Die Taube Paloma und Venedig
Allgemein / 26. August 2026

Tauben gehören zu Venedig wie der Markusplatz und die Rialto Brücke oder der Canale Grande. Eine dieser Tauben ist die Taube Paloma, die Heldin des gleichnamigen Bilderbuchs. Zusammen mit ihrem Freund Pico lebt sie in Venedig und bekommt mit, wie der Klimawandel der Stadt zusetzt. Unter Wasser An gelegentliches Hochwasser (aqua alta) haben sich die Menschen dort schon gewöhnt – aber nun steht die ganze Stadt unter Wasser, und die Venezianerinnen und Venezianer streiten, wie Venedig gerettet werden könnte. „Verkaufen“ raten die einen – so teuer wie möglich und möglichst ohne Tauben.  Weil sie ständig verjagt werden, sind die Taube Paloma und ihr Freund Pico ständig auf der Suche nach einem neuen Heim. Rettung für die Stadt Die anderen Stadtbewohner  stören die Tauben nicht.  Sie wollen am liebsten so weitermachen wie bisher. Wenn es gar nicht mehr gehe, könnte man die Stadt ab- und woanders wieder aufbauen, machen sie sich Mut. Beide Gruppen demonstrieren für ihre Idee und sind total zerstritten. Der Gondoliere Angelo aber hofft auf einen dritten Weg für Venedigs Zukunft, und dabei bestärkt ihn die Inschrift an der Statue eines kleinen Mädchens, die ein Taube in den Händen hält. Danach darf ein freier Bildhauer oder Dichter selbst…

Ein Oh für Venedig und Neapel
Allgemein / 25. August 2026

Wer oh! ausruft, ist begeistert, überrascht, manchmal sogar überwältigt. Der folio Verlag hat eine ganze Reihe oh‘s für Reisende herausgebracht, die alle eines gemeinsam haben – den persönlichen Blick. Die Reihe wurde denn auch mit dem International Travel BookAward 2025 in der Kategorie „Besonderer Reiseführer/Reisebuch“ ausgezeichnet. Launige Plaudereien Es macht Spaß, durch die Seiten dieser schönen, kleinen Bücher zu blättern und die ebenso launigen wie kundigen Texte zu lesen. Hier wird nicht mit Bucket Listen hantiert, hier hat man das Gefühl, mit Freunden über einen Lieblingsort zu plaudern. Natürlich ist auch bei diesen Reiselesebüchern Sightseeing angesagt – aber eben nicht nur. Einladung zum Schmökern Man spürt, dass die Autorinnen und Autoren die beschriebenen Ziele nicht nur kennen, sie lieben sie auch. Und sie erzählen Geschichten, die man so in kaum einen anderen Reiseführer findet. „Oh! Venedig“ zum Beispiel lädt genauso wenig zum Abhaken von Highlights ein wie „Oh! Neapel“. Im Gegenteil, die Bücher laden zum Schmökern ein, zum Entdecken besonderer Orte. Wo die Gondeln Bücher tragen In Venedig  ist das zum Beispiel die Libreria Acqua Alta, wo die Bücher in ausrangierten Gondeln lagern, wohl eine der originellsten Buchhandlungen der Welt.  Autorin Maria Wiesner empfiehlt auch die Scala Contarini del Bovolo,…

TOP 10 von DK: Klein aber oho
Reisebücher , Rezensionen / 17. April 2026

Sie sind so schmal und klein, dass man sie locker in die Manteltasche stecken kann. Doch die TOP 10 Reiseführer von DK sind nach einem Relaunch noch übersichtlicher geworden und liefern kompakte Informationen und Inspirationen für die eigene Bucket List. Veränderte Gewohnheiten Das fängt schon mit dem Einstiegskapitel an, das nicht nur die TOP 10 Erlebnisse beinhaltet, sondern auch einen kompakten Einblick in die Geschichte bietet und konkrete Tipps für einen zwei- oder viertägigen Trip. Mit dem Relaunch reagiert der Verlag auf veränderte Lesegewohnheiten und individuelle Reise-Erwartungen. Die Reihe will nicht mehr nur die Frage beantworten, was man gesehen haben sollte, sondern auch, was man vor Ort unternehmen kann und wo man dem Alltag der Menschen nahe kommt. Streetart neben Rembrandt In Amsterdam etwa findet Streetart ebenso einen Platz unter den Top 10 wie Rembrandts Haus oder der neue Westerpark. In Venedig behauptet sich die Auszeit auf dem Lido neben dem Markusplatz und einer Kneipentour auf Venezianisch. Die Themen in Venedig sind neben den üblichen wie Künstler und Feste auch Brücken, Palazzi oder Schriftsteller. Mit dem kleinen Guide kann man einzelne Stadtteile erkunden und sogar Abstecher in die nähere Umgebung machen. Jüdische Geschichte In Amsterdam geht es beim Kapitel Themen…

