Der Vater Pierre stammt aus dem Finistère in der Bretagne – wie sein Vater und dessen Vater. Die Tochter, Anne Berest, ist in Paris aufgewachsen. Und auch wenn sie mit der Familie jeden Sommer an die bretonische Küste fuhr, blieb eine Fremdheit zwischen ihr und dem Vater, der sie in diesem Buch auf die Spur zu kommen sucht. Das Schweigen des Vaters Ihre Recherchen sind ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Berests Vater Pierre ist todkrank. Der hochbegabte Wissenschaftler ging ein Leben lang ganz in seiner Forschung auf und gab sich im Alltag oft schweigsam. Es war die Mutter, Lélia, die dann für die Familie da sein musste. Die Tochter findet Worte, erzählt aus Ahnenzeiten – vom Urgroßvater Eugène, der die erste Agrargenossenschaft in der Region gründete, dem Großvater, Eugène junior, der gegen den Wunsch des Vaters Gymnasiallehrer wurde und später Bürgermeister von Brest. Schließlich ihr Vater, Pierre Berest, der ganz aus der Familientradition ausbrach. In Paris fand der hochintelligente Außenseiter seine Heimat bei den Trotzkisten – und einen einzigen guten Freund, Pierre François. Die Idee der Bifurkation Immer wieder sucht Anne Berest das Gespräch mit dem kranken Vater, von dessen aktivistischer Vergangenheit sie bis dahin nichts ahnte. Wie in…
Lange hat Margaret Atwood die Leser auf diese Fortsetzung warten lassen. Über die Jahre haben sich gefragt, wie es Desfred, der Protagonistin aus „Der Report der Magd“ geht. Ob sie Gilead überlebt hat, diesen totalitären, christlich-fundamentalistischen Staat, in dem Frauen nichts und Männer alles sind. Nun, nachdem ihr Buch durch IS und einen Frauen verachtenden Trump neue Aktualität bekommen und zugleich als Serie reüssiert hat, hat sich Atwood zu einer Fortsetzung veranlasst gefühlt, in der sie die offenen Fragen beantworten lässt – von den „Zeuginnen“, drei sehr unterschiedlichen Frauen. Die Leichen im Keller Die eine, Agnes, wächst in Gilead behütet in einem Kommandantenhaushalt auf, bis ihre „Mutter“ stirbt und die Stiefmutter die 13-Jährige zur Heirat freigibt. Die andere, die rebellische Daisy, lebt in Kanada bei politischen Aktivisten, die sich für die Flüchtlinge aus Gilead engagieren und durch eine Autobombe ums Leben kommen. Und die Dritte, Tante Lydia, ist als Chefin der „Tanten“ im Haus Ardua, einer Art Frauen-Disziplinierungs-Lager, mitten drin und nah dran an der Diktatur von Gilead: „Über die Jahre habe ich viele Leichen in den Keller gebracht, nun bin ich geneigt, sie wieder an Tageslicht zu holen – und sei es nur zu deiner Erbauung, mein unbekannter Leser.“…