Die Idee ist naheliegend, trotzdem originell. Jane Tara thematisiert in ihrem Roman „Mit anderen Augen“ die Unsichtbarkeit älterer Frauen. Bei ihr verschwinden diese Frauen tatsächlich Stück für Stück, das heißt Glied für Glied. Auch Tilda ist von dieser grassierenden Unsichtbarkeitserkrankung betroffen, will sich aber damit nicht abfinden. Sie hatte ihre zwei Töchter allein groß gezogen, nachdem ihr Mann sie verlassen hatte. Warum sollte sie ...

Im Jubiläumsjahr der USA will diese 250 Jahre umspannende Anthologie „retten, was noch zu retten ist“. Mit dem Zitat von Martin Luther King „I have a dream“ lädt sie dazu ein, die USA in diesen trüben Zeiten noch einmal ganz neu zu entdecken – als Heimat politischer Ideale und prägender Gedanken, dichterischer Inspiration und Spiritualität, der freien Rede und der Kunst des Geschichtenerzählens. Die ganze Widersprüchlichkeit Die Herausge...

Vater und Sohn allein unterwegs, das kann ganz schön kompliziert sein. In ihrem Roman „Wir gehen mal los“, der eher eine Novelle ist, zeigt Raffaella Romagnolo, wie aus einem Unglück Vertrauen, ja sogar Glück erwachsen kann. Der junge Amedeo hat sich nach dem Tod seiner Mutter total abgekapselt. Verzweifelt versucht der Vater, den Sohn wieder ins Leben zurückzuführen. Eine Bergtour scheint ihm am besten geeignet, Amedeo auf andere Gedanken und...

Zoe Dubno traut sich was. Ausgangspunkt zu ihrem Romandebüt „Nur das Allerbeste“ sei Thomas Bernhards Roman „Holzfällen” aus dem Jahr 1984 gewesen, schreibt sie in ihrer Anmerkung am Ende des Buchs. Bernhards bitterböse Satire auf die Wiener Kulturszene sorgte vor 40 Jahren für einen Skandal , wurde sogar kurzzeitig aus dem Buchhandel verbannt. Jetzt also, gut 40 Jahre später, ein Nachhall – in der New Yorker Kunstszene. Anderer Kontinent, and...

Den zweideutigen Titel ihres „Reportage-Romans“ Lasterleben hat Anja Kocherscheidt sicher ganz bewusst gewählt. Weckt er doch trotz des eindeutigen Cover-Fotos Neugier auf den Inhalt. Von Lastern kann hier allerdings keine Rede sein – es geht um einen Roadtrip auf dem amerikanischen Kontinent in einem umgebauten THW-Laster und mit zwei schulpflichtigen Kindern. Der umgebaute Scheinriese Anja und ihr Mann Oliver haben sich alles lange überlegt....

Mit Adleraugen
Rezensionen / 9. Januar 2016

Bayerische Paradiese: Ein Bildband zeigt Seen, Flüsse und Berge aus der Luft „Die Bilder holen den Himmel auf die Erde“, schreibt Tom Werneck im Vorwort zum Bildband „Bayerische Paradiese“, der grandiosen Luftaufnahmen von Jörg Bodenbender versammelt. Es sind vor allem die bayerischen Berge und Seen, die es dem Fotografen angetan haben. Sie porträtiert er in ihrer ganzen Schönheit: Die Seen wie blaue und grüne Augen in der Landschaft...

Im Korsett der Konventionen
Rezensionen / 22. Dezember 2015

Ihr Roman „Zeit der Unschuld“ aus dem Jahr 1920 wurde mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet, dennoch stand Edith Wharton immer im Schatten von Henry James. Zu Unrecht, wie die Neu-Übersetzung ihres Meisterwerks durch Andrea Ott zeigt. Wharton stellt einen jungen New Yorker der Oberklasse in den Mittelpunkt: Newland Archer steht kurz vor der Heirat mit der jungen, hübschen und ach so unschuldigen May Welland, eine von der einflussreich...

Puppenspieler und Marionetten
Rezensionen / 22. Dezember 2015

Tamaso ist 16 und freut sich auf den Schulabschluss, den er mit seiner Familie feiern will, als er vom coronischen Geheimdienst abgeholt wird. Mit 19 Gleichaltrigen landet er in einem Ausbildungscamp, wo die Jugendlichen dafür gedrillt werden, in Flore, der gefährlichsten Diktatur der Welt zu spionieren. Tamaso landet als „Mechaniker“ im Haus des mächtigen Marschalls, wo Puppenspieler gerade ein altes florianisches Märchen proben. Da...

Nostalgia: Metaphern der Vergänglichkeit
Rezensionen / 21. Dezember 2015

Er ist ein Schatzsucher mit der Kamera. Seine Schätze findet der in Xanten geborene Sven Fennema überall in Europa, wo Menschen gelebt haben und gegangen sind. Fennema ist auf der Suche nach verlassenen Orten, nach Stätten der Vergänglichkeit, Zeugen einer verlorenen Zeit. Der schwergewichtige und luxuriös aufgemachte Bildband „Nostalgia“ versammelt die Fotografien solcher „lost places“ in Italien. Es sind Bilder, die Geschichten erz...

Facetten der Wahrheit: Drago Jancars neuer Roman
Rezensionen / 8. Dezember 2015

Die französischen Kritiker kürten Drago Jancars Roman „Die Nacht, als ich sie sah“ zum besten fremdsprachigen Roman des Jahres, auf der ORF-Bestenliste steht das Buch des slowenischen Autors, das ins Jugoslawien des Jahres 1944 zurückführt und auf einer wahren Begebenheit beruht, im Dezember auf Platz 1. Zu Recht: Jancar hat einen raffiniert konstruierten Roman um das Schicksal der jungen, kapriziösen Veronika geschrieben, in dem es ...

Erstickende Nestwärme
Rezensionen / 26. November 2015

In Jerusalem hatte die Spiritualität der Chassidim, der orthodoxen Juden, sie fasziniert, die Gemeinschaft, in der sie sich und ihre Liebe zu Chaim aufgehoben fühlte. In London, wo Chaim als angesehener Rabbi tätig ist und nach den Buchstaben jüdischer Gesetze lebt, wird es für Rebekka zunehmend schwerer, diese Faszination nach zu empfinden. Vor allem nach einer Fehlgeburt, bei der Chaim als Mann kläglich versagt hat. Mit seiner Rigo...