Lesen in Zeiten des Krieges

13. April 2026

Der 1971 in Marokko geborene Politologe Rachid Benzine schreibt in dem bewegenden Roman „Der Buchhändler von Gaza“ über das Leiden der Palästinenser und die Kraft der Literatur. Damit setzt er in dem aktuellen Konflikt, in dem Gaza unterzugehen droht, ein Lebenszeichen und in all der gegenwärtigen Trostlosigkeit ein Zeichen der Hoffnung.

Ein Bild für Gaza

Die Ausgangsbasis ist 2014 die Begegnung eines französischen Fotografen mit einem alten Buchhändler im damals schon weitgehend zerstörten Gaza. Für seine Agentur würde er den Mann zwischen seinen Büchern gern fotografieren: „Dieses Bild zeigt alles. Es zeigt, was aus Gaza geworden ist. Ein alter Buchhändler, der immer noch an seinen Büchern hängt und inmitten der Ruinen weiter liest.“

Ein Leben auf der Flucht

Der alte Mann will sich nicht ohne weiteres fotografieren lassen. Der Fotograf müsse sich zuerst die Erzählung seines Lebens anhören, fordert er. Nur dann könne er sich ein vollständiges Bild mache. Und so beginnt der Buchhändler Nabil zu berichten: Von der Vertreibung seiner Familie 1948 aus ihrem Dorf während der Nakba, vom Leben in Flüchtlingslagern, dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und den nie endenden Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis.

Nabil ist immer mittendrin – auch zwischen in den Religionen. Denn sein Vater war Christ, die Mutter Muslimin. Er erzählt von der Hoffnungslosigkeit in den überfüllten Lagern, von der Wut der Ohnmacht, von Verlust und Verzweiflung, Tod und Elend, auch von den kleinen Freuden und der Liebe seines Lebens.

Der Trost der Bücher

Wegen eines Protests gegen israelische Soldaten muss Nabil für lange Zeit ins Gefängnis. Dort helfen ihm Bücher über seine Verzweiflung hinweg. Er liest Solschenizyn und Doris Lessing, Shakespeare und Foucault, aber auch Primo Levi. Und er lässt sich beeindrucken von Franz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“ über den Postkolonialismus, sein „Leuchtfeuer“.

Nabils aufwühlende Erzählungen über die Zeit nach der Gründung Israels, die von Gewalt und Elend geprägt ist, sind eine ins Herz zielende Anklage gegen die aggressive Politik Israels. Nach dem 7. Oktober kehrt der Fotograf noch einmal zurück nach Gaza – in eine Trümmerlandschaft: „Wo Nabil wohnte, war jetzt nichts als Staub.“ Doch das Leben geht weiter…

Info. Rachid Benzine. Der Buchhändler von Gaza, Piper, 125 S., 22 Euro

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