Europa erfahren
Reisebücher , Rezensionen / 11. August 2026

Sommer, Sonne, Reisezeit. Viele reisen innerhalb der europäischen Union und profitieren dabei vom Euro. Auch sonst hat die EU für Reisende einige Vorteile gebracht. Aber derzeit ist sie bedroht wie nie. Höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wie die EU die Krise überstehen kann. Dabei kann das Büchlein „Das beste Europa aller Zeiten“ von Katja Sinko und Peter Jelinek helfen. Die beiden haben so einige Ideen, die ohne große Systemreform umsetzbar wären. Ihr Ziel ist ambitioniert: Das beste Europa aller Zeiten. Sackgasse Nationalismus Aber wer will das nicht? Man sieht doch deutlich, wohin der Nationalismus führt – nicht nur in Russland. Wollen wir wieder neue Grenzen errichten und uns gegen die Nachbarn abschotten, mit denen wir Jahrzehnte friedlich zusammengelebt haben? Katja Sinko und Peter Jelinek sind sicher: „Ohne Brüssel und insbesondere das Europäische Parlament wären wir beim Klimaschutz, der liberalen Demokratie, unserem Wohlstand und unseren Rechten heute schließlich nicht da, wo wir sind.“ Allemannsrätt für alle Es lohnt sich also, sich für das beste Europa einzusetzen, und da könnten die einzelnen Staaten ihre eigenen Stärken einbringen: Estland die Digitalisierung, Luxemburg die kostenlose Mobilität, Skandinavien den Umgang mit der Natur. Dazu gehört auch das „Allemannsrätt“, das Skandinavienurlaubende schon lange schätzen. Allerdings…

Das Ei der Geschichte
Rezensionen , Romane / 9. August 2026

Belinda Bauer gilt als „Großbritanniens originellste Krimiautorin“. Sie wurde gar für für den Man Booker Preis nominiert. Mit Recht, wie der neue Roman „Das Ding der Unmöglichkeit“ zeigt. „Ein großartiges Leseerlebnis“ bescheinigt Krimi-Kollegin Val McDermid dem Buch über Sammelwahn, Geldgier und gestohlene Eier, das auf tatsächlichen Begebenheiten beruht. Celies Schuld Belinda Bauer führt uns zurück ins Jahr 1926. Das Leben ist karg, vor allem auf der Metland-Farm, wo Enid Sheppard ihre fünf Kinder ohne Mann durchzubringen versucht. Nur der achtjährige Robert, der wohl nicht ganz richtig im Kopf ist, bleibt ihr als Hilfe. Schuld an allem war die kleine Celie, weißhäutig und weißhaarig und so ganz anders als die vier Geschwister – was den Ehemann aus dem Haus trieb. Doch es ist Celie, die das Leben auf der Farm grundlegend verändert. Und schuld daran ist ein Ei. Das Metland-Ei An den steilen Klippen der Küste beobachtet das kleine Mädchen, wie sich Männer abseilen, um den dort nistenden Vögeln ihre Eier zu stehlen. Die lassen sich gut an Sammler verkaufen, je seltener, desto teurer. Wegen eines Felsvorsprungs war es den Leuten auf der Metland Farm nicht möglich, sich abzuseilen – bis Celie kam – klein und fest entschlossen. Zusammen mit Robert…

Überhitzt
Allgemein / 8. August 2026

Der Klimawandel hat die Welt in eine Hitzehölle verwandelt. Das Leben in der Realität ist nur für Menschen möglich, die es sich leisten können, die Alphas. Diese kleine privilegierte Elite genießt das milde Klima in den wenigen noch lebenswerten Regionen der Erde. Für den Rest der Menschheit aber ist die Realität kaum erträglich. Cryptos war der Anfang Die Lösung hat der mächtige Konzern Mastermind: ein weltumspannendes System virtueller Welten. Wer sich in seine Kapsel legt und einloggt, taucht in eine völlig andere Welt ein. Da gibt es für jede und jeden etwas: Gartenidyll oder Zombiewelt, Mittelalter oder Zukunft, Märchenreich und Strandparadies. Kommt Fans von Ursula Poznanski Endzeit-Thrillern bekannt vor? Das ist nicht verwunderlich. In Canvas spinnt die Spezialistin für Second-Life-Fantasy die Erzählung fort, die sie mit Cryptos begonnen hat. Keine Lust auf Probleme Auch diesmal steht die junge Weltendesignerin Jana im Mittelpunkt. Aus ihrer Sicht schildert Ursula Poznanski den Kampf gegen die Allmachtsfantasien der schier allmächtig gewordenen Gründer von Mastermind und einiger skrupelloser Manager. Lange ist unklar, was sie vorhaben könnten. Aber rätselhafte Verluste in den virtuellen Welten alarmieren die jungen Weltendesigner Jana und Tivon sowie ihre Kollegen. Damit stehen sie weitgehend allein: „Die wenigsten Menschen wollen nicht mit den…

Kinderleben weltweit
Allgemein / 7. August 2026

Die Sommerferien sind auch Hochsaison fürs Reisen. Viele Familien machen Urlaub in anderen, ja oft sogar fernen Ländern. Doch wie leben die Menschen dort? Was machen die Kinder? Im Vorlese-Bilderbuch „Kindheit in aller Welt“ werden 18 Länder vorgestellt – von Italien bis Japan, von England bis Australien. Auch Länder, die derzeit keine Ferienziele sind, lernt man dabei kennen: Syrien zum Beispiel, Afghanistan, Russland oder die Ukraine. Steve Jobs und Syrien Auch da leben schließlich Kinder, die von einer guten Zukunft träumen. Doch in Kriegszeiten bleibt vielen nur die Flucht. Auch der – syrische – Vater von Apple-Gründer Steve Jobs musste aus Syrien fliehen. Sein Sohn wuchs bei Adoptiveltern in den USA auf – und machte mit Apple eine große Karriere. Wombats und Märzchen Auch solche und andere Geschichten findet man in dem Vorlese-Buch. Zum Beispiel die von der japanischen Insel Okunoshima, auf der mehrere hundert freilaufenden Kaninchen leben. Oder die vom australischen Wombat, der würfelförmigen Kot legt. Spannend, oder? Und dann wäre da noch ein ganz besonderer Brauch in Rumänien: Hier schenkt man sich zum 1. März „Märzchen“ aus einem roten und einem weißen Faden, die ineinander verflochten sind – rot für die Sonne, weiß für den Schnee. Daran hängt…

Schwindendes Leben
Rezensionen , Romane / 2. August 2026

Ein Roman ist das nicht. Was aber ist Alexandra Stahls „Tschikago“ dann? Eine Sammlung von Erinnerungsgeschichten? Die Autorin sieht das so: „Dass ich einmal ein Buch mit Gary Oldman, dem Fleischwurst-Willi, Max Frisch und Brad Pitt beginnen würde, hätte ich niemals geglaubt, ich hätte nicht einmal daran gedacht, aber vielleicht geht es in diesem Buch genau darum. Um die Dinge, an die man nicht denkt, bis sie passieren. Und um die Dinge, an die man nicht denken will, bis sie passieren.“ Die Großeltern Dinge wie der Tod, mit dem die Menschen im Berliner Seniorenheim täglich konfrontiert sind. Dort leitet die Erzählerin fast ein Jahrzehnt lang eine Biografiegruppe, nachdem ihr Großvater gestorben ist. Mit der Geschichte der Großeltern, die nur einmal im Leben in Hamburg waren und natürlich nie in „Tschikago“, beginnt das Buch. Der Großvater hatte zwar daran gedacht, nach Amerika auszuwandern, blieb aber zeitlebens im Dorf in Unterfranken. 57 Jahre hielt die Ehe, auch wenn die Großeltern sich gern stritten. Was ist wahr? Alexandra Stahl erzählt anrührend von diesem kleinen Leben in der fränkischen Provinz: Von der Katzenliebe der Großmutter. Vom Großvater, der alle Hauptstädte dieser Welt kannte. „Alles in diesem Buch ist wahr“, schreibt die Autorin gleich zu…

Die Schweiz am Scheideweg
Allgemein / 2. August 2026

Die Schweizerin Seraina Kobler hat als Journalistin gearbeitet. Das merkt man ihren Romanen an. Im neuen Buch „Tal der Schwalben“ konfrontiert uns die Autorin mit einer Schweizer Zukunft, die womöglich gar nicht so fern ist. Es geht um die Sicherung der Stromversorgung der Metropolregion, zu der die Städte zusammengewachsen sind. Dafür sollen die Bergdörfer geopfert werden. Zwischen den Stühlen Der junge Wissenschaftler Alesch fühlt sich zwischen allen Stühlen. Auf der einen Seite setzt er viel Hoffnung auf den Fortschritt, auf der anderen Seite hängt er an der urwüchsigen Bergwelt, in die er hineingeboren wurde. Doch auch sein Dorf Pradetta im Schatten des Gletschers gehört zur Sperrzone, selbst wenn es bisher noch nicht geräumt wurde. Und da lebt Aleschs große Liebe Annetta. Beunruhigende Naturphänomene An sie wird er erinnert durch ein Päckchen, das ihm den Duft der Geliebten und den Geruch der Heimat zurückbringt. Ist es Zufall, dass er gerade jetzt zurückkehren soll nach Pradetta, um die Bewohner zum Verlassen des Dorfs zu motivieren? In einer Zeit, in der sich immer mehr Widerstand gegen die Pläne der scheinbar allmächtigen Stromgesellschaft regt? In der aber auch beunruhigende Naturphänomene rund um das Dorf zunehmen? Ein Ort wie eine Arche Der Rückkehrer wird nicht…