Asiatische Herausforderungen

10. April 2026

Rekordhitze, Erdrutsche, Blutegel im Zelt und statt Müsliregel Nudelsuppe: Christine Thürmer, die sich selbst als meistgewanderte Frau der Welt bezeichnet, sieht sich in Asien vor ganz neuen Herausforderungen. In dem Buch „Hiking Asia“ hat sie ihre Erlebnisse in Japan, Südkorea und Taiwan in gewohnt ehrlicher Manier notiert.

Hilfsbereite Menschen

Der Start auf dem Tokai Shizen Hodo in Japan ist jedenfalls alles andere als ideal. Und die Weitwanderin muss sich mit ungewohnten Erschwernissen herumschlagen. Was dabei hilft, ist nicht nur Thürmers lange Wander-Erfahrung, es sind auch freundliche Menschen, die über sämtliche Sprachgrenzen hinweg hilfsbereit sind.

 Weniger Minimalismus

Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Tatsache, dass die 57-Jährige nicht mehr so asketisch oder minimalistisch unterwegs ist wie in den Anfängen ihrer Wanderkarriere. Sie gönnt sich zwischendurch gern mal ein Hotel, genießt die Wohltat der japanischen Onsen-Bäder und muss nicht über jeden Berg, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Schließlich will sie auch die Kultur der Länder kennenlernen und ihre oft dramatische Geschichte.

Unberechenbare Natur

Auf dem Michinoku Coastal Trail in Japan erinnern die Tsunami Gedenkstätten an die Unberechenbarkeit der Natur. Auf Taiwan erlebt Christine Thürmer selbst Erdbeben, Starkregen, sogar einen Taifun und gerät trotz herausfordernder Kletterpartien in einen Wander-Flow. Die Insel fasziniert sie – auch wegen ihrer Gegensätze. Denn die Hauptstadt Taipeh, die sie auf einem herausfordernden Trail umrundet, hat sie als „Japan auf Steroiden“ erfahren.

Dramatische Geschichte

Asien ist anders als Europa, Amerika oder Australien. Christine Thürmer wird in Korea auch mit Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert – mit Erinnerungen an die japanische Besatzung und die koreanischen Zwangsarbeiter. Wandernd lernt sie noch mehr aus der dramatischen Geschichte kennen.  Und in der koreanischen Variante des japanischen Onsen, dem Jimjilbang, findet sie Erholung. Die Perfektion der Trails, die sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor gemausert haben, sieht sie allerdings auch kritisch.  Kommerzialisierung und Massentourismus könnten das gefährden, was Wandernde suchen – die Authenzität.

Hund mit Sonnenhut

Auf einem der Wanderwege wird sie als „erste Ausländerin, die ich je auf diesem Trail gesehen habe“ begrüßt, auf einem anderen, dem Seoul Trail, begegnet sie einem Hund mit Sonnenhut. Trotz ihrer Abneigung gegen das allgegenwärtige Kimchi ist Thürmer auch von Korea fasziniert. Und am Ende versöhnt sie sich sogar mit dem Tokai Shizen Hodo, auf dem sie sich bisher ungewohnten Luxus gönnt.

Viel Selbsterkenntnis

Ihr Fazit am Ende: „Ich bin ausgezogen in Länder, sie sich in Kultur, Geschichte, Landschaft und selbst im Klima von meiner Heimat und von all meinen bisherigen Outdoorzielen drastisch unterscheiden… Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht überwältigend. …Kurzum: Ich habe Asien kennen und lieben gelernt und dabei auch unglaublich viel über mich selbst erfahren.“

Für alle, die den einen oder anderen Trail auch begehen wollen, hat Thürmer ans Ende der einzelnen Erlebniserzählungen ein kleines Trailprofil gestellt, weiter führende Infos findet man über die QR-Codes am Schluss des Buchs.

Info. Christine Thürmer, Hiking Asia, Malik,288 S., 18 Euro

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