Verhängnisvolles Schweigen
Rezensionen , Romane / 26. August 2025

Zaire – seit 1997 nennt sich das Land Demokratische Republik Kongo – feiert den 14. Jahrestag der Unabhängigkeit erlangt. Der Vater bringt im weißen Mercedes seine Familie zu einem Wohnsitz mit Pool. Wir sind im Jahr 1974 in Kinshasa. Und hier beginnt Christina Fonthes‘ aufwühlender Debütroman „Wohin du auch gehst“. Die Erinnerung Mira erinnert sich an den Jubel über die Unabhängigkeit von Belgien, das seine rohstoffreiche Kolonie brutal ausgebeutet hat. Und sie erinnert sich an eine Szene, die sich ihr buchstäblich eingebrannt hat: Stimmengewirr im Dunkeln, Rauch, eine leblose Gestalt an einem Holzpfahl, darunter verklumpte Autoreifen, aus denen Flammen züngeln. „Man hat sie zusammen erwischt, zwei Frauen“, erklärt die ältere Schwester Ya Eugenie dem jungen Mädchen. Unafrikanische Liebe Es ist eine Schlüsselszene. Denn in dem Debütroman der in Kinshas geborenen britisch-kongolesischen Autorin geht es auch um queere Liebe. „Unafrikanisch“ sei das, findet die in inzwischen in England lebende Mira, die sich nach schweren Schicksalsschlägen vom lebenslustigen Teenager zur bigotten Schwester Mireille entwickelt hat. „Wohin du auch gehst“ ist eine Familiengeschichte, in der die Frauen im Mittelpunkt stehen. Dabei folgt man den beiden Protagonistinnen durch vier Länder – Kongo, Belgien, Frankreich und England. Trost aus der Freikirche Die zweite Stimme neben…