Venedig im Kaleidoskop
Rezensionen , Romane / 10. April 2026

David Hewson macht in „Das Borgia Porträt“ ein bisschen auf Dan Brown und jagt die Lesenden auf der Suche nach einem verschwundenen Porträt durch Venedig. Ziel der Schnitzeljagd, die in ein Venedig abseits der Touristen-Hotspots führt, ist nicht irgendein Porträt, sondern das der verführerischen Lukrezia Borgia. Der alte Palast Für die junge Engländerin Lizzie Hawker ist das erotische Porträt eine Kindheitserinnerung, bevor ihre Mutter verschwand. Lizzie hat den baufälligen Palast Ca‘Scacchi geerbt und viele Schulden. Das Borgia-Porträt könnte ihre Geldnöte beenden. Aber wo steckt Lukrezia? Der Strippenzieher Mit Hilfe des pensionierten Archivars Arnold Clover – auch er aus England – macht sich die junge Frau auf die Suche. Schon bald stoßen die beiden auf unerwartete Hürden und ahnen, dass ein potenter Strippenzieher die Hände im Spiel hat: Enzo Canale hatte sich vom mittellosen Barmann zum einflussreichen Immobilienmagnaten hochgegaunert. Wie Chas Hawker warb er um die Hand der schönen Comtessa Lucia Scacchi – und verlor. Aber Hawker, Lizzies Vater, war wohl ein ebensolcher Schurke, wenn auch weniger erfolgreich. Das Skelett in der Gruft Für Lizzie, die ihrem Vater seine Eskapaden gern verziehen hat, sind das keine guten Neuigkeiten. Und sie muss noch mehr verkraften. Bei der Suche nach dem verlorenen Porträt…

Im adriatischen Zwischenreich
Reisebücher , Rezensionen / 11. Juni 2025

„Die neuen Insider Guides der Oh!-Reisebuchreihe des Folio Verlags für Städte und Regionen erzählen auf authentische und spannende Weise von Orten und Gegenden sowie ihren Menschen. Das überzeugende Qualitätsversprechen des Verlags steht gedruckt auf dem Cover: Mit dem Know-how der Locals.“ So begründet die Jury die Verleihung des International Travel Book Awards für die neue Reihe „Oh! Das Reiselesebuch“. Laut Verlag erzählen die Autorinnen und Autoren darin „mit unverwechselbarem, persönlichem Blick“ viel Hintergründiges. Sanfte Annäherung Das gilt auch für Anita Rossi und „Oh! Italiens Obere Adria“. Die in Südtirol aufgewachsene Autorin, die teils in Brixen, teils in der Lagune von Caorle lebt, kennt sich aus im „vom Wasser geprägten Zwischenreich abseits der bekannten Kulturstädte“. Die Tourismusburgen lässt sie außer acht. Dafür lädt sie in „aus der Zeit gefallene borghi“, zu Strandspaziergängen auf knirschendem Muschelsand und in Unesco-Welterbestätten. Wichtig dabei ist ihr immer eine möglichst sanfte Annäherung, etwa mit Fahrrad oder Boot, auch mit Öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Mestre statt Venedig Wie wäre es also mit Birdwatching im Po-Delta oder einem Besuch in Chioggia, „Klein-Venedig, nur ohne Massentourismus“? Die in Venedig bitter vermisste Jugendkultur findet die Autorin in Mestre, wohin es auch viele Venezianer gezogen hat, die in der musealen…

