Dass Reisen sich auch durch Social Media verändert hat, ist nichts Neues. Genauso wenig wie die Tatsache, dass Reisen durch Kriege, Krisen und Naturkatastrophen bedroht ist. „Travel ist broken“ hat der Journalist Philipp Laage sein nachdenkliches Buch überschrieben, in dem er mit vielem abrechnet, was heute mit Reisen in Verbindung gebracht wird. Overtourism etwa, Umweltzerstörung, Klimakrise, eine durchtouristifizierte Welt. Doch Laage will das Reisen nicht verteufeln, er plädiert vielmehr für eine andere Art des Reisens: Eine andere Haltung „Vielleicht ist es an der Zeit, Reisen weniger als Beweis eines geilen Lebens zu begreifen, sondern wieder mehr als Chance und Möglichkeit, sich von der Welt berühren zu lassen. Wie wäre es , sich ganz aus der Logik der Vergleiche der Erlebnis-Performance zu lösen? Wir könnten mit einer anderen Haltung durch die Welt gehen. Das wäre nicht nur entspannter, sondern auch ehrlicher gegenüber den Bereisten – und uns selbst.“ Laage hat für sein Buch viel recherchiert, zitiert Soziologen, Psychologen, Tourismusforscher und Influencer, der Anhang dazu ist entsprechend lang. Der Journalist findet auch schöne Sätze zur Verteidigung des Reisens wie: „Eine Reise ist eine der letzten Möglichkeiten, sich aus der eigenen Biographie zu befreien…Das Reisen schürt Sehnsucht nach dem Leben, wie es sein…
Die Bucket list ist ein alter Hut. Schon Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten Reisende „Pflicht-Sehenswürdigkeiten“ ab – die der Baedeker mit Sternchen versehen hatte. Da hatten Dampfschiff und Eisenbahn schon das „Massenreisen“ ermöglicht, und die wohlhabende Mittelschicht gönnte sich Pauschalurlaub in schwimmenden Hotels. Wer sich individuell auf Reisen begeben wollte, griff zum Baedeker. Der Baedeker war so zuverlässig wie unverzichtbar Die „Handbücher für Reisende“ im klassischen roten Einband profitierten auch davon, dass 1878 für Staatsdiener und später auch für Angestellte ein Anspruch auf Urlaub eingeführt wurde – Arbeiter und Dienstpersonal konnten davon nur träumen. Baedeker wurde zur Weltmarke, für Individualisten war er so zuverlässig wie unverzichtbar. Welche Ratschläge Karl Baedeker und seine Autoren ihren Lesern mit auf den Weg gaben, verrät das Handbuch für Schnellreisende. Nilkreuzfahrt: Zwei Büchsen Ochsenzunge und 60 Flaschen Medoc Für eine Nilkreuzfahrt etwa sollten die Reisenden ihren eigenen Vorrat organisieren, darunter z.B. so Unersetzliches wie zwei Büchsen Ochsenzunge oder zwölf große Büchsen Sardinen und immerhin 60 Flaschen Medoc (für drei Personen und zwei Reisemonate). Wenig Sympathie hatte der Autor für die Ägypter selbst, denen es bei Dienstleistungen vor allem ums Bakschisch gehe: „Man zahle nie früher,als bis alle Dienste geleistet sind und zwar…