Lernen vom Fehlerteufelchen
Kinderbücher , Rezensionen / 27. April 2026

„In jeter Schrundgule wohnt ein Fehlerdeufelchen“, erklärt das Fehlerteufelchen den Kindern Theo und Tina. Und das Klugscheisserchen, das man inzwischen vom Vorgängerbuch schon kennt, ist sprachlos, weil schockverliebt. Ganz schön viel Chaos Kennengelernt haben sich die beiden Winzlinge in der Schule. Denn Tina hat das Klugscheisserchen in ihrem Schulrucksack eingeschmuggelt. Beim Test in Naturwissenschaft ist das ganz hilfreich. Aber dann kommt das Fehlerteufelchen dazwischen und richtet unter den Schulkindern ganz schön viel Chaos an. Im Gegensatz zum Klugscheisserchen erzählt es nämlich nur Blödsinn, vertauscht die Buchstaben und rechnet falsch. Als das Klugscheisserchen das Fehlerteufelchen korrigiert, wird es fuchsteufelswild: „Kome ich zu dir hachnause und lasse dort alle Fähler machen“, fragt es aufgebracht. Gegensätze ziehen sich an Darauf kann das Klugscheisserchen nur mit einer Einladung reagieren. Und so nehmen die Kinder die beiden Winzlinge mit zu sich nach Hause. Tina erklärt dem Fehlerteufelchen, dass es das Klugscheisserchen falsch verstanden hat: „Es macht ihm ja Spaß,andere zu korrigieren. Deswegen ist das Letzte, was das Klugscheisserchen möchte, dass du dich änderst.“ Schließlich heißt es ja auch: Gegensätze ziehen sich an.  Und wirklich passen die beiden so unterschiedlichen Winzlinge so gut zusammen, dass sie sich schon bald zu einem Rendezvous treffen. Schöne Aussichten „Stell…

Süße Früchte im Pfarrgarten
Rezensionen , Romane / 27. April 2026

Martina Bogdahn, 1976 in Weißenburg geboren, hat etwas geschafft, was nur wenigen gelingt. Ihr Debut „Mühlensommer“ schnellte von Null auf Bestsellerniveau. Nun legt die 50-Jährige mit „Mirabellentage“ nach. Und wieder erzählt sie mit viel Empathie und Humor vom Leben im fiktiven Blumfeld, das an den fränkischen Ort angelehnt ist, in dem Bogdahn aufwuchs. Diesmal steht die Pfarrhaushälterin Anna Nass im Mittelpunkt. Nach dem Tod des Pfarrers, den sie seit ihrer Kindheit kannte, droht ihr Leben aus dem Takt zu geraten. Der Neue aus dem Norden Die 54-jährige Anna muss schauen, was sie mit dem Rest ihres Lebens machen will. Bisher hat ihre Rolle als Pfarrhaushälterin nicht hinterfragt, sie hatte sich an das harmonische Zusammenleben mit dem Schulfreund Josef im Pfarrhaus gewöhnt. Aber kaum ist er tot, steht schon ein neuer Pfarrer auf der Matte, jung, blond und aus dem hohen Norden. Seine Sprache, fürchtet Anna, würden die Dörfler nicht verstehen. Italienisch aus dem Kochbuch Wie soll er da den Verstorbenen dezent unter die Erde bringen? Kurzerhand beschließt Anna, dass Fridjof sich ins Italienische retten könnte – mittels ihres italienischen Kochbuchs. Denn in Blumfeld, da ist sie sicher, spricht niemand italienisch. Und so lauschen die Dörfler hingerissen den italienischen Tönen aus…

Scheitern für Anfänger
Rezensionen , Romane / 20. April 2026

Christian Schünemann hat in dem autofiktionalen Roman „Bis die Sonne scheint“ seine Familiengeschichte fiktionalisiert und damit neu erzählt. So steht es im Nachwort. Erzählt wird das Leben der Familie Hormann in den 1980iger Jahren aus der Perspektive des 14-jährigen Daniel. Dass seine Eltern Siegfried und Marlene in eine desolate finanzielle Lage geraten sind, erfährt der Junge rein zufällig: „Was machen wir jetzt?“, fragte sie (die Mutter). Von meinem Vater kam keine Antwort. Niemand rührte sich, auch nicht die Hunde in ihren Körben, als hätt die Frage eine Lähmung ausgelöst. Nur am Geschirrspüler blinkte unablässig das grüne Lämpchen und zeigte an, dass der Trockenvorgang beendet war. „Nehmen wir uns einen Strick?“ fragte meine Mutter. Den Kühlschrank durchlief ein Zittern. Die Flaschen in seinem Innern klirrten leise. Im Wohnzimmer wurden Kaffeetassen und Aschenbecher ineinander gestellt – das Signal, dass das Gespräch und der Abend beendet waren.“ Geplatzte Träume Auch wenn seine Eltern sich vor den Kindern die Situation schönreden, weiß Daniel, dass die Pleite von „Hormann Massiv Bau“ auch auf seine Pläne Auswirkungen haben wird: Die Reise nach Frankreich – gestrichen. Auch das nachtblaue Samtjacket für die Konfirmation bleibt ein Traum. Der schöne Schein Dabei schien alles so gut zu laufen. Die…

