Liebeserklärung ans Lesen

26. März 2026

Von Seneca bis Virginia Woolf, von James Joyce bis zu Michael Köhlmeier, von der Bibel bis zur Romantasy: Meike Winnemuth hat für ihr neues Buch „Eine Seite noch – warum Lesen uns so glücklich macht“ einen Sommer lang alles gelesen, was ihr in die Finger kam. In ihrem Buch schreibt die leidenschaftliche Leserin über Berührendes und Kurioses, über Wissenschaftliches und Persönliches beim Lesen. Bücher unterhalten sie nicht nur, sie geben ihr Antwort auf die Fragen des Lebens: „Poesie ist die Lösung für das Unlösbare. Die Schönheit des Paradoxons, genau das ist Literatur.“

Die Welt im Buch

In Tolstois „Krieg und Frieden“, das sie anders als den doch ziemlich sperrigen Ulysses lange vor sich hergeschoben hat, entdeckt Meike Winnemuth eine ganze Welt. Lesend versucht sie sich selbst auf die Schliche zu kommen, verliert sich in Thomas Manns „Zauberberg“ und begibt sich auf die Spuren von Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“.

Kreativer Lese-Prozess

Ihr Buch sieht sie als Liebeserklärung ans Lesen, das sie als kreativen Prozess versteht. Als einen Dialog zwischen dem Geschriebenen und den Lesenden, die ihre ganze eigenen Erfahrungen, Erwartungen, kulturellen Hintergründe mit einbringen. „Wir lesen mit unserem ganzen Erfahrungsschatz“, ist Meike Winnemuth überzeugt und: „Nie lesen zwei Menschen dasselbe Buch.“

Geteilte Leidenschaft

Für ihre These, dass Lesen glücklich macht, wagt sich Meike Winnemuth auch an ein Genre, das ihr eigentlich fremd ist: Romantasy. Was bei TikTok boomt, wird ihr allerdings auch nach der ungewohnten Lektüre fremd bleiben. Sie spielt in einer anderen Liga, liest gern mit Preisen ausgezeichnete Literatur, die sie auch fordern darf. Die Leidenschaft fürs Lesen teilt sie mit Gleichgesinnten, mit Buchhändlerinnen und Buchhändlern, mit Lesekreisen und Teilnehmenden an Silent Reading Sitzungen.

Erlebnis Literatur

Auch mit Kritikern wie Denis Scheck („Das gute Buch zur späten Stunde“), der ihr gesteht, dass ihn als Kind Science Fiction faszinierte: „Die Einsicht, dass wir auf einem winzigen Staubkorn im Universum leben und vollkommen irrevelant sind, dass es im Kosmos um ganz andere Dinge geht als um die Sorgen eines mittelmäßigen Schülers. Dieses Staunen, ob der Komplexität der Welt erlebe ich bis heute in der Literatur, das hat mich nie verlassen.“

Auch Meike Winnemuth hat der Literatur viel zu verdanken. Sie ist mit ihren Büchern gereist – durch Raum und Zeit, „ohne auch nur vom Sofa aufstehen zu müssen. Ich bin aus mir selbst herausgekommen. Ich würde behaupten, nahezu alle Gefühle gehabt zu haben, die man so haben kann, die ganz großen herzerweiternden und die heimlichen, kleinlichen peinlichen. Und mir fällt absolut keine andere Methode ein, wie ich all das hätte erleben können, als das Lesen.“

Ansteckende Begeisterung

Diese ansteckende Begeisterung für das Lesen und die Literatur zieht sich durch das ganze schön aufgemachte Buch. Man bekommt große Lust, sich möglichst bald in ein Buch zu versenken, ja darin zu wohnen wie Meike Winnemuth in Tolstois „Krieg und Frieden“. Also, nichts wie hin zum Buchgeschäft des Vertrauens – es gibt noch viel zu entdecken.

Info. Meike Winnemuth. Eine Seite noch – Warum Lesen uns so glücklich macht, Penguin, 22 Euro

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.