Dass Reisen sich auch durch Social Media verändert hat, ist nichts Neues. Genauso wenig wie die Tatsache, dass Reisen durch Kriege, Krisen und Naturkatastrophen bedroht ist. „Travel ist broken“ hat der Journalist Philipp Laage sein nachdenkliches Buch überschrieben, in dem er mit vielem abrechnet, was heute mit Reisen in Verbindung gebracht wird. Overtourism etwa, Umweltzerstörung, Klimakrise, eine durchtouristifizierte Welt. Doch Laage will das Reisen nicht verteufeln, er plädiert vielmehr für eine andere Art des Reisens:
Eine andere Haltung
„Vielleicht ist es an der Zeit, Reisen weniger als Beweis eines geilen Lebens zu begreifen, sondern wieder mehr als Chance und Möglichkeit, sich von der Welt berühren zu lassen. Wie wäre es , sich ganz aus der Logik der Vergleiche der Erlebnis-Performance zu lösen? Wir könnten mit einer anderen Haltung durch die Welt gehen. Das wäre nicht nur entspannter, sondern auch ehrlicher gegenüber den Bereisten – und uns selbst.“
Laage hat für sein Buch viel recherchiert, zitiert Soziologen, Psychologen, Tourismusforscher und Influencer, der Anhang dazu ist entsprechend lang. Der Journalist findet auch schöne Sätze zur Verteidigung des Reisens wie: „Eine Reise ist eine der letzten Möglichkeiten, sich aus der eigenen Biographie zu befreien…Das Reisen schürt Sehnsucht nach dem Leben, wie es sein könnte, wenn wir den Grauschleier der Verpflichtungen, Kompromisse und Komplexe wegziehen.“
Nichts Neues
Aber meist nehmen wir den Grauschleier selbst mit – in der Hosentasche. Laage plädiert für Muße statt Müssen, für kleine Entdeckungen statt Erlebniszwang, für Demut und Zurückhaltung. Das gilt sowohl für den Luxustouristen wie für den Vanlife-Minimalisten, zwei Seiten einer Medaille. Nutzen sie doch beide das Reisen zur Selbst-Inszenierung, zu einer oberflächlichen Performance, die zum Beweis der eigenen Einzigartigkeit dienen soll. Und das in immer kürzerer Zeit. Deshalb, so Laage, gibt es bei solchen Reisen auch keinen Raum für Überraschungen. Man kann sich nicht einmal mehr verlaufen.
Eigene Wege
„Wer seine Reise nicht selbst gestaltet, wird gereist“, argumentiert der Autor und rät zu einem eigenen Reisekompass – und zum Weglassen: Joy of missing out (Jomo) statt der viel zitierten Fear of missing out (Fomo). Sich einlassen auf die Reise, auf Land und Leute, ohne diese zu vereinnahmen. Denn „travel like a local heißt. Man rückt den locals ganz schön auf die Pelle.“ Lieber auch mal eigene Wege gehen – selbst auf die Gefahr hin, die Kontrolle zu verlieren.
Womöglich hilft das Buch ja wirklich dabei, das Reisen neu zu entdecken, die eigenen Reisegewohnheiten zu hinterfragen. Denkanstöße bietet es allemal.
Info. Philipp Laage. Travel is broken, Kösel, 222 S., 18 Euro
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