Eine unmögliche Liebe
Rezensionen , Romane / 17. April 2026

Die beiden Protagonisten im Roman „Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber könnten unterschiedlicher nicht sein: Der eine, Bohm, blickt mit 36 Jahren auf ein gescheitertes Leben zurück und ist seit fünf Jahren obdachlos. Die andere, Alina, hat Angst um ihre Zukunft. Sie fürchtet, vom Fernsehsender entlassen zu werden. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere könnte eine Reportage über das Leben von Obdachlosen sein. Der Hund Und da kommt Bohm ins Spiel. Alina will ihn für ihre Reportage begleiten. Aber Bohm hat kein Interesse, über sein Leben zu reden. Auch wenn er nichts besitzt außer einem ungeöffneten Brief in seinem abgetragenen Parka, will er sich nicht kaufen lassen. Das ändert sich allerdings, als Fox auftaucht, ein kleiner Hund, der sich in Bohms Herz schleicht – und in das von Alina gleich mit. Die Annäherung Ja, das wird eine Liebesgeschichte – und nicht nur solange ein Streichholz brennt. Die beiden fühlen sich von einander angezogen. Gegen ihren Willen. Sie stoßen sich gegenseitig ab, nur um sich darauf noch näher zu kommen. Von dieser ungewöhnlichen Annäherung erzählt Christian Huber mit charmanter Leichtfüßgikeit: „Bohm sah sie an. Dann sahj er in ihre Augen. Ein funkeln, Ein Knistern. Gänsehaut auf Kopfhaut und Nacken. Licht…

TOP 10 von DK: Klein aber oho
Reisebücher , Rezensionen / 17. April 2026

Sie sind so schmal und klein, dass man sie locker in die Manteltasche stecken kann. Doch die TOP 10 Reiseführer von DK sind nach einem Relaunch noch übersichtlicher geworden und liefern kompakte Informationen und Inspirationen für die eigene Bucket List. Veränderte Gewohnheiten Das fängt schon mit dem Einstiegskapitel an, das nicht nur die TOP 10 Erlebnisse beinhaltet, sondern auch einen kompakten Einblick in die Geschichte bietet und konkrete Tipps für einen zwei- oder viertägigen Trip. Mit dem Relaunch reagiert der Verlag auf veränderte Lesegewohnheiten und individuelle Reise-Erwartungen. Die Reihe will nicht mehr nur die Frage beantworten, was man gesehen haben sollte, sondern auch, was man vor Ort unternehmen kann und wo man dem Alltag der Menschen nahe kommt. Streetart neben Rembrandt In Amsterdam etwa findet Streetart ebenso einen Platz unter den Top 10 wie Rembrandts Haus oder der neue Westerpark. In Venedig behauptet sich die Auszeit auf dem Lido neben dem Markusplatz und einer Kneipentour auf Venezianisch. Die Themen in Venedig sind neben den üblichen wie Künstler und Feste auch Brücken, Palazzi oder Schriftsteller. Mit dem kleinen Guide kann man einzelne Stadtteile erkunden und sogar Abstecher in die nähere Umgebung machen. Jüdische Geschichte In Amsterdam geht es beim Kapitel Themen…

Lesen in Zeiten des Krieges
Rezensionen , Romane / 13. April 2026

Der 1971 in Marokko geborene Politologe Rachid Benzine schreibt in dem bewegenden Roman „Der Buchhändler von Gaza“ über das Leiden der Palästinenser und die Kraft der Literatur. Damit setzt er in dem aktuellen Konflikt, in dem Gaza unterzugehen droht, ein Lebenszeichen und in all der gegenwärtigen Trostlosigkeit ein Zeichen der Hoffnung. Ein Bild für Gaza Die Ausgangsbasis ist 2014 die Begegnung eines französischen Fotografen mit einem alten Buchhändler im damals schon weitgehend zerstörten Gaza. Für seine Agentur würde er den Mann zwischen seinen Büchern gern fotografieren: „Dieses Bild zeigt alles. Es zeigt, was aus Gaza geworden ist. Ein alter Buchhändler, der immer noch an seinen Büchern hängt und inmitten der Ruinen weiter liest.“ Ein Leben auf der Flucht Der alte Mann will sich nicht ohne weiteres fotografieren lassen. Der Fotograf müsse sich zuerst die Erzählung seines Lebens anhören, fordert er. Nur dann könne er sich ein vollständiges Bild mache. Und so beginnt der Buchhändler Nabil zu berichten: Von der Vertreibung seiner Familie 1948 aus ihrem Dorf während der Nakba, vom Leben in Flüchtlingslagern, dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und den nie endenden Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis. Nabil ist immer mittendrin – auch zwischen in den Religionen. Denn sein Vater war Christ,…

