Im Laufschritt um Großbritannien

2. September 2025

Elise Downing hat etwas geschafft, was sie sich selbst nicht zugetraut hatte: Weil der Alltag nach dem Studium und eine toxische Beziehung sie frustriert, stürzt sie sich in ein Laufabenteuer. Auf Küstenpfaden will sie Großbritannien umrunden – rund 8.000 Kilometer im Laufschritt und ohne viel Erfahrung. In ihrem oft selbstironischen Buch „Küstenpfade“ erzählt sie, wie sie sich „durch ein großes Abenteuer hindurchgewurstelt hat“ – ohne zu wissen, wie man eine Karte liest oder ein Zelt aufbaut. Und sie warnt davor, es ihr nachzumachen.

Nicht ganz ungefährlich

Denn so ganz ungefährlich ist so ein Unterfangen nicht. Da lauern nicht nur aggressive Kühe, die Elise besonders fürchtet, da enden auch Wege im Nirgendwo, trifft man auf schräge Typen und kommt sich zwischendurch ziemlich verlassen vor. Und doch ist Elise Downing davon überzeugt, dass sie das Richtige gemacht hat. Aber nur, weil sie keine Verpflichtungen hatte und ein Elternhaus, „in das ich zurückkehren konnte“. Nicht nur das, Vater und Mutter begleiten sie teilweise auch auf den abgelegenen Pfaden.

Mitläufer auf Zeit

Auch jede Menge Freunde teilen hin und wieder die Lauf-Erfahrung und immer mehr Fremde, die von Elises Abenteuer im Netz gelesen hatten. So kommt es, dass sie in den ersten Monaten ganz auf ihr Zelt verzichten kann, weil sie sich auf Einladungen in Hotels, Bed & Breakfast, in Gästezimmern verlassen kann. In den Wintermonaten ein nicht zu unterschätzenden Komfort. Denn das Nachtquartier bietet meist auch noch eine warme Dusche, oft eine Mahlzeit. Und immer wieder werden die Gastgeber zu Mitläufern auf Zeit.

Magische Erlebnisse

Trotzdem hat Elise immer wieder Durchhänger. Tage, an denen sie an sich und ihrem Abenteuer zweifelt. Tage, an denen sie den schweren Rucksack auf ihrem wund gescheuerten Rücken kaum mehr tragen kann. Und Tage, an denen ihr zum Heulen zumute ist. Aber die positiven Erfahrungen überwiegen: „Es gab Tage, die alle Entbehrungen wettmachten. Die 35 Kilometer von Kilberry nach Lochgilphead fühlten sich schlichtweg magisch an.

Wege zum Glück

Elise Downing verliebt sich in die Landschaften, die sie durchläuft, sie freundet sich sogar mit den gefürchteten Kühen an und vor allem mit den Menschen, die sie auf ihrem langen Weg trifft. Sie geht ihr Abenteuer auch nicht verbissen an, gönnt sich ungeplante Ruhetage und nimmt auch mal die Fähre oder den Bus. Am Ende blickt sie durchaus mit Stolz auf das Unterfangen zurück, bei dem sie nicht nur gelernt hat, die Schönheit ihrer Heimat zu genießen, sondern auch, sich selbst zu akzeptieren.

Wer sich nach der Lektüre wie Elise auf britische Küstenpfade begeben will, tut sich inzwischen leichter. Denn der neue englische Küstenpfad erschließt die ganze Küstenlinie. Und das „right to roam“, also das Jedermannsrecht, macht es möglich, Wiesen, Wälder und Felder frei zu betreten. Eine Karte sollte man allerdings schon lesen können, bevor man sich auf den Weg macht…

Info Elise Downing. Küstenpfade, Knesebeck, 348 S., 22 Euro

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