Mit offenen Augen in die Welt

19. Februar 2026

„Mal gucken“ denkt sich Josefine Gauck immer wieder auf der Weltreise, die sie mit ihrer Familie unternimmt. „Mal gucken“ ist auch der Titel des Buches über diese ungewöhnliche Reise einer fünfköpfigen Familie. Denn neben den zwei Jungs ist auch die kleine, sehbehinderte Pauli mit von der Partie. Sie soll noch soviel wie möglich von der Welt sehen, ehe sie ihr Augenlicht ganz verliert, wünschen sich die Eltern.

Mal gucken

Bei der Vorbereitung der einjährigen Auszeit planen sie nur das Nötigste. „Mal gucken“ wird zum geflügelten Wort – bis zum Ende dieses aufregenden Jahres, das in einer Lebensentscheidung mündet. Kanada, die USA, Neuseeland, Australien sind die Stationen, schließlich noch Bali, wo Josefine Gauck sich angekommen fühlt.

Erntehelfe und Hundehüter

Die Erlebnisse ihrer Reise werden noch länger nachhallen.  Die Familie hat viel unternommen, um den Kindern die Welt zu zeigen.  Sie waren mit einem Riesencamper unterwegs und mit einem kleinen Wohnmobil, in dem sie kaum Platz hatten. Sie arbeiteten als Erntehelfer auf einem Biohof, wohnten als Haustierhüter in einer weitläufigen Villa, nächtigten in einem heruntergekommenen Trailer und in den unterschiedlichsten airbnb-Unterkünften.

Zwischendurch gönnten sie sich auch Hotelnächte, um wieder zu duschen und in einem Bett zu schlafen. „Ich müsste lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass das saubere Hotelzimmer mit den frisch bezogenen Betten sich anfühlt wieder Himmel auf Erden“, gesteht die hin und wieder auch überforderte Mutter.

Herausforderungen unterwegs

Josefine Gauck schreibt über unvergessliche Erlebnisse, großzügige Gastfreundschaft, grandiose Landschaften und fantastische Freizeitmöglichkeiten. Sie verschweigt aber auch nicht die ständigen Herausforderungen. Mit drei Kindern und jeder Menge Gepäck ist selbst die Fahrt auf der California State Route One „das ständige Suchen nach einem passenden Motel. Ein-, Aus- und Umpacken der Klamotten von fünf verschiedenen Menschen, das ununterbrochene Recherchieren nach einem Supermarkt oder einem Restaurant, das nicht zu teuer ist für jede einzelne Mahlzeit, das literweise Wasser Einkaufen, da man das aus dem Hahn nicht trinken kann…Runterladen von Hörspielen und Filmen mit instabilen Internetverbindungen, Aushalten von Zankereien im Auto, ständiges Verhandeln zwischen den Geschwistern und dazwischen wir Erwachsene.“

Gefahr des Scheiterns

Zwischendurch droht das ganze Unternehmen zu scheitern. Die Mutter braucht eine Auszeit, die Kinder meutern. „Ich sitze in meiner Wirklichkeit gewordenen australischen Familienreisevision, die zu scheitern droht und muss Verständnis aufbringen“, schreibt Gauck und: „Ich muss akzeptieren, dass die Kinder andere Bedürfnisse haben. Es ist mein Traum und nicht ihrer.“

Josefine Gauck hat einen sensiblen, ehrlichen Reisebericht geschrieben, der Mut machen kann, die eigenen Möglichkeiten auszutesten. Der aber auch die romantische Vorstellung von Roadtrips zurecht rückt.

Info.  Josefine Gauck. Mal gucken. Malik, 304 S., 18 Euro, ISBN ‎ 978-3890296104

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