Drei Frauen im Wandel der Zeit

25. März 2026

Drei Frauen, drei Generationen, drei Außenseiterinnen – davon die bei Stuttgart lebende Autorin Hannah Häffner in ihrem Romandebüt „Die Riesinnen“, das sie in einem fiktiven Schwarzwalddorf ansiedelt. Da, wo noch bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts strenge Sitten galten und Unangepasstheit gesellschaftlich geächtet war. Großmutter, Mutter und Enkelin, die Riesinnen, scheinen nicht in diese enge, ja engstirnige Dorfgemeinschaft zu passen. Zu groß sind sie, zu knochig, zu rothaarig.

Gegen alle Umstände

Hannah Häffner begleitet die drei Frauen durch die Zeit: Liese ist als Frau des Metzgers in ihrer Zeit und deren Konventionen verhaftet. Im Dorf ist sie Außenseiterin wie der Franz, mit dem auch niemand redet. Aber als sie nach dem überraschenden Tod des Ehemanns, der die Tochter schlug, mit Cora allein auf sich gestellt ist, wächst sie über sich selbst hinaus. Sie erkämpft sich und der Tochter ein selbstbestimmtes Leben – gegen das Dorf und die Umstände.

Die Welt und das Dorf

Anders als die Mutter ist Tochter Cora von Anfang an unangepasst, nimmt sich, was sie will. Sie will hinaus aus der dörflichen Enge, wo keine Freunde hat. Sie will die Welt erobern, sich selbst er-spüren. Ihre Rückkehr ist nicht freiwillig, aber sie knüpft an die Wurzeln an. Tochter Eva muss nicht kämpfen, ihr fällt alles in den Schoß – auch die Liebe des Dorfes. Eva muss sich nichts beweisen, braucht keine wilden Abenteuer. Sie liebt den Wald – und fühlt sich wieder geliebt.

Existenzielle Fragen

Hannah Häffners beeindruckender Roman, der mit einer wuchtigen Passage über die Dunkelheit und den Wald beginnt, erzählt nicht nur von drei Frauen, von Müttern und Töchtern. Er verhandelt auch existenzielle Fragen wie Heimat, Natur, Zugehörigkeit. Die Autorin traut sich dabei viel zu, wagt sich an Bilder wie das vom „frisch gehäuteten Leben“ oder von der Musik, „die ins Knochenmark dringt, unter die Zunge, ins Stammhirn“, vom „Mörtelstaub der Träume“.

Der Schwarzwald

Sie hat keine Scheu, über die Heimat zu schreiben, die mächtig ist und alt, den Schwarzwald. Da stehen dann auch Sätze, die sich einprägen wie der über ehemalige Freundinnen: „Sie sind voneinander fortgewachsen“ oder der über das gemeinsame Haus, das sich die Frauen  „zurechtgelebt“ haben.

Es gibt auch Männer in diesem Buch, aber sie spielen keine besonders wichtige Rolle – außer dem Außenseiter Franz. Wichtiger ist der Schwarzwald,  der verletzlich ist wie die Protagonistinnen,  der aber den Riesinnen  den Raum lässt, den sie für ihr Leben brauchen.
Ein Roman fürs Herz, mutig, poetisch, mitreißend.

Info. Hanna Häffner. Die Riesinnen,  Penguin,  416 S., 24 Euro

 

 

 

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