Verschränkte Erinnerungen
Rezensionen , Romane / 15. Februar 2026

Den gelben Pullover, dem dieser autofiktionale Roman von Ursula März den Titel verdankt, gab es wirklich. Zum Schulanfang hatte sich die kleine Ursula den gelben Pulli aus dem trendigen Perlon heiß gewünscht. Und dann hat ihre Freundin Siggi das gute Stück mit einem einzigen Schnitt zerstört. In einer Schublade überdauerte der gelbe Pullover die Freundschaft. Denn mit der gern Ärger provozierenden Siggi war es nach der Grundschule aus. Die Anarcho-Pippi Ursula März‘ Beschreibung der Kinderfreundin erinnert ein bisschen an eine Anarcho-Pippi: „Siggi war meine einzige Freundin. Und ich, was erstaunlicher war, ihre. Auch sie nahm in ihrer Klasse die Position einer Außenseiterin ein, wenn auch aus anderen Gründen. Sie besuchte nach wie vor die protestantische Volksschule und hatte in sechs Jahren nichts ausgelassen, um das Wohlwollen ihrer Lehrer wie ihrer Mitschüler zu verspielen.“ Das Wirtschaftswunder In dem Buch reflektiert die Autorin auch die Anfänge des Wirtschaftswunders, schreibt über den Sparzwang des Vaters, die Fernsehabende im Haus der Tante, den Kleinstadt-Klatsch in Herzogenaurach, die Fremdheit der dort lebenden „Amis“ und die Emanzipation beim Rauchen. Die Zwangsgemeinschaft All das hat sie im Gepäck, als sie 1989 im Winter nach Stromboli reist und dabei einer scheinbar disfunktionalen englischen Familie begegnet. Eine Woche lang…