Fatales Erbe
Rezensionen , Romane / 1. Juli 2024

Donna Leon hat es selten eilig, zum Kern der Kriminalgeschichte zu kommen. Ihre Romane um Commissario Brunetti sind auch immer weniger Krimis als Geschichten, die in Venedig spielen. Gesellschaftskritik wird der erfolgreichen Autorin dabei immer wichtiger. Das gilt auch für den 33. Fall, den der zunehmend frustrierte Commissario zu bearbeiten hat. Der Terror der Babygangs Alles beginnt mit den „Babygangs“, die sich in Venedig gegenseitig terrorisieren und mit ihren Umtrieben auch die Venezianerinnen und Venezianer verunsichern. Brunettis Kollegin, die schöne  Neapolitanerin Claudia Griffoni, wird bei einem Einsatz unfreiwillig in so eine Auseinandersetzung hineingezogen, nachdem die Polizei eine der Gangs aufgegriffen hat. Griffoni übernimmt dabei die Verantwortung für den jungen Orlando, der als einziger nicht von seinem Vater  abgeholt wird. Von diesem Vater,  Dario Monforte, der vor langer Zeit als „Held von Nasiriya“ gefeiert wurde, und seinem fatalen Erbe  werden die Lesenden noch öfter hören. Eine echte Feuerprobe Es beginnt also alles eher harmlos, die Handlung nimmt nur ganz langsam Fahrt auf. Aber ab dem zweiten Drittel kommt die gewiefte Autorin so richtig zur Sache und am Ende gelingt ihr ein filmreifer Showdown, der den Titel „Feuerprobe“ mehr als rechtfertigt.  Dabei  kommt Monforte, dessen unschöne Rolle im Irak-Krieg Brunetti und Griffoni…

Brunetti im Netz der Erinnerung
Rezensionen , Romane / 2. Juni 2022

Es sind immer weniger die üblichen Krimis, die aus der scheinbar unversiegbaren Feder von Donna Leon fließen. Auch Brunettis 31. Fall „Milde Gaben“ beschäftigt sich intensiv mit dem, was der Autorin schon seit Jahren am Herzen liegt – Gesellschaftskritik. Die Folgen von Corona Venedig ist dabei, die Pandemie abzuschütteln. Doch die Stadt hat gelitten, viele Läden bleiben geschlossen. Doch während Corona manche in den Ruin trieb, haben andere profitiert. Brunetti hat viel Zeit, sich Gedanken über die abstrusen Folgen der Pandemie zu machen und sich seinen Klassikern zu widmen. Auch das Verbrechen scheint zu pausieren. Die Freundin, die keine war Und dann bittet ihn eine alte Freundin um Hilfe, die in Wirklichkeit gar keine Freundin war, wie Brunetti sich widerwillig erinnert. Der Commissario muss nur zurückdenken an seine ärmliche Kindheit. Und so erfahren die Lesenden erstaunlich viel aus Brunettis Leben vor Paola. Von den beengten Verhältnissen, in denen er zusammen mit seinem älteren Bruder aufwuchs. Vom Vater, der seit der Heimkehr aus dem Krieg immer seltsamer wurde, und von der geliebten Mutter, die im Alter dement wurde. Keine Lösung und viele Fragen Es sind teilweise schmerzvolle Erinnerungen, denen sich Brunetti in diesem Fall stellen muss. Nach vielen Verwicklungen wird klar,…

