Reise zu mir selbst“. Hilfe leisten und annehmen Einfach ist das Ganze weder für Lovis, der Alex‘ körperliche Pflege übernehmen und ihn bei Barrieren unterstützen muss, noch für Alex, der diese Hilfe immer wieder annehmen muss, nicht. Es gibt Diskussionen, ja auch Streit – was die Freunde nicht verschweigen. Spontane Hilfsbereitschaft Aber die schönen, die unvergesslichen Reise-Erlebnisse überwiegen. Die vielen Freunde, die sie in aller Welt finden, die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen, die Fremdheit und Schönheit der Reiseziele. Alexander Källner, der…

Wanderhäppchen in Nationalparks
Reisebücher , Rezensionen / 10. Februar 2026

Rund 4000 Nationalparks gibt es heute weltweit. Der erste war der Yellowstone-Nationalpark in den USA, der 1872 gegründet wurde. Die Idee, besonders schöne und unberührte Natur unter Schutz zu stellen, fand schnell weltweit Nachahmer. Mit dem Buch 500 Walks Nationalparks präsentiert Mary Caperton Morton Erlebniswanderungen weltweit als Appetithäppchen. Es müssen auch nicht immer anstrengende und lange Fußmärsche sein oder gefährliche Bergtouren, manche Nationalparks kann man auch bei entspannten Spaziergängen entdecken. Rim-Trail am Grand Canyon Der elf Kilometer Lake Louise Lakefront Trail in Kanada etwa ist sogar teilweise rollstuhlgeeignet. Das gilt auch für den spektakulären Rim-Trail im Grand Canyon Nationalpark, wo es Shuttlebusse ermöglichen, die 21 Kilometer lange Wanderung entlang der Abbruchkante der Grand Canyon Schlucht in Etappen zu machen. Leicht zu bewältigen ist auch der 1,7 Kilometer lange Volcano Trail in Costa Rica. Dagegen verlangt die Besteigung des 5897 Meter hohen Vulkans im Nationalpark Cotopaxi in Ecuador schon allein wegen der Höhe und der Gletscherwanderung Erfahrung, Ausdauer und Trittsicherheit. Herausforderung Watzmann Auch den 18 Kilometer langen Cliffs of Moher Coastal Walk im irischen Burren-Nationalpark entlang wandern will, muss sich auf eine mittelschwere Herausforderung gefasst machen und sollte schwindelfrei sein. Und die Watzmann-Tour im Nationalpark Berchtesgaden gilt schon wegen der Wegfindung…

In der Totenbäckerei
Rezensionen , Romane / 9. Februar 2026

Schon der ungewöhnliche Titel „Die Sonne und die Mond“ verspricht einen ungewöhnlichen Inhalt. Und Chris Kraus hält in seinem neuen Roman dieses Versprechen. Es geht um Freundschaft und Feindschaft, um das Leben und den Tod, um Sex und Liebe – und das in einer schrägen Mischung aus Slapstick, Trash, Tragikomödie und Märchen. Zwei Freundinnen Sie waren beste Freundinnen, Sonja, genannt Sonne und Jana von Mond – auch noch bei der sich anbahnenden gemeinsamen Bühnenkarriere. Doch dann kam es zum Bruch, weil Sonne sich von Jana verraten fühlte. Jahrzehnte später kommt die als Comedystar erfolgreiche Jana in das Bestattungsunternehmen „Sommernachtstraum“, mit dem Sonja ihren Lebensunterhalt verdient. Als alleinerziehende Mutter mit einem altklugen Sohn, der an der Bluterkrankheit leidet, hat sie es nicht einfach. Unterstützt wird sie vom erfolglosen Gelegenheitsmusiker Samuel, der eine Vorliebe für grenzwertige Witze hat. Patagonien und Feuerland Jana will Sonjas Hilfe bei der Beerdigung ihres Mannes, der mit ihrer schwangeren Psychotherapeutin wohl bei einem gemeinsamen Selbstmord ums Leben gekommen ist. Es sind ernste Themen, die Chris Kraus allerdings so nonchalant und mit viel Witz erzählt, dass man buchstäblich Tränen lachen kann. Allein schon die Namen: Das Bestattungsinstitut ist in einer ehemaligen Bäckerei angesiedelt, genannt Totenbäckerei. Die Leichen werden…