Venedig im Kaleidoskop
Rezensionen , Romane / 10. April 2026

David Hewson macht in „Das Borgia Porträt“ ein bisschen auf Dan Brown und jagt die Lesenden auf der Suche nach einem verschwundenen Porträt durch Venedig. Ziel der Schnitzeljagd, die in ein Venedig abseits der Touristen-Hotspots führt, ist nicht irgendein Porträt, sondern das der verführerischen Lukrezia Borgia. Der alte Palast Für die junge Engländerin Lizzie Hawker ist das erotische Porträt eine Kindheitserinnerung, bevor ihre Mutter verschwand. Lizzie hat den baufälligen Palast Ca‘Scacchi geerbt und viele Schulden. Das Borgia-Porträt könnte ihre Geldnöte beenden. Aber wo steckt Lukrezia? Der Strippenzieher Mit Hilfe des pensionierten Archivars Arnold Clover – auch er aus England – macht sich die junge Frau auf die Suche. Schon bald stoßen die beiden auf unerwartete Hürden und ahnen, dass ein potenter Strippenzieher die Hände im Spiel hat: Enzo Canale hatte sich vom mittellosen Barmann zum einflussreichen Immobilienmagnaten hochgegaunert. Wie Chas Hawker warb er um die Hand der schönen Comtessa Lucia Scacchi – und verlor. Aber Hawker, Lizzies Vater, war wohl ein ebensolcher Schurke, wenn auch weniger erfolgreich. Das Skelett in der Gruft Für Lizzie, die ihrem Vater seine Eskapaden gern verziehen hat, sind das keine guten Neuigkeiten. Und sie muss noch mehr verkraften. Bei der Suche nach dem verlorenen Porträt…

Asiatische Herausforderungen
Reisebücher , Rezensionen / 10. April 2026

Rekordhitze, Erdrutsche, Blutegel im Zelt und statt Müsliregel Nudelsuppe: Christine Thürmer, die sich selbst als meistgewanderte Frau der Welt bezeichnet, sieht sich in Asien vor ganz neuen Herausforderungen. In dem Buch „Hiking Asia“ hat sie ihre Erlebnisse in Japan, Südkorea und Taiwan in gewohnt ehrlicher Manier notiert. Hilfsbereite Menschen Der Start auf dem Tokai Shizen Hodo in Japan ist jedenfalls alles andere als ideal. Und die Weitwanderin muss sich mit ungewohnten Erschwernissen herumschlagen. Was dabei hilft, ist nicht nur Thürmers lange Wander-Erfahrung, es sind auch freundliche Menschen, die über sämtliche Sprachgrenzen hinweg hilfsbereit sind.  Weniger Minimalismus Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Tatsache, dass die 57-Jährige nicht mehr so asketisch oder minimalistisch unterwegs ist wie in den Anfängen ihrer Wanderkarriere. Sie gönnt sich zwischendurch gern mal ein Hotel, genießt die Wohltat der japanischen Onsen-Bäder und muss nicht über jeden Berg, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Schließlich will sie auch die Kultur der Länder kennenlernen und ihre oft dramatische Geschichte. Unberechenbare Natur Auf dem Michinoku Coastal Trail in Japan erinnern die Tsunami Gedenkstätten an die Unberechenbarkeit der Natur. Auf Taiwan erlebt Christine Thürmer selbst Erdbeben, Starkregen, sogar einen Taifun und gerät trotz herausfordernder Kletterpartien in einen Wander-Flow. Die Insel…

Liebe und Leid in den Bergen
Rezensionen , Romane / 10. April 2026

Francesco Vidotto erzählt in „Meine Berge bist du“ eine bewegende Geschichte aus einer vergangenen Zeit. Der Ich-Erzähler lernt in den Dolomiten einen alten Mann kennen, der sich Guido Contin nennt. Die Dörfler nennen den schweigsamen Einzelgänger Cognac. Aber nachdem er  unter den Fundstücken des Erzählers das Porträt eines Mädchens gesehen hat,  wird der Alte gesprächig. Ein Leben in Briefen Er teilt mit dem Fremden Briefe an die Berge, die ein gewisser Onesto geschrieben hat. In diesen Briefen spielt sich ein ganzes Leben ab – angefangen von einer Entführung über das Wiedersehen mit der Mutter und dem Zwillingsbruder Santo bis zur großen Liebe und dem schweren Verzicht. Liebe und Schicksal Es ist ein hartes Leben in den Bergen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ein einfaches Leben voller Entbehrungen – auch für die allein erziehende Mutter der Zwillinge. Doch trotz der Armut erleben die Kinder ein liebevolles Zuhause, und die Brüder sind einander in herzlicher Zuneigung verbunden. Aber das Schicksal stellt sie auf eine harte Probe. Feindliche Wirklichkeit Onesto und Santo verlieben sich in die hübsche Celeste. Zusammen mit deren Bruder erleben sie die Natur in aller Unschuld als Abenteuer. Doch diese Natur kann auch unbarmherzig sein, noch unbarmherziger sind die…