In der Monsterwelle

1. März 2026

Daniel Faßbender war Seemann und wäre selbst gern Profisurfer geworden. Jetzt hat der Nachrichtenredakteur und Autor („Die weltbeste Geschichte vom Fallen“) mit „Heaven‘s Gate“ sein Debüt als Krimiautor gegeben. Im Zentrum steht ein abgehalfteter Surfer, der wider Willen zum Detektiv wird.

Der Anti-Held und die Welle

Dabei bedient sich Fassbender ziemlich großzügig bei Vertretern des Hardboiled-Genres wie Raymond Chandler. Sein Caruso ist ein echter Anti-Held, versoffen und oft verpeilt. Ein Tagträumer, den es auf der kleinen Philippinen-Insel Surogao ins Zentrum einer gigantischen Korruptionsaffäre spült. In dieser Monsterwelle, die tödlicher ist als die namensgebende „Heaven‘s Gate Welle“ droht der wankelmütige Caruso unterzugehen.

Wilder Westen auf der Insel

Dabei hat er sich doch nur von einer schönen und reichen Spanierin dazu anheuern lassen, ihren verlorenen Sohn zu suchen. Der verwöhnte und gelangweilte Juan wollte wohl auf der Insel beim Drogenschmuggel mitmischen und hat in ein Wespennest gestochen. Denn auf der Insel herrscht „Wilder Westen“, wie Juans Vater Diego, der gerade erst aus dem Knast entlassen wurde, weiß: „Die Mexikaner mischen ganz sicher mit, die Chinesen sowieso, und dann noch lokale Gruppen.“

Skrupellose Feinde

Diego ist nicht nur schlau, sondern auch stark. Und Stärke kann Caruso wirklich brauchen. Denn auf der Suche nach Juan gerät er schnell an seine Grenzen, ja in tödliche Gefahr. Er ahnt zwar, dass er niemandem  trauen kann, weiß aber nicht, wie skrupellos seine Feinde sind. Freunde und Helfer sind in Lebensgefahr.  Da kommt Diego, der sich spät an seine Vaterpflichten erinnert, zur rechten Zeit.

Lakonischer Witz

Faßbender schreibt abwechselnd aus der Sicht von Caruso und der von Diego über ein verlorenes Paradies in den Tropen, über menschliche Abgründe, Verrat und einen oft rührend naiven Detektiv wider Willen. Der für das Genre typische lakonische Witz lässt die Brutalität leichter ertragen, auch die etwas klischeehafte Zeichnung der Frauen. Da würde man sich mehr Tiefe wünschen.

Info. Daniel Faßbender. Heaven‘s Gate, Diogenes, 291 S., 19 Euro

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