Viel Arbeit für die Liebe

17. Februar 2019

Daniela Krien, Jahrgang 1975, hat es mit der Liebe. In ihrem Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ geht es um die amour fou zwischen einer 16-Jährigen und dem 40-jährigen Nachbarn. In ihrem neuen Buch „Die Liebe im Ernstfall“  hat sich die Autorin gleich fünf Frauen vorgenommen, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven über ihre Probleme mit der Liebe   – und mit den Männern berichten.

Mann und Kind?  Sex statt Liebe?

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde kennen einander mehr oder weniger gut, als Kinder und Jugendliche haben sie den Fall der Mauer erlebt und genießen nun die Freiheit. Aber sie haben auch Schwierigkeiten mit der Wahl ihres Lebensentwurfs. Mann und Kind? Familie und Beruf? Sex statt Liebe? Beruf statt Familie? Einfach ist das alles nicht, zumal die fünf Frauen durchaus selbstbewusst sind, und ihre Ansprüche haben – auch sexuell.
Da denkt die Single-Frau Judith, die je nach Bedarf Männer datet, dass jede Frau einen Mann haben sollte, der „ein wenig wie Christian Grey ist“, und die Buchhändlerin Pauline will durch den Schmerz der Unterwerfung die Trauer um den Tod ihres Kindes vergessen. Brida wiederum, die Schriftstellerin, verliert durch den Alltag mit Mann und Kindern ihre Intuition:
„Unversehrt hatte Brida mit neunzehn Jahren das Elternhaus verlassen. Nun, fast zwanzig Jahre später, kommt es ihr vor, als wären ihr alle Knochen auf einmal gebrochen, die Haut vom Leib gezogen, die Haare ausgerissen, die Zuversicht gestohlen und die Träume zerschmettert worden. Mit dem Menschen, der sie gewesen ist, hat sie nichