Das hatte sich Francesco Gubert ganz anders vorgestellt, als er als Senner auf eine Alm im Valsugana ging. Zurück zur Natur, zum echten Leben wollte er. Doch dann wurde dieser erträumte Almsommer zum Alptraum. Mit dem jungen Hirten hat Francesco von Anfang an Probleme. Und die Arbeit als Käser ist viel härter als er erwartet hat. Der Senn von der Nachbaralm hatte wohl Recht mit seiner Aussage: „Wenn man miteinander klarkommt, ist die Alm ein Paradies. Wenn nicht, ist sie die Hölle.“
Ein Höllentrip
Für Francesco Gubert wird der Sommer auf der Alm zum Höllentrip. „Mach deinen Käse und bleib ruhig“, sagt er sich zwar, wenn der Frust zu groß ist. Aber das hilft nicht gegen den Stress mit dem Hirten und die harte Arbeit. Seine Hände werden rau vom Waschen des Käses, einzig das Kneten der Butter schafft Erleichterung. Für Francesco ist diese Beschäftigung auch eine Art Meditation, die ersehnte Rückkehr zu den einfachen Dingen. Doch das reicht nicht, zu viel hat sich angestaut, und Francesco fühlt nicht überfordert.
Romantischer Traum
In dem „Almtagebuch“ mit dem Titel „Weiche Butter, raue Hände“ schreibt er ehrlich über seine Empfindungen, seinen Frust, den Ärger mit dem Hirten, die Verbitterung. Bleiben oder gehen? Francesco Gubert ringt mit sich. Doch als sich die Situation immer mehr zuspitzt, trifft er seine Entscheidung.
Sein „Almtagebuch“ ist kein literarisches Meisterwerk, aber eine ehrliche, subjektive Abrechnung mit dem romantisch verbrämten Traum von einem Almsommer. Von wegen Naturerlebnis oder Sternenhimmel. Francesco verbringt die meiste Zeit im Käsekeller, hat kaum Zeit, mal die frische Bergluft zu genießen. Die paar Erfolgserlebnisse verblassen angesichts des alles verdunkelnden Streits mit dem Hirten.
Das ist sicher eine ganz besondere Ausgangsposition. Aber grundsätzlich ist dieses Büchlein allen zu empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Sommer lang auf einer Alm zu arbeiten. Nach der Lektüre wissen sie zumindest, worauf sie sich möglicherweise einlassen.
Info Franceso Gubert. Weiche Butter, raue Hände, Raetia, 143 S., 18 Euro
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