Liebe ohne Logik

31. Mai 2026

„Die Gesetze von Liebe und Logik“ sind ein interessantes Debüt, schon weil die Autorin Debra Curtis, eine emeritierte Professorin und Mutter erwachsener Zwillingstöchter, erst spät zur Schriftstellerei gekommen ist. Für ihren ersten Roman hat die Anthropologin viel Fachliteratur gelesen, wie sie im Anhang verrät. Vielleicht zu viel. Denn die eher intellektuellen Abhandlungen über Logik, Physik und das, was unsere Welt im Innersten zusammen hält, sind oft langatmig und passen so gar nicht zu dem eher einfachen Stil, in dem das Buch geschrieben ist.

Gegensätzliche Schwestern

Die Geschichte um zwei Schwestern in der amerikanischen Provinz – klug und aufmüpfig die eine, hübsch und angepasst die andere – wird durch den Titel auf eine literarische Höhe gehoben, die der Roman rein sprachlich nicht halten kann: „Ihr ganzes Leben hindurch war Lily mit den Gesetzen von Liebe und Logik konfrontiert worden, sie hatte intuitiv verstanden, dass der Unterschied darin bestand, dass die Liebe das Unmögliche zuließ. Sie war in der Dualität des Lebens gefangen gewesen – in den scheinbaren Widersprüchen – zwischen Liebe und Verlust, zwischen Glauben und Wissenschaft, und ganz besonders zwischen Dunkel und Licht.“

Liebesträume und ein Trauma

Die Mutter hatte ihre Töchter Lily und Jane zu selbstbewussten Frauen erzogen, war aber früh verstorben. Lily findet in einem ambitionierten Footballspieler und Mitschüler die große Liebe, träumt von Heirat und Kindern, Küche, Kirche. Jane dagegen gibt sich ganz dem Charme der Zahlen hin, auch wechselnden Männern – und den Drogen. Ein großes Missverständnis mit schlimmen Folgen macht Lilys Pläne zunichte.

Der Geliebte – immer nur „der Junge“ genannt – landet im Knast und Lily hat ein Trauma. Später heiratet sie den berühmten und reichen Vogelkundler Marshall, den sie als die Liebe ihres Lebens betrachtet, auch wenn er ihren Kinderwunsch nicht erfüllen kann. Ganz verdrängen kann der neue Mann die erste Liebe nicht. Lily muss mit dem Konflikt leben, der sich noch verschärft, nachdem sie viele Jahre später „den Jungen“, der nun sicher kein Junge mehr ist, getroffen und mit ihm geschlafen hat. Jane hat sich zwischenzeitlich wieder einmal von den Drogen gelöst. Aber nichts bleibt, wie es ist. Marshall verfällt der Demenz und Lily kämpft mit der Versuchung, „den Jungen“ wieder zu sehen.

Überraschende Wendungen

Man erfährt in diesem Roman viel über den Alltag und das Leben in der amerikanischen Provinz, über die tiefe Verwurzelung in der christlichen Religion und die gesellschaftlichen Zwänge, über Vogelkunde und Drogensucht. Und die Geschichte wartet auch mit überraschenden Wendungen auf. Trotzdem springt der Funke irgendwie nicht über, zu holprig sind manche Passagen, zu wenig konturiert die Charaktere, und bis zum Schluss bleibt unklar, warum der Junge keinen Namen hat. Logisch ist das nicht.

Info. Debra Curtis. Die Gesetze von Liebe und Logik, Ullstein, 350 S., 23,95 Euro

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