Ausgeliefert
Rezensionen , Romane / 16. Oktober 2025

Das Dream Hotel von Laila Lalami kann die Lesenden um den Schlaf bringen, erzählt es doch eine dystopische Geschichte, die erschreckend nah an der Gegenwart ist: Als Sara Hussein von einer Geschäftsreise nach Los Angeles zurückkehrt und den Flughafen verlassen will, wird sie von einem Angestellten des Amts für Risikobewertung aufgehalten und in ein Besprechungszimmer gebracht. Sie wird festgehalten, weil ihr Risikowert zu hoch sei: Die Analyse ihrer Traumdaten habe ergeben, dass sie zur Gefährdung für ihren Ehemann werden könnte. Zu seiner Sicherheit muss sie sich für mindestens einundzwanzig Tage unter Beobachtung begeben – in das Dream Hotel, eine ehemalige Schule. Die Überwachung An Sara ist eigentlich nichts auffällig. Sie arbeitet im Museum, ist verheiratet und hat kleine Zwillingstöchter.  Ihre Eltern kamen vor langer Zeit aus Marokko in die USA. Dass sie als  Gefährderin gelten könnte, ist Sara nie in den Sinn gekommen. Aber in dieser nicht allzu fernen Zeit kann es wohl jedem passieren, dass er auffällig wird. Da gibt es einen Riskscore, der die Gefährlichkeit der Individuen nach einem Algorithmus bewertet, eine nahezu allgegenwärtige OmniCloud und den Dreamsaver, den sich viele – auch Sara – implantieren haben lassen, um wieder durchzuschlafen. Allerdings erlauben die Betroffenen damit der Firma,…

Tod in der Wüste
Rezensionen / 15. März 2021

Laila Lalami  wurde in Rabat geboren und lebt in den Vereinigten Staaten. In ihrem bewegenden Roman „Die Anderen“  schreibt sie über die Folgen auch latenter Xenophobie.  Der mehrstimmige  Nachruf auf einen  Mann, der vor seinem Bistro in der Mojave-Wüste angefahren und getötet wurde, wurde vom Time Magazine als eines der besten Bücher des Jahres bewertet . Denn Laila Lalami erforscht darin unaufgeregt aber eindrücklich das Leben von Menschen abseits des amerikanischen Mainstreams. Zweifel an der Unfall-Version Die Tochter des Opfers, Nora,  mag nicht glauben, dass es ein Unfall war. Obwohl integriert, hat die Familie doch immer das Gefühl gehabt, nicht dazu zu gehören, „Die Anderen“ zu sein. Und der Erfolg, den der Vater – Driss – mit seinem Restaurant hatte, erregte wohl auch den Neid der Nachbarn. Nora erinnert sich an einen Brandanschlag. Die Musikstudentin war ihrem Vater immer sehr nah anders als ihre Schwester Salma, die als Zahnärztin gutes Geld verdient. Eine neue Existenz Für die Mutter hat Salma erreicht, wonach sie selbst gestrebt hat, als die Familie von Marokko in die USA auswanderte.  Das Leben in der Heimat war unsicher geworden, vor allem für Regimekritiker wie Driss. Mit einem heruntergewirtschafteten Donut-Shop neben einer Bowling-Bahn baut der Philosophiestudent für…