Brunetti: Jubiläum in Melancholie
Rezensionen / 17. Juni 2021

Es gilt mal wieder ein Jubiläum zu feiern: Donna Leons Commissario Brunetti löst seinen 30. Fall. „Flüchtiges Begehren“ ist der Titel des neuen Romans, in dem Brunetti die Leser wieder mitnimmt auf seine Streifzüge durch Venedig. Unschönes in Venedig Mehr als sonst ist der Commissario von Melancholie geplagt. Vielleicht weil er es mit zwei jungen Männern zu tun hat, die ihn an seinen Sohn erinnern. Vielleicht aber auch, weil er all der Missetaten und unschönen Entwicklungen überdrüssig ist, die ihm in seinen langen Dienstjahren begegneten und die ihm das Leben in Venedig verleiden: Massentourismus und Umweltverschmutzung, korrupte Politiker und mafiöse Strukturen. Vieles scheint auserzählt Nicht einmal die geliebte Familie kann den Commissario so recht aufheitern. Und der schönen und smarten Signorina Elettra gönnt er kaum einen Blick. Wie die Familie gehört sie zum lieb gewonnenen Personal der Romane. Vieles scheint auserzählt in dieser Folge wie die Launen des dumm-arroganten Vorgesetzten Patta oder auch die Kochkünste der intelligenten Ehefrau Paolo. Griffoni und die Frauen-Power Dass Donna Leon mit der schönen Neapolitanerin Claudia Griffoni eine neue Figur eingeführt hat, spricht allerdings gegen die Annahme, die Amerikanerin könnte ihre erfolgreiche Krimi-Serie beenden. In diesem Fall, in dem es anfangs nur um einen schrecklichen…

Venedig schwitzt, Brunetti resigniert
Rezensionen / 30. Mai 2020

Geheime Quellen können sich auf Wasserzuflüsse beziehen aber auch auf illegale Geldzuflüsse.  Womöglich auch auf beides wie in Donna Leonas neuem Roman mit dem Titel Geheime Quellen.  Es waren noch nie Hau-Drauf-Krimis, bei Donna Leon und ihrem Commissario Brunetti geht es eher um die gesellschaftlichen Hintergründe, die zu Missständen und womöglich auch zu Morden führen. Das ist bei Brunnettis 29. (!) Fall  nicht anders. Eine Todkranke und ein Versprechen Lange ist sogar unklar, ob es sich beim Tod von Vittorio Fadalto nicht doch um einen Unfall gehandelt hat und nicht um einen Mord, wie seine todkranke Frau annimmt. Ihr hat Brunetti versprochen, sich um den Fall zu kümmern. Doch das scheint nicht zu eilen. Denn lange geht es in dem Roman eher um die Hitze, die sich im überlaufenen Venedig staut, um Durst und Wassernotstand, um Umweltsünden und Brunettis Amtsmüdigkeit. Nur der Vize-Questore ist relativ unbeeindruckt von der Hitze, die seinen Mitarbeitern alle Energie aus den Knochen zu saugen scheint. Kein Wunder, Patta hat eine Klimaanlage, von der auch die kluge Signorina Elettra profitiert. Wasser ist ein wichtiges Gut Wie immer ist sie Brunetti bei seinen Recherchen eine große Hilfe, und so stößt er beinahe nebenbei auf eine Vergiftung des…

Brunetti und die letzten Dinge des Lebens
Rezensionen / 3. Juli 2019

Donna Leon ist inzwischen 76, und sie lebt schon seit geraumer Zeit nicht mehr in Venedig. Wie alt ihr Commissario Guido Brunetti ist, weiß man nicht so recht. Auf jeden Fall löst er in diesem Buch seinen 28. Fall. Aber in der Familie Brunetti und im Polizeipräsidium scheint die Zeit still zu stehen. Die Kinder leben immer noch zu Hause, der Vize-Questore ist immer noch kein einfacher Vorgesetzter und die schöne Signorina Elettra ein hilfreicher Engel mit digitaler Allwissenheit. Es geht um Väter und Söhne Und doch ist etwas anders in diesem Krimi mit dem Titel „Ein Sohn ist uns gegeben“. Es geht um Väter und Söhne, leibliche und angenommene und vor allem darum, dass ein Freund von Brunettis adligem Schwiegervater vor einer Dummheit bewahrt werden soll: Der alternde Gonzalo Rodriguez de Tejeda will seinen jungen Liebhaber adoptieren und zum Alleinerben einsetzen. Das Szenario nutzt Donna Leon für einen – nostalgischen  – Blick zurück in die Vergangenheit des Conte und seiner Freunde. Der schwule Spanier Gonzalo war von seinem Vater verstoßen worden, er hatte in Lateinamerika ein Vermögen gemacht und dort auch Freunde gefunden. In seiner Wahlheimat Venedig wurde der distinguierte Spanier auch zum Vertrauten Brunettis und seiner Familie –…