Liebe ohne Logik
Rezensionen , Romane / 31. Mai 2026

„Die Gesetze von Liebe und Logik“ sind ein interessantes Debüt, schon weil die Autorin Debra Curtis, eine emeritierte Professorin und Mutter erwachsener Zwillingstöchter, erst spät zur Schriftstellerei gekommen ist. Für ihren ersten Roman hat die Anthropologin viel Fachliteratur gelesen, wie sie im Anhang verrät. Vielleicht zu viel. Denn die eher intellektuellen Abhandlungen über Logik, Physik und das, was unsere Welt im Innersten zusammen hält, sind oft langatmig und passen so gar nicht zu dem eher einfachen Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Gegensätzliche Schwestern Die Geschichte um zwei Schwestern in der amerikanischen Provinz – klug und aufmüpfig die eine, hübsch und angepasst die andere – wird durch den Titel auf eine literarische Höhe gehoben, die der Roman rein sprachlich nicht halten kann: „Ihr ganzes Leben hindurch war Lily mit den Gesetzen von Liebe und Logik konfrontiert worden, sie hatte intuitiv verstanden, dass der Unterschied darin bestand, dass die Liebe das Unmögliche zuließ. Sie war in der Dualität des Lebens gefangen gewesen – in den scheinbaren Widersprüchen – zwischen Liebe und Verlust, zwischen Glauben und Wissenschaft, und ganz besonders zwischen Dunkel und Licht.“ Liebesträume und ein Trauma Die Mutter hatte ihre Töchter Lily und Jane zu selbstbewussten Frauen erzogen, war…

Bis ans Ende der Welt
Rezensionen , Romane / 10. Mai 2026

In seinem dritten Roman „Bis die Bären tanzen“ greift der Schweizer Autor Michael Hugentobler auch auf die eigene Familiengeschichte zurück. Im Roman geht es um vier Geschwister, die es in der Zwischenkriegszeit in die halbe Welt verschlägt – von der Schweiz und Nazideutschland bis nach Brasilien und Australien. Sie heißen Belle, Elfie, Cob und Anne und ihr Leben ist so unterschiedlich wie ihr Charakter. Die Hüterin der Geheimnisse Belle ist verliebt in den Nachbarsjungen Baron und träumt von einer Hochzeit, bis er ihr von der Schwangerschaft seiner Frau schreibt.  Die Enttäuschung treibt sie bis in den brasilianischen Urwald. Anne liest sich in die Anarchistenszene ein, scheitert mit einem Attentatsversuch in Australien und kommt unverhofft zu einem Adoptivsohn. Cob verlässt die Familie als erster, als sein vom Krieg traumatisierter Vater die Waffe auf ihn richtet. Statt Turnlehrer zu werden, tourt er mit einem Zirkus und einer unzuverlässigen Geliebten durch Nazideutschland. Und Elfie? Die zarte Schönheit landet in einem Sanatorium in den Bergen, empfängt von allen Geschwistern Briefe und hütet deren Geheimnisse. Die wichtigsten Themen Denn die Geschwister wissen nur wenig von einander und verheimlichen vieles, was oft nur die „Mamme“ weiß, die vergeblich versucht, ihre verstreute Familie zusammenzuhalten. Der in drei…

