So schnell kann‘s gehen: Nach dem Abi ist der eher introvertierte Daniel auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Er zweifelt, sieht sich umzingelt von Fake Nachrichten und falschen Freunden. Und dann fällt ausgerechnet er auf den Nazi Steffen herein.
Heimat Sonnenhof
Denn dieser Steffen kommt bei seinen Mails empathisch rüber, zugewandt. Daniel lässt sich überreden, auf den abgelegenen Sonnenhof zu kommen, wo Steffen mit seiner Frau und den Zwillingen Freya und Gerold lebt. Möglichst autark, wie er Daniel erklärt. Der Sonnenhof soll zur Heimat der Familie werden. Das Wort Heimat triggert Daniel, aber bei Steffen klingt es für ihn völlig natürlich.
Oberflächliche Kontakte
Von Mal zu Mal fühlt er sich auf dem Sonnenhof mehr zuhause. Mit Mutter und Schwester hat er ohnehin nur sporadischen Kontakt, mit dem Vater und dessen neuer Frau noch weniger. Und zu den Mitbewohner der WG, Luise und Roberto, ist das Verhältnis eher oberflächlich. Obwohl ihn Lu, wie er Luise nennt, fasziniert. Er fühlt sich angezogen von der Lebenslust der jungen Frau, von ihrer Spontaneität.
Wachsende Zweifel
Aber Lu macht es ihm nicht leicht, sie zu durchschauen. Auch aus Frust wendet er sich noch mehr dem Sonnenhof zu. Doch dann taucht da Katharinas Bruder auf, ein grober Klotz, mit dem Daniel von Anfang an eine gegenseitige Abneigung verbindet. Allmählich schleichen sich bei dem lange gutgläubigen Studenten Zweifel ein, ob er Steffens Vorstellungen wirklich teilen kann. Und als der ihm ohne Zögern sagt, dass sie Nationalsozialisten sind, weiß Daniel, dass die Zeit im Sonnenhof für ihn vorbei ist.
Zurück zur Realität
Er flieht zu einem amerikanischen Freund, der sich als rechter Freak entpuppt und forscht im Internet nach, was hinter dem Sonnenhof stecken könnte. Dabei entschlüsselt er eine alarmierende Botschaft. Jetzt weiß Daniel, dass er handeln muss und geht zur Polizei. Was ihm dann passiert, klingt wie eine der Verschwörungsgeschichten, die er früher immer wieder gelesen hat. Mit dem Unterschied, dass sie wahr ist. Daniel braucht viel Mut, um aus dem Scheinland, in das er sich selbst verpflanzt hat, wieder rauszufinden. Die Unterstützung der Familie und der Freunde wird ihm helfen, wieder in der Realität Fuß zu fassen.
Misstrauen ist angesagt
Cornelia Franz hat mit Scheinland einen überaus aktuellen Jugendroman geschrieben. Denn immer wieder agieren charismatische Typen aus der rechten Szene im Netz und versuchen, vor allem Jugendliche für ihre Sache zu gewinnen. Oft mit Erfolg. Daniel konnte sich nur aus dem Scheinland befreien, weil er trotz allem Charme des ländlichen Lebens skeptisch blieb, weil er nachfragte, nachforschte. Gesundes Misstrauen kann nie schaden, wenn man sich auf neues Terrain begibt. Das ist eine Lektion, dass viele Jugendliche erst lernen müssen. Wenn auch nicht auf die harte Tour wie Daniel.
Info. Cornelia Franz. Scheinland, Carlsen, 185 S., 14 Euro
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