Was ist mit Hedwig passiert? Christoph Poschenrieder forscht in der Familiengeschichte nach dem Schicksal seiner Großtante, die von den Nazis in der Psychiatrie ermordet wurde. Er zitiert aus den Tagebüchern von Hedwigs Schwester Marie, aus Personalakten, aus medizinischen Ratgebern und dem Buch „Das Weib als Jungfrau“. Irgendetwas muss geschehen sein, dass aus dem „ganz normalen Mädchen“, das lieber mit Bauklötzen als mit Puppen spielte, eine...

Sie sind allesamt gute, wenn nicht sehr gute, Skifahrer: Christoph Schrahe, Thomas Biersack und Stefan Herbke mögen es rasant und lieben auch die Herausforderung. Das prägt auch die Neuauflage ihrer „111 Skipisten in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol, die man gefahren sein muss“. Traumpisten für Könner Viele Traumpisten für Kenner und Könner sind darunter wie die legendäre Kandahar in Crans Montana, deren Namen auf den britisch...

Mag sein, dass der Titel „Als ich gegen Stalin im Armdrücken gewann“ ein paar Leute mehr dazu bringt, das Buch von Fredy Gareis zu kaufen. Doch er lenkt in eine falsche Richtung. Die Reise des Autors von Nord nach Süd entlang „des neuen Eisernen Vorhangs“ ist nämlich so viel mehr als ein schnöder Reisebericht von den Hotspots der Selfie-Generation. Er ist eine in dieser Zeit aufrüttelnde und wichtige Lektion in Geschichte. Keine Lehren aus der...

ElinaEines muss man Elina Penner lassen: Ihr Roman „Die Unbußfertigen“ ist am Puls der Zeit. Das Setting ist ein abgelegenes Herrenhaus, in das zehn Menschen, die das Internet erfolgreich gemacht hat, eingeladen sind. Es sind sieben Männer und drei Frauen: Natasch, eine junge Fitness-Influencerin mit dem berühmtesten Arsch und der festen Überzeugung, dass sie nur erntet, was ihr zusteht. Marco, ihr Freund und Manager. Der Rentner Klaus, der mi...

Mit dem Roman „Sellemond oder von der Schwierigkeit, Touristen zu töten“ ist Josef Oberhollenzer gleich auf mehreren Ebenen ein Wagnis eingegangen. Schon der Titel provoziert. Und dann erst der Inhalt, der sich alles andere als leicht liest. Das liegt einerseits an der Vorliebe des Autors für Kleinschreibung, andererseits an der überbordenden Fülle der Anmerkungen. Die würde man des Leseflusses wegen zwar gern ignorieren, brächte sich dabei ab...

Der Selbstverbrenner
Rezensionen / 27. September 2017

Das „Opfer“ ist (fast) vergessen wie der Mensch auch. Doch im Internet findet sich noch so einiges über Hartmut Gründler, der sich 1977 aus Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung selbst angezündet hat. Jetzt hat es der unerbittliche Selbstverbrenner sogar in ein Buch geschafft. Der preisgekrönte Autor Nicol Ljubic erzählt in „Ein Mensch brennt“ Gründlers Geschichte aus der Sicht des zehnjährigen Hanno Kelsterberg. Hartmut ...

Ulla Hahn: Lyrikerin im Klassenkampf
Rezensionen / 16. September 2017

Irgendwie ist sie doch stolz darauf, „dat Kenk von nem Prolete“ zu sein und es trotzdem so weit gebracht zu haben, dass sie sich heute als Frau von Klaus von Dohnany, dem elder Statesman, in Hamburgs bester Gesellschaft bewegt. Ulla Hahn, längst als Lyrikerin etabliert, lässt die Leser in ihrer nun auf vier Bände angewachsenen und nur leicht fiktiv verfremdeten Rückschau Teil haben an ihrer Entwicklung. Nach dem großartig...

Im Schatten der Berge
Rezensionen / 21. August 2017

Man spürt von der ersten Zeile an, dass dieser Autor weiß, worüber er schreibt. Paolo Cognetti, in Mailand geboren, verbringt die Sommermonate immer in seiner Hütte im Aostatal, und er liebt New York. Doch im Roman „Acht Berge“ geht es ihm nicht nur um die Bergwelt, sondern vor allem auch darum, was die Berge mit den Menschen machen. Die Landschaft prägt den Charakter der handelnden Figuren, und Cognettis Naturbeschreibungen sagen au...