Süße Früchte im Pfarrgarten
Rezensionen , Romane / 27. April 2026

Martina Bogdahn, 1976 in Weißenburg geboren, hat etwas geschafft, was nur wenigen gelingt. Ihr Debut „Mühlensommer“ schnellte von Null auf Bestsellerniveau. Nun legt die 50-Jährige mit „Mirabellentage“ nach. Und wieder erzählt sie mit viel Empathie und Humor vom Leben im fiktiven Blumfeld, das an den fränkischen Ort angelehnt ist, in dem Bogdahn aufwuchs. Diesmal steht die Pfarrhaushälterin Anna Nass im Mittelpunkt. Nach dem Tod des Pfarrers, den sie seit ihrer Kindheit kannte, droht ihr Leben aus dem Takt zu geraten. Der Neue aus dem Norden Die 54-jährige Anna muss schauen, was sie mit dem Rest ihres Lebens machen will. Bisher hat ihre Rolle als Pfarrhaushälterin nicht hinterfragt, sie hatte sich an das harmonische Zusammenleben mit dem Schulfreund Josef im Pfarrhaus gewöhnt. Aber kaum ist er tot, steht schon ein neuer Pfarrer auf der Matte, jung, blond und aus dem hohen Norden. Seine Sprache, fürchtet Anna, würden die Dörfler nicht verstehen. Italienisch aus dem Kochbuch Wie soll er da den Verstorbenen dezent unter die Erde bringen? Kurzerhand beschließt Anna, dass Fridjof sich ins Italienische retten könnte – mittels ihres italienischen Kochbuchs. Denn in Blumfeld, da ist sie sicher, spricht niemand italienisch. Und so lauschen die Dörfler hingerissen den italienischen Tönen aus…

Scheitern für Anfänger
Rezensionen , Romane / 20. April 2026

Christian Schünemann hat in dem autofiktionalen Roman „Bis die Sonne scheint“ seine Familiengeschichte fiktionalisiert und damit neu erzählt. So steht es im Nachwort. Erzählt wird das Leben der Familie Hormann in den 1980iger Jahren aus der Perspektive des 14-jährigen Daniel. Dass seine Eltern Siegfried und Marlene in eine desolate finanzielle Lage geraten sind, erfährt der Junge rein zufällig: „Was machen wir jetzt?“, fragte sie (die Mutter). Von meinem Vater kam keine Antwort. Niemand rührte sich, auch nicht die Hunde in ihren Körben, als hätt die Frage eine Lähmung ausgelöst. Nur am Geschirrspüler blinkte unablässig das grüne Lämpchen und zeigte an, dass der Trockenvorgang beendet war. „Nehmen wir uns einen Strick?“ fragte meine Mutter. Den Kühlschrank durchlief ein Zittern. Die Flaschen in seinem Innern klirrten leise. Im Wohnzimmer wurden Kaffeetassen und Aschenbecher ineinander gestellt – das Signal, dass das Gespräch und der Abend beendet waren.“ Geplatzte Träume Auch wenn seine Eltern sich vor den Kindern die Situation schönreden, weiß Daniel, dass die Pleite von „Hormann Massiv Bau“ auch auf seine Pläne Auswirkungen haben wird: Die Reise nach Frankreich – gestrichen. Auch das nachtblaue Samtjacket für die Konfirmation bleibt ein Traum. Der schöne Schein Dabei schien alles so gut zu laufen. Die…

Eine unmögliche Liebe
Rezensionen , Romane / 17. April 2026

Die beiden Protagonisten im Roman „Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber könnten unterschiedlicher nicht sein: Der eine, Bohm, blickt mit 36 Jahren auf ein gescheitertes Leben zurück und ist seit fünf Jahren obdachlos. Die andere, Alina, hat Angst um ihre Zukunft. Sie fürchtet, vom Fernsehsender entlassen zu werden. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere könnte eine Reportage über das Leben von Obdachlosen sein. Der Hund Und da kommt Bohm ins Spiel. Alina will ihn für ihre Reportage begleiten. Aber Bohm hat kein Interesse, über sein Leben zu reden. Auch wenn er nichts besitzt außer einem ungeöffneten Brief in seinem abgetragenen Parka, will er sich nicht kaufen lassen. Das ändert sich allerdings, als Fox auftaucht, ein kleiner Hund, der sich in Bohms Herz schleicht – und in das von Alina gleich mit. Die Annäherung Ja, das wird eine Liebesgeschichte – und nicht nur solange ein Streichholz brennt. Die beiden fühlen sich von einander angezogen. Gegen ihren Willen. Sie stoßen sich gegenseitig ab, nur um sich darauf noch näher zu kommen. Von dieser ungewöhnlichen Annäherung erzählt Christian Huber mit charmanter Leichtfüßgikeit: „Bohm sah sie an. Dann sahj er in ihre Augen. Ein funkeln, Ein Knistern. Gänsehaut auf Kopfhaut und Nacken. Licht…

