Er gehört zu denen, die Kunst neu definieren: Bansky will mit seiner Street Art die Kunst in den Alltag bringen. Seine Graffiti gelten als revolutionärer Akt – und sie finden sich weltweit, wie dieser fantastische Bildband „Banksy Global Guide“ zeigt. Luca Greco lädt in dem Guide dazu ein, ihm auf eine Reise um die Welt auf Banskys Spuren zu folgen. Diese Spuren zu finden, ist nicht immer einfach, denn viele Werke sind inzwischen verloren, verschwunden wie die Mauern, auf die Bansky sie gesprayt hatte. Trotzdem gibt es in dem Guide Karten, mit deren Hilfe man die noch erhaltenen Graffiti finden kann. Auch QR-Codes helfen dabei.
Teddy mit Molotowcocktail
Doch der Guide bietet noch mehr: Informationen zu den grundlegenden Themen des Künstlers, dessen Werdegang ebenso immer noch im Dunkeln liegt wie seine Identität. Vielleicht hat ja alles wirklich in Bristol begonnen. Jedenfalls beginnt die Reise hier mit dem Teddybär, der einen Molotowcocktail in der Pfote hält und dem Paint Pot Angel, der Engelskulptur, der Bansky einen roten Farbeimer über den Kopf gestülpt hat.
Girl with Balloon
Weiter führt die Reise über London, wo Bansky seine Spuren in allen Stadtvierteln hinterlassen hat. Unter anderem mit einer Karikatur der Royals und einer Abbildung von Diego Velazquez als Graffiti-Maler. Auch das ursprüngliche „Girl with Balloon“ befand sich in London. Weltberühmt wurde das Motiv, als sich eine gerahmte Version während einer Auktion selbst zu zerstören begann.
Die Gangsta Rat von Liverpool
Mit den „Kissing Coppers“, den küssenden Polizisten, feierte Bansky in Brighton den offenen Geist der Stadt. Die Arbeit wurde inzwischen entfernt und an einen Sammler verkauft. Ein Zeugnis der Untergrund-Kultur war die Gangsta Rat von Liverpool, die ebenfalls nicht mehr existiert. Weiter führt die Reise über die Britischen Inseln, und man staunt über Banskys vielfältige Ausdrucksweisen, oft von Ironie und der Aktualität – Brexit! – geprägt.
Vom Boot zum Floß
Der Künstler hat keine Hemmungen, sich zu bekennen: „We‘re all in the same boat“ (wir sitzen alle im selben Boot) lautet seine Botschaft Im Park des Küstenstädtchens Lowestoft. Aber in Calais revidiert er diese Aussage „We‘r not all in the same boat“ (wir sitzen nicht alle im selben Boot) mit einer Neu-Interpretation vom „Floß der Medusa“. Auch dieses Werk ging verloren. Paris wiederum ist voller Bansky-Ratten, und in Neapel trägt die Madonna über dem Kopf eine Pistole im Heiligenschein.
Charlie Brown als Brandstifter
Kritisch geht es weiter in Los Angeles, wo Charlie Brown als Brandstifter in Hollywood agiert. In New York schuf der Künstler neben einer Vielzahl von Graffiti mit „Moving Waterfall“ eine immersive Installation. Schließlich noch Bethlehem mit der berühmten Friedenstaube in kugelsicherer Weste. Die Hoffnung auf Versöhnung wird durch einen palästinensischen und einen israelischen Engel symbolisiert, die versuchen, die trennende Mauer aufzubrechen.
Am Ende stehen Banskys Kommentare zum Krieg in der Ukraine, u.a. mit dem kleinen Judoka, der den Riesen (Putin) zu Fall bringt. Ein Signal der Hoffnung in scheinbar hoffnungsloser Zeit.
Info. Luca Greco. Bansky Global Guide, Prestel Verlag, 304 S., 32 Euro
Keine Kommentare