„Nicht“ ist der Titel des neuen Romans von Dror Mishani. Nur dieses kleine Wort „nicht“. Hundebesitzer gebrauchen es oft, wenn sie ihre Vierbeiner zur Raison bringen wollen. Auch Eltern von kleinen Kindern. „Nicht“ würde man am liebsten auch der Hauptfigur in diesem besonderen Krimi zurufen, wieder und wieder. Denn diese verstrickt sich in ein Lügengespinst, das alles nur immer schlimmer macht.
Eine neue Liebe
Dabei hat Eli, der 52-jährige trauernde Witwer, gerade wieder angefangen zu leben – und zu lieben. Denn er hat auf einer Dinnerparty von Freunden die Cellistin Lia kennengelernt, die ihm sehr gefällt. Und auch Lia scheint Eli zu mögen.
Dror Mishani schildert die Annäherung der beiden poetisch und federleicht: „Deine Seeler tschilpt wie ein Vögelchen, das gerae aus dem Ei schlüft, das ist das sonderbare Bild, das dir in dem Moment einfällt. Es herrschte Finsternis, und plötzlich bricht ein Lichtstrahl herein.“
Der vierbeinige Lebensgefährte
Nicht ganz so leicht ist die Annäherung an Lias derzeitigen Lebensgefährten, den Hund Felix. Der hatte sich an Elis Vorgänger gewöhnt, den „Virtuosen“ Peter, mit dem Lia in einem Quartett auftritt.
Das Drama beginnt damit, dass Lia mit den Musikern eine Konzertreise nach Wien unternimmt und Felix in die Obhut von Eli gibt. Er macht sich gut als Hundesitter bis zum Tag von Lias Rückkehr. Da hätte er öfter „nicht“ sagen müssen, als der Hund einen anderen Weg anstrebt. Als er ohne Leine davon läuft und überfahren wird. Auch Eli würde man nur zu gern „nicht“ zurufen bei alldem, was er nach dem Unfall macht. Er begräbt Felix und verschweigt Lia, was passiert ist.
Wundersames Ende
Eine Lüge gebiert die nächste, tödlich für die junge Liebe. Aber Dror Mishani, der erfolgreiche Übersetzer und Autor von Kriminalromanen, ist ein Meister der Wendungen. Und so endet diese kriminalistische Liebesgeschichte in einer handfesten Überraschung. Mishani hat den Roman in der Du-Form geschrieben, was anfangs etwas befremdlich ist. Allerdings gewöhnt man sich schnell daran und ahnt am Ende, wer es sein könnte, der Eli mit dieser Geschichte konfrontiert…
Ein leichtfüßiger Roman, der mehr Facetten hat als auf den ersten Blick erkennbar ist. Es geht um Liebe, Verzeihen, um Verschwörung und – um Wunder.
Info. Dror Mishani. Nicht, aus dem Hebräischen von Markus Lemke, Diogenes, 137 S., 25 Euro
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