Auch Unnützes Reisewissen nützt
Reisebücher , Rezensionen / 31. Oktober 2025

Muss man wirklich wissen, dass im japanischen Osaka eine Autobahn durchs Hochhaus fährt, dass die höchste Toilette Europas auf dem Mont Blanc steht oder dass es in Italien 300 Nudelsorten gibt? Muss man nicht, kann aber Spaß machen. Mit dem Slogan „Das Buch, das keiner braucht. Und alle haben sollten.“ wirbt DuMont für die neue Reihe Unnützes Reisewissen. Drei Bände (Italien, Frankreich und Japan) sind schon erschienen mit jeweils über 100 kuriosen Fakten und Geschichten. Mythencheck und Quiz Wobei die Bücher unterschiedlich gestaltet sind. Sie beginnen zwar alle mit den Hotspots des Unnützen Reisewissens und enden mit einem Mythencheck sowie der Aufklärung zu ein paar Quizfragen. Aber jeder Band hat einen ganz eigenen Charakter. Das zeigt sich nicht nur an den witzigen Illustrationen, sondern auch darin, wie die Kuriositäten präsentiert werden. Oder was wo als Kuriosität gilt. Stinkender Sonnenkönig Dass Frauen in Frankreich erst seit 2013 offiziell Hosen tragen dürfen, ahnt wohl kaum jemand. Auch das der berühmte Sonnenkönig zum Himmel stank, weil er angeblich nur zweimal in seinem Leben gebadet hat, ist schon ziemlich seltsam. Und wer weiß schon, dass sechs französische Bürgermeister über Orte ohne Einwohner, die „Communes mortes“, regieren? Findiger Haudegen Pinocchio kennen wohl alle Italiener. Aber…

Im Meer der Zeit
Rezensionen , Romane / 17. September 2025

In Italien ist der Roman „Die Insel und die Zeit“ von Claudia Lanteri ein Überraschungserfolg, gar als literarische Sensation. Ihr Romandebüt ist eine Kriminalgeschichte, aber vor allem die Geschichte der Insel Linosa, die scheinbar aus der Zeit gefallen ist. Der Schiffbrüchige Der Erzähler ist Onofrio, genannt Nonò, ein 13-jähriger Bub. Oder ist er nicht eher ein alter Mann? Die Jetztzeit und die Erinnerung fließen in dem Roman in einander. Alles dreht sich um ein Ereignis, das Nonò sein Leben lang nicht loslässt: Ein Schiffbrüchiger namens Surico landet mit seiner toten Frau auf der abgelegenen Insel. Nonò ist elektrisiert, will helfen, die Tragödie aufzuklären. Seine Familie lebt mehr schlecht als recht von der Fischerei des Vaters. Mutter Angelina putzt und bügelt zusätzlich in der Kaserne und hat das Ohr am Maresciallo, der sich als Inselfürst aufspielt und die Untersuchung des Falles leitet. Das Mädchen Auf der Insel verrinnt die Zeit nur zäh. Alles scheint verlangsamt. Der Wissenschaftler, mit dem Nonó viel Freizeit verbringt und von dem er sich Antworten auf seine Fragen erhofft, verlässt den Ort genervt. Als ein kleines Mädchen im Rettungsboot aus dem Meer gefischt wird, sieht es nach einer Wendung in dem Fall aus. Die Kleine hat den…

Erkundungen im Untergrund
Reisebücher , Rezensionen / 5. Mai 2025

Paolo Rumiz ist ein eigenwilliger Autor, auf Erkundungen bis an den Rand der Welt scheut er keine Strapazen. Das gilt auch für sein neues Buch „Eine Stimme aus der Tiefe“, für das er von den Liparischen Inseln bis ins Friaul die unsicheren Grundfesten Italiens erkundet hat: „Eine Welt, bestehend aus Vulkankratern, Bergwerken, Karstquellen Katakomben, Miasmen, ein Labyrinth von Tunneln, U-Bahnen, Gefängnissen, Krypten mit den Sarkophagen von Heiligen, unerforschten Brunnen, Meeresböden voller Relikte, Waffen aus alten Kriegen…“ Mit Aladins Lampe Rumiz ist den Geheimnissen dieses weitläufigen Labyrinths auf der Spur, dieser Stimme aus der Tiefe, einer „Dark Symphonie“. Er besteigt Vulkane, klettert in Höhlen, besucht die Katakomben in Rom und erkundet still gelegte Bergwerke: „Ich war der Sohn einer bebenden Erde. Ich gehörte zu ihr und wollte einen Blick in ihr Inneres werfen. Mit Aladins Lampe hineingehen.“ Trip durch die Tiefe Und weil Paolo Rumiz auch ein großartiger Erzähler ist, kann er über seine Entdeckungen so spannend schreiben, dass man ihm auf seinem Trip durch die Tiefe nur zu gern folgt. Da tun sich allerdings noch mehr Abgründe auf, die der Autor beim Namen nennt: Die mafiösen Strukturen beim Wiederaufbau nach Erdbeben oder die Empathielosigkeit der Gesellschaft in der Flüchtlingsfrage. Dazu…

Schwierige Reise zum Ich
Rezensionen , Romane / 26. Januar 2023

Mit den 1976 erschienenen „Mitteilungen an den Adel“ hat sich Elisabeth Plessen, eigentlich Elisabeth Charlotte Marguerite Auguste Gräfin von Plessen, einen Platz in der deutschen Nachkriegsliteratur gesichert. Auch im Roman „Die Unerwünschte“ (2019) setzt sich die Autorin mit ihrer Herkunft und dem Bedeutungsverlust des Adels auseinander. Nun also ein neues Buch „Die Frau in den Bäumen“. Und wieder hat der Roman autobiographische Züge. Die Ich-Erzählerin Anna darf wohl als das Alter Ego der Autorin gesehen werden. Erzählt wird eine Art Heldenreise der End-Zwanzigerin, die im italienischen Süden lernen muss, sich zu emanzipieren. Blitzschlag in der Idylle Anna ist mit ihrem doppelt so alten Freund – ein Vaterersatz? – unterwegs. Der literarisch gebildete Journalist will ihr sein Italien auf Goethes Spuren zeigen. Die sich im Ferienhaus einnistende Apathie wird durch die Nachricht vom Tod des Vaters und einen darauffolgenden Blitzeinschlag regelrecht zerschmettert. Das Paar sucht Schutz bei einem befreundeten schwulen Musikliebhaber, der sich mit einem Buch über Beethoven abplagt. In seinem gastfreundlichen Haus lernt Anna den jungen und schönen Matteo kennen, Kameramann mit dem Ehrgeiz zu Größerem. Auch Matteo arbeitet an einem ambitionierten Projekt, einem Film über Che Guevara. Unklare Zukunft Anna folgt dem Matteo nach Rom und später auf eine…