Gemeinsam stark

10. Februar 2026

„Die Reise unseres Lebens“, so auch der Titel ihres Buches, war für Alexander Källner und Lovis Wiefelspütz die gemeinsame einjährige Weltreise. Das liegt auch daran, dass Alex „körperlich behindert“ ist, wie er selbst schreibt, und deshalb auf Hilfe angewiesen. Die bekommt er auf der Reise von seinem besten Freund Lovis, der mit AHDS zu kämpfen hat. In ihrem Buch beschreiben sie abwechselnd ihre Reise-Erfahrungen, aber auch den nicht ganz leichten gemeinsamen Alltag.

Ein Balanceakt

Lovis ahnt, dass „diese Reise ein Balanceakt werden wird zwischen dem, was Alex und ich wollen und dem, was wir schaffen können“. Er attestiert dem Freund „an liebenswerten Größenwahn grenzende Ideen“, weiß aber auch „diese Reise ist für mich bereits vor dem ersten Tag eine Reise zu mir selbst“.

Hilfe leisten und annehmen

Einfach ist das Ganze weder für Lovis, der Alex‘ körperliche Pflege übernehmen und ihn bei Barrieren unterstützen muss, noch für Alex, der diese Hilfe immer wieder annehmen muss, nicht. Es gibt Diskussionen, ja auch Streit – was die Freunde nicht verschweigen.

Spontane Hilfsbereitschaft

Aber die schönen, die unvergesslichen Reise-Erlebnisse überwiegen. Die vielen Freunde, die sie in aller Welt finden, die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen, die Fremdheit und Schönheit der Reiseziele. Alexander Källner, der über sich sagt „Ich trage meine Behinderung stolz nach außen“, geht es vor allem darum, anderen Mut zu machen und zu erkennen, „dass eine Behinderung das Leben ganz und gar nicht wertloser werden lässt“.

Plädoyer für Barrierefreiheit

Freunde wie Lovis können dazu beitragen, aber auch staatliche Maßnahmen wie Barrierefreiheit und gesellschaftliche Übereinkünfte, in denen Behinderung kein Makel ist. Und so führen die beiden auf ihrer Reise auch Interviews zur Barrierefreiheit, zu Problemen der Inklusion.

Abenteuer trotz Behinderung

Oft tritt dabei das Reiseland mit seinen touristischen Highlights in den Hintergrund. Hier geht es mehr um persönliche Erfahrungen, die diese Reise zu etwas Besonderem machen. Denn trotz Alex‘ vielfältiger Behinderung reisen sie mit einem Van durch Neuseeland, mit dem Bus durch Südvietnam, sind mit dem Motor-Kanu im Amazonas-Regenwald unterwegs und feiern ausgelassene Partys. Ja, sie wagen sich sogar an abenteuerliche Sportarten wie Tauchen oder Paragliding. Dabei helfen ihnen immer wieder neue Freunde, die vom Vorhaben der beiden begeistert sind.

So wird das Buch, das sich teilweise liest wie ein langer Erlebnis-Aufsatz, zu einem Mutmacher für andere, an sich selbst und ihre Träume zu glauben.

Info. Alexander Källner/Lovis Wiefelpütz. Die Reise unseres Lebens, Malik, 240 S., 18 Euro

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.