Francesco Vidotto erzählt in „Meine Berge bist du“ eine bewegende Geschichte aus einer vergangenen Zeit. Der Ich-Erzähler lernt in den Dolomiten einen alten Mann kennen, der sich Guido Contin nennt. Die Dörfler nennen den schweigsamen Einzelgänger Cognac. Aber nachdem er unter den Fundstücken des Erzählers das Porträt eines Mädchens gesehen hat, wird der Alte gesprächig.
Ein Leben in Briefen
Er teilt mit dem Fremden Briefe an die Berge, die ein gewisser Onesto geschrieben hat. In diesen Briefen spielt sich ein ganzes Leben ab – angefangen von einer Entführung über das Wiedersehen mit der Mutter und dem Zwillingsbruder Santo bis zur großen Liebe und dem schweren Verzicht.
Liebe und Schicksal
Es ist ein hartes Leben in den Bergen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ein einfaches Leben voller Entbehrungen – auch für die allein erziehende Mutter der Zwillinge. Doch trotz der Armut erleben die Kinder ein liebevolles Zuhause, und die Brüder sind einander in herzlicher Zuneigung verbunden. Aber das Schicksal stellt sie auf eine harte Probe.
Feindliche Wirklichkeit
Onesto und Santo verlieben sich in die hübsche Celeste. Zusammen mit deren Bruder erleben sie die Natur in aller Unschuld als Abenteuer. Doch diese Natur kann auch unbarmherzig sein, noch unbarmherziger sind die Menschen. Der Krieg wirft seine Schatten voraus. Die friedliche Welt der Kindheit zerbricht an der feindlichen Realität. Und Onesto verzichtet dem Bruder zuliebe auf seine große Liebe.
Eine Offenbarung
Francesco Vidotto beschreibt das heraufziehende Unheil mit archaischer Wucht. Onesto, der Briefschreiber, verliert alles – nur die Berge bleiben ihm. An sie adressiert er seine Erinnerungen, bevor sie verblassen wie die der einsamen Alten im Altenheim, das er regelmäßig besucht. Und dort, wo die vergehende Zeit die Erinnerungen mit sich nimmt, hat der Erzähler so etwa wie ein Offenbarung, die auch die Briefe in einem neuen Licht erscheinen lässt… Auch deshalb hallt dieser Roman lange nach.
Info. Francesco Vidotto, Meine Berge bist du, Kein & Aber, 255 S., 24 Euro
Keine Kommentare