Lesen in Zeiten des Krieges
Rezensionen , Romane / 13. April 2026

Der 1971 in Marokko geborene Politologe Rachid Benzine schreibt in dem bewegenden Roman „Der Buchhändler von Gaza“ über das Leiden der Palästinenser und die Kraft der Literatur. Damit setzt er in dem aktuellen Konflikt, in dem Gaza unterzugehen droht, ein Lebenszeichen und in all der gegenwärtigen Trostlosigkeit ein Zeichen der Hoffnung. Ein Bild für Gaza Die Ausgangsbasis ist 2014 die Begegnung eines französischen Fotografen mit einem alten Buchhändler im damals schon weitgehend zerstörten Gaza. Für seine Agentur würde er den Mann zwischen seinen Büchern gern fotografieren: „Dieses Bild zeigt alles. Es zeigt, was aus Gaza geworden ist. Ein alter Buchhändler, der immer noch an seinen Büchern hängt und inmitten der Ruinen weiter liest.“ Ein Leben auf der Flucht Der alte Mann will sich nicht ohne weiteres fotografieren lassen. Der Fotograf müsse sich zuerst die Erzählung seines Lebens anhören, fordert er. Nur dann könne er sich ein vollständiges Bild mache. Und so beginnt der Buchhändler Nabil zu berichten: Von der Vertreibung seiner Familie 1948 aus ihrem Dorf während der Nakba, vom Leben in Flüchtlingslagern, dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und den nie endenden Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis. Nabil ist immer mittendrin – auch zwischen in den Religionen. Denn sein Vater war Christ,…

Venedig im Kaleidoskop
Rezensionen , Romane / 10. April 2026

David Hewson macht in „Das Borgia Porträt“ ein bisschen auf Dan Brown und jagt die Lesenden auf der Suche nach einem verschwundenen Porträt durch Venedig. Ziel der Schnitzeljagd, die in ein Venedig abseits der Touristen-Hotspots führt, ist nicht irgendein Porträt, sondern das der verführerischen Lukrezia Borgia. Der alte Palast Für die junge Engländerin Lizzie Hawker ist das erotische Porträt eine Kindheitserinnerung, bevor ihre Mutter verschwand. Lizzie hat den baufälligen Palast Ca‘Scacchi geerbt und viele Schulden. Das Borgia-Porträt könnte ihre Geldnöte beenden. Aber wo steckt Lukrezia? Der Strippenzieher Mit Hilfe des pensionierten Archivars Arnold Clover – auch er aus England – macht sich die junge Frau auf die Suche. Schon bald stoßen die beiden auf unerwartete Hürden und ahnen, dass ein potenter Strippenzieher die Hände im Spiel hat: Enzo Canale hatte sich vom mittellosen Barmann zum einflussreichen Immobilienmagnaten hochgegaunert. Wie Chas Hawker warb er um die Hand der schönen Comtessa Lucia Scacchi – und verlor. Aber Hawker, Lizzies Vater, war wohl ein ebensolcher Schurke, wenn auch weniger erfolgreich. Das Skelett in der Gruft Für Lizzie, die ihrem Vater seine Eskapaden gern verziehen hat, sind das keine guten Neuigkeiten. Und sie muss noch mehr verkraften. Bei der Suche nach dem verlorenen Porträt…

Liebe und Leid in den Bergen
Rezensionen , Romane / 10. April 2026

Francesco Vidotto erzählt in „Meine Berge bist du“ eine bewegende Geschichte aus einer vergangenen Zeit. Der Ich-Erzähler lernt in den Dolomiten einen alten Mann kennen, der sich Guido Contin nennt. Die Dörfler nennen den schweigsamen Einzelgänger Cognac. Aber nachdem er  unter den Fundstücken des Erzählers das Porträt eines Mädchens gesehen hat,  wird der Alte gesprächig. Ein Leben in Briefen Er teilt mit dem Fremden Briefe an die Berge, die ein gewisser Onesto geschrieben hat. In diesen Briefen spielt sich ein ganzes Leben ab – angefangen von einer Entführung über das Wiedersehen mit der Mutter und dem Zwillingsbruder Santo bis zur großen Liebe und dem schweren Verzicht. Liebe und Schicksal Es ist ein hartes Leben in den Bergen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ein einfaches Leben voller Entbehrungen – auch für die allein erziehende Mutter der Zwillinge. Doch trotz der Armut erleben die Kinder ein liebevolles Zuhause, und die Brüder sind einander in herzlicher Zuneigung verbunden. Aber das Schicksal stellt sie auf eine harte Probe. Feindliche Wirklichkeit Onesto und Santo verlieben sich in die hübsche Celeste. Zusammen mit deren Bruder erleben sie die Natur in aller Unschuld als Abenteuer. Doch diese Natur kann auch unbarmherzig sein, noch unbarmherziger sind die…

Drei Frauen im Wandel der Zeit
Rezensionen , Romane / 25. März 2026

Drei Frauen, drei Generationen, drei Außenseiterinnen – davon die bei Stuttgart lebende Autorin Hannah Häffner in ihrem Romandebüt „Die Riesinnen“, das sie in einem fiktiven Schwarzwalddorf ansiedelt. Da, wo noch bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts strenge Sitten galten und Unangepasstheit gesellschaftlich geächtet war. Großmutter, Mutter und Enkelin, die Riesinnen, scheinen nicht in diese enge, ja engstirnige Dorfgemeinschaft zu passen. Zu groß sind sie, zu knochig, zu rothaarig. Gegen alle Umstände Hannah Häffner begleitet die drei Frauen durch die Zeit: Liese ist als Frau des Metzgers in ihrer Zeit und deren Konventionen verhaftet. Im Dorf ist sie Außenseiterin wie der Franz, mit dem auch niemand redet. Aber als sie nach dem überraschenden Tod des Ehemanns, der die Tochter schlug, mit Cora allein auf sich gestellt ist, wächst sie über sich selbst hinaus. Sie erkämpft sich und der Tochter ein selbstbestimmtes Leben – gegen das Dorf und die Umstände. Die Welt und das Dorf Anders als die Mutter ist Tochter Cora von Anfang an unangepasst, nimmt sich, was sie will. Sie will hinaus aus der dörflichen Enge, wo keine Freunde hat. Sie will die Welt erobern, sich selbst er-spüren. Ihre Rückkehr ist nicht freiwillig, aber sie knüpft an die…

Rebell mit Fell
Rezensionen , Romane / 16. März 2026

„Ich rebelliere!“, ruft das Känguru als es in die Küche kommt. „Aha“, sage ich, „wogegen rebellierst du denn?“ „Gegen die Zustände“ „Verständlich“, sage ich „gerade zu löblich.“ Ein Känguru rebelliert gegen den Kapitalismus – und wird zum Bestseller. Das berühmte Beuteltier von Marc-Uwe Kling ruft im fünften Band zur Rebellion auf und fordert Frührente für Merz, Putin, Lukaschenko, Erdogan, Orban, Netanjahu… Chamenei ist auch dabei. Schließlich konnte das Känguruh nicht wissen, dass Israel den iranischen Machthaber töten würde. Sonst weiß es natürlich (fast) alles, zum Beispiel über den Kapitalismus und die Profitinteressen. Die Trump-Show Oder über die Trump-Show: „Trump ist ein Typ, der die Präsidentschaft in beispielloser Manier nutzt, um sich selbst zu bereichern. Einer, der sich von Katar einen goldenen Jet schenken lässt, während seine paramilitärischen Truppen mit Gewalt Großeltern von ihren Enkeln trennen. Der den Ostflügel des Weißen Hauses abreißt, um sich einen goldenen Tanzsaal bauen zu lassen, während seine Schergen im Kongress Millionen von Amerikanern die Krankenversicherung rauben. Der seine eigene Kryptowährung erfindet, damit man ihn besser schmieren kann, während die Lebenshaltungskosten für alle anderen auf Grund seiner willkürlichen Zölle und der daraus resultierenden Inflation immer weiter steigen.“ Rebellieren, aber wie? Die Liste ist noch um einiges…