Urlaub mit Kindern kann wunderbar sein, wenn nur nicht die Anreise wäre. Ganz gleich, ob im Auto, im Zug oder im Flugzeug, die Frage, „Wann sind wir endlich da?“ droht spätestens nach einer Stunde. Kein Wunder, für Kinder ist eine längere Anreise einfach nur ätzend. Hauptsache kreativ Dagegen kann man allerdings etwas machen. Selbst kreativ werden mit Wortspielen zum Beispiel. Den Kids ein Harry-Potter-Hörbuch auf die Ohren geben. Oder man besorgt sich das Kreativ-Reise-Malbuch aus dem Reisedepeschen Verlag. Das ist zwar extra für eine Zugreise konzipiert, kann aber genauso gut mit ins Auto oder in den Flieger genommen werden. Buntstifte nicht vergessen! Mal- und Wortspiele Denn hier geht‘s kreativ zur Sache. Das heißt, es wird so einiges zu Papier gebracht: all die Sachen im Urlaubskoffer zum Beispiel, oder die Landschaft, die man durchs Fenster sehen kann. Der Reiseproviant, die Teppichmuster, die mitreisenden Personen… Mit dem Malen sind die Kids schon eine ganze Weile beschäftigt. Schließlich schaut das Monster zu, dass auch alles ordentlich ausgemalt und reingezeichnet wird. Das Monster hat natürlich auch noch jede Menge Ideen für lustige Spiele wie Blindmalen, Wortkette, Wörtersammeln. Da können sich dann auch die Erwachsenen beteiligen – wenn sie wollen. Das wichtigste ist doch, dass…
„Wasser.Felsen.Wut“ heißt das Buch von Sara Pütter, in dem sie ihren Weg zu sich in Kanadas Wildnis beschreibt. Wie so viele junge Menschen fühlte sich Sara eingeengt in den gesellschaftlichen Regeln. Sie wollte eine Vergangenheit zurücklassen, die sie für ihre Unzufriedenheit und ihre latente Wut verantwortlich machte. Der Unfalltod ihrer Schwester und der Zerfall der Familie hatten tiefe Narben hinterlassen. Sara fühlt sich ungeliebt, scheitert an den Ansprüchen des Berufslebens. Aufbruch in die Wildnis Sie ist fest entschlossen, etwas daran zu ändern – auf einer Reise zu sich selbst. Das Ziel Kanada erfüllt zunächst alle Wunschvorstellungen, ändert aber kaum etwas an der seelischen Verfassung der jungen Frau. Doch dann bekommt sie ein Angebot, dem sie nicht widerstehen kann und will: Der charismatische, doppelt so alte Jack bietet ihr an, ihn und seinen Neffen zu einem Jagdabenteuer in die menschenleere Wildnis British Columbias zu begleiten. Unberechenbare Natur Gemeinsam mit den beiden Männern quält sie sich durch Fels und Eis, kämpft sich mit dem Kanu durch tosende Flüsse und taucht ein in eine archaische Welt jenseits aller menschlichen Regeln. Die Natur ist so umwerfend wie unberechenbar. Auch das Miteinander wird zur Zerreißprobe. Sara fühlt sich Jack ausgeliefert, ist hin- und hergerissen zwischen…
Japan boomt – nicht nur zur Kirschblütenzeit. Das Reiseland ist gefragt wie nie. Fritz Schumann war immer wieder in dem Inselstaat, der sich lange gegen Einflüsse von außen gewehrt hat. In dem schön aufgemachten Buch „Japan, wer bist du?“ zeichnet der Fotograf und Journalist das Porträt eines Landes im Umbruch: „Japan… ist ein Land mit vielen Problemen. Nur wenn man die Schatten sieht und akzeptiert, kann man das Land wirklich verstehen. Es sind nicht nur die Sprache oder die Regeln im zwischenmenschlichen Umgang, die das Verständnis erschweren. In Japan muss man den Vorhang beiseite ziehen und hinter die Kulissen schauen.“ Blick hinter den Vorhang Und das macht Fritz Schumann. Er führt die Lesenden zu Orten, die in keinem Reiseprospekt stehen und zu Menschen, die sich für ihre Heimat und deren Identität einsetzen. Der Autor schaut genau hin und hinterfragt die Beweggründe für das Engagement der Aktivisten. Warum soll ein entleertes Dorf überleben? Warum bevölkert eine Frau verlassene Häuser und Schulen mit Puppen? Warum sind in Japan über neun Millionen Gebäude unbewohnt? Das Rätsel der leeren Häuser Japans Bevölkerung ist überaltert – und sie schrumpft. Der demographische Wandel entvölkert ganze Dörfer und Kleinstädte. Und weil es teuer ist, ein Haus abzureißen,…
Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe hat Afrika in den Focus der Aufmerksamkeit gerückt. Die schwarze Autorin und Filmemacherin wurde als „weithin hörbare Stimme Afrikas in den Gegenwartsliteratur“ ausgezeichnet. Wie sie versucht auch Jennifer McCann Afrika-Stereotypen aufzubrechen – als weiße Reisende. In ihrem schön aufgemachten Buch „Afrika ist kein Land“ erzählt die Biologie-Lehrerin von ihren Reisen – auch nach Simbabwe, wo sie die Ruinenstadt Groß-Simbabwe besucht hat, Reste einer Hochkultur, die bis heute verkannt ist. Hakuna matata – wirklich? McCann hat den schwarzen Kontinent auf unterschiedliche Art erlebt, als Helferin in einem Drogencamp, als Backpackerin im Dschungel, als Bergsteigerin auf dem Kilimandscharo. Sie ist als Beifahrerin auf dem Motorrad, in überfüllten Kleinbussen, im Zug und zu Fuß unterwegs und hat reichlich Gelegenheiten das afrikanische Mantra „Hakuna Matata“ (keine Sorge) auf seine Realitätstauglichkeit zu überprüfen. Zum Beispiel bei Scherereien an der Grenze zwischen Kenia und Uganda oder im Drogencamp, wo sie sich angesichts der Not der Menschen hilflos fühlt. Klischees und Realtität Immer wieder hinterfragt McCann sich selbst, den Sinn der Freiwilligendienste, ihr eigenes Handeln. Sie erlebt hautnah die Folgen des Kolonialismus aber auch die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen und bleibt doch als Mzungu (Weiße) eine…
Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde, das wissen auch Touristen. Doch wie reist man nachhaltig? Jacqueline Albers versucht in ihrem Buch „Gute Reise“ eine Antwort: „Nachhaltiges Reisen bedeutet, dass wir vor Ort einen wirtschaftlichen Beitrag leisten, die Umwelt schützen sowie behutsam mit den Menschen und ihrer Kultur umgehen. Unsere Zufriedenheit ist dabei genauso wichtig“, stellt sie gleich am Anfang klar. Und ergänzt: „Nachhaltiges Reisen setzt keine Verbote.“ Es komme nur auf die Umsetzung an, und dafür liefere ihr Buch praktische Anleitungen. Nicht reisen wäre ein Verlust Denn: „Nicht reisen ist nicht nachhaltig. Es wäre ein riesiger Verlust.“ Damit das Reiseerlebnis für alle Seiten zufriedenstellend ist, ist die Vorbereitung wichtig. Albers gibt konkrete Ratschläge zur medizinischen (Impfungen!) aber auch zur kulturellen (Do‘s and Dont‘s) Vorbereitung, untermauert von netten Reise-Anekdoten. Es gibt Tipps fürs Reisegepäck (kulturell angemessene Kleidung, wieder verwendbare Flaschen und Beutel) und für die digitale Reisemappe, eine Übersicht über die Nachhaltigkeits-Labels und Hinweise auf entsprechende Posts sowie eine Übersicht über die CO²-Emissionen der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Keine engen Vorgaben Auch Experten kommen zum Thema Nachhaltigkeit immer wieder zu Wort. Und am Ende einzelner Kapitel fordert „Der gute Reiseplan“ dazu auf, eigene Überlegungen über Reise-Art und Inhalt oder die Vorbereitungen zur Reise…
Dass Reisen glücklich macht, suggeriert jeder Reisekatalog. Doch stimmt das wirklich? Philipp Laage müsste es wissen. Der Reisejournalist war schon als Jugendlicher viel unterwegs und ist es jetzt hauptberuflich. In dem außergewöhnlich schön aufgemachten Buch „Vom Glück zu reisen“, das er „mit der Brille eines wohlhabenden Mitteleuropäers“ geschrieben hat, singt Laage aber keineswegs der Hohe Lied des Reiseglücks. Die Bucket List hat ausgedient Gerade weil er viel von unserer Welt gesehen hat, weil er sich auch seine Gedanken zum Massentourismus gemacht und einiges darüber gelesen hat, ist Philipp Laage kritisch, was die Erwartungen an eine Reise angeht. Vom Abhaken einer Bucket List hält er nichts („Fuck you, bucket list“ heißt ein Kapitel) , wichtiger sind ihm das Erleben, die Herausforderung, die Auszeit vom Alltag, die Begegnung mit anderen Menschen. Und da kann der Reisejournalist einiges erzählen. In das Buch eingestreut finden sich einige außergewöhnliche Reiseerlebnisse in Ländern, wo der normale Tourist kaum hinkommt. Auch sie machen das Buch lesenswert. Wenig Sympathie für die Selfie-Manie Es lebt aber auch von Laages Belesenheit, von seiner Distanz zu schnellen Urteilen und schnellen Posts. Instagrammable muss für ihn nichts sein auf seinen Reisen, auf wohlfeile Selfies verzichtet er weitgehend, er muss sich auch nicht…