Nein, das ist kein Vogelhaus, wie man es im Garten hat, um Vögel im Winter zu füttern. Das Vogelhaus in Jan Weilers gleichnamigem Roman ist ein Haus des Schreckens, das die Zivildienstleistenden fürchten. Denn die vier Großpapageien in den hängenden Käfigen beschimpfen die jungen Männer nicht nur unflätig, sie hacken auch auf sie ein, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Kein Wunder, dass der wortkarge Hausherr, Herr Schwabe, nicht zu den Lieblingskunden der Zivildienstleistenden gehört. Eintauchen in die Vergangenheit Dabei haben sie keine Ahnung von dem Horror, der die Atmosphäre des Hauses schon lange vergiftet hat. Die ganze Geschichte vom Vogelhaus erfährt Leonard Beck viele Jahre später, als das verwunschene Haus zum Verkauf steht. Seine Mutter hat ihn davon informiert, und Leonard fühlt sich seltsam angezogen von der Möglichkeit, dem Schrecken des Hauses auf den Grund zu gehen. Damit taucht der Protagonist, der gerade vom Intendanten des Theaters als Dramaturg gefeuert wurde, auch in seine eigene Vergangenheit als Zivi ein. Das Ende des Zivildiensts Jan Weiler hat selbst Erfahrungen als Zivi gemacht, wie er in einem Interview verriet. Er hat die meisten Menschen, über die er in dem Roman schreibt, selbst erlebt – mit all ihren Launen und Eigenheiten. Die…
Jan Weiler hat mit „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ eines der erfolgreichsten Bücher der vergangenen Jahrzehnte geschrieben. Mit der Pubertier-Reihe „Im Reich der Pubertiere“ und „Und ewig schläft das Pubertier“ hat er daran angeknüpft. Auch „Die Ältern“ beschäftigt sich mit den Pubertieren, vor allem aber mit dem Gemütszustand der Eltern zwischen Festhalten und Loslassen, Frust und Hoffnung. Getrennte Wohngemeinschaften Das handliche Büchlein, zu dem Till Hafenbrak auch diesmal die Illustrationen beigesteuert hat, handelt denn auch von so grundlegenden Dingen wie dem letzten (gemeinsamen) Urlaub, von den letzten Schulsprechtagen oder dem Streit über das, was auf den Tisch kommt. Dass die „Ältern“ dann noch beschließen, zwei nach Geschlechtern getrennte Wohngemeinschaften aufzumachen, gibt Weiler Gelegenheit über die „biblische Pubertier-Plage“ in einem Männerhaushalt zu räsonieren oder über Güterabwägungen zwischen männlichem und weiblichem Haushalt. Ironisch-heiterer Grundton Das Ganze liest sich leicht und locker, wobei ein gewisses Maß an Übertreibung für den ironisch-heiteren Grundton sorgt. Manchmal ist es vielleicht ein bisschen zu viel des Guten. Aber der Wiedererkennungseffekt ist jedenfalls garantiert. Hineingelesen… … in Ältern Manchmal bringt mich diese frühe Erwachsenheit zur Verzweiflung. Diese Geschäftstüchtigkeit. Dieser Sinn für das Ferne. Wir waren jedenfalls länger jung. Wir gingen in dem Alter nicht in Restaurants, wir bestellten nichts…