Eine Kreuzfahrt, die ist lustig
Rezensionen / 21. August 2017

Eines gleich vorneweg. Für Kreuzfahrtfans ist dieses Buch eher nicht geeignet. Denn was der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2016, Bodo Kirchhoff, unter dem Titel „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“ auf 130 Seiten anspricht, könnte ihre Begeisterung für diese Art des Reisens schmälern. Denn Kirchhoff begnügt sich nicht damit, mit manchmal nervender Selbstgefälligkeit die eigenen Befindlichkeiten angesichts der Zumutungen im kl...

Patchwork und Pubertät
Rezensionen / 21. August 2017

Francesca Segal ist die Tochter von Erich Segal, der mit „Love Story“ einen Mega-Seller geschrieben hatte. Die 37-Jährige scheint das Schreib-Talent ihres Vaters geerbt zu haben, nicht aber dessen Hang zum Melodram. Schon ihr erster Roman „Die Arglosen“ zeigt, dass es der Journalistin, die in Oxford und Harvard studiert hat, die Komplexität der menschlichen Natur angetan hat. Von Liebesdreieck zum Quartett Ging es da um eine Art Lieb...

Vom Charme der Normalität
Rezensionen / 21. August 2017

„Während meines neunjährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern.“ Was Bert Brecht über seine Schulzeit geschrieben hat, hätte auch William James Sidis unterschreiben können. Der „Held“ in Klaus Cäsar Zehrers Debütroman „Das Genie“ hat die Schulzeit regelrecht durchlitten. Nicht, weil er über- sondern weil er unterfordert war.  Denn William James war von seinen Elt...

Vom Fremdsein
Rezensionen / 14. August 2017

Vieles kennen wir aus der täglichen Zeitungslektüre oder den Fernsehnachrichten: Menschen auf der Flucht, Religionskriege, Tod und Zerstörung. Nichts Neues unter der Sonne, dann all das gab es auch früher schon, vor nahezu 1000 Jahren. Stefan Hertmans holt diese Zeit in die Gegenwart und macht daraus einen beklemmenden Roman. Eine Zeit des Aberglaubens und des Umbruchs „Die Fremde“ spielt im dunkelsten Mittelalter, damals, als Papst ...

Die Liebe in Zeiten des Zorns
Rezensionen / 25. Juli 2017

„Immer, wenn zwei Menschen ein Paar werden, verändern sie sich ein Stück weit. Sienehmen vielleicht neue Interessen des Partners an oder lassen alte Gewohnheiten sein. Das ist ganz normal und wird meistens akzeptiert. Be3i uns schauen dagegen alle ganz genau hin und unterstellen uns, dass unsere unterschiedlichen Kulturen und Religionen ‚schuld‘ daran seien.“ Eine Deutsche und ein Israeli werden ein Paar  Natürlich ist bei einem deut...

Vor der Dunkelheit
Rezensionen / 22. Juli 2017

Unsere Gesellschaft wird älter und muss sich eingestehen, dass manche Vorurteile überholt sind. Zum Beispiel, dass alte Leute mit einem Leben am Rand der Gesellschaft zufrieden sind, dass es ihnen genügt, ihre Enkelkinder auf den Knien zu schaukeln. Dass Liebe und Sex endgültig vorbei sind. Die Realität sieht anders aus: Politiker bleiben bis ins hohe Alter aktiv, Kleriker kommen erst ab einem gewissen Alter zu Papst-Ehren und selbst...

Das Phänomen Jane Austen
Rezensionen / 19. Juli 2017

Wie sich die Zeiten gleichen: Landliebe war vor gut 200 Jahren in England ebenso angesagt wie heute, Bücher über Design und Gärten florierten. Und ebenso wie heute waren die Zeiten kritisch: Die Französische Revolution fegte alles hinweg, was bis dahin als sicher galt, Napoleon überzog Europa mit Kriegen und veränderte die Weltordnung. Und Jane Austen? Schrieb über den englischen Landadel, über Vernunft und Gefühl, Stolz und Vorurtei...