Wer oh! ausruft, ist begeistert, überrascht, manchmal sogar überwältigt. Der folio Verlag hat eine ganze Reihe oh‘s für Reisende herausgebracht, die alle eines gemeinsam haben – den persönlichen Blick. Die Reihe wurde denn auch mit dem International Travel BookAward 2025 in der Kategorie „Besonderer Reiseführer/Reisebuch“ ausgezeichnet.
Launige Plaudereien
Es macht Spaß, durch die Seiten dieser schönen, kleinen Bücher zu blättern und die ebenso launigen wie kundigen Texte zu lesen. Hier wird nicht mit Bucket Listen hantiert, hier hat man das Gefühl, mit Freunden über einen Lieblingsort zu plaudern. Natürlich ist auch bei diesen Reiselesebüchern Sightseeing angesagt – aber eben nicht nur.
Einladung zum Schmökern
Man spürt, dass die Autorinnen und Autoren die beschriebenen Ziele nicht nur kennen, sie lieben sie auch. Und sie erzählen Geschichten, die man so in kaum einen anderen Reiseführer findet. „Oh! Venedig“ zum Beispiel lädt genauso wenig zum Abhaken von Highlights ein wie „Oh! Neapel“. Im Gegenteil, die Bücher laden zum Schmökern ein, zum Entdecken besonderer Orte.
Wo die Gondeln Bücher tragen
In Venedig ist das zum Beispiel die Libreria Acqua Alta, wo die Bücher in ausrangierten Gondeln lagern, wohl eine der originellsten Buchhandlungen der Welt. Autorin Maria Wiesner empfiehlt auch die Scala Contarini del Bovolo, einen 26 Meter hohen Wendeltreppenturm, der durch Orson Welles‘ Othello zu Filmehren kam. Oder den Palazzo Dario am Canale Grande, der wegen einer Häufung von Todesfällen als „verfluchter Palazzo“ bekannt wurde.
Casanova und Pasolini
Noch mehr Klatsch und Tratsch? Zum Beispiel die Geschichte der Sammlerin Peggy Guggenheim und des nackten Reiters mit dem abschraubbaren Penis. Oder die sagenhafte Karriere des ersten Influencers, Casanova, der nicht nur Frauenverführer war, sondern auch studierter Jurist, Börsenhändler, Geiger, Philosoph… Die Geschichte von Pier Paolo Pasolinis Jacht Edipo Re, König Ödipus, wo der Regisseur u.a. mit Maria Callas am Film „Medea“ arbeitete und feierte. Für Filmfans hat Autorin Wiesner sogar eine eigene Route.
Neapel sehen und lieben
Auch Irene Helmes plaudert in oh! Neapel mit viel Zuneigung über die Stadt, „die die unglaublichsten Erzählungen hervorbringt“, die Stadt der tausend Kulturen. Helmes führt weit in die Geschichte zurück – und in den Untergrund. Sie öffnet den Blick für die kleinen Gassen, für Street Art, für versteckte Pracht und die „Metro d‘arte“, die „schönste U-Bahn der Welt“. Sie führt in Museen und Kirchen, in Strandbäder und Pizzerien, nach Pompeji und Sorrent. Man trifft Diego Maradona und Sophia Loren, Pulcinella und Elena Ferante. Keine Stadt, die sich einschmeichelt, aber eine, die bleibt.
Info Maria Wiesner. Oh! Venedig, folio, 160 S., 20 Euro
Irene Helmes. Oh! Neapel, 160 S. 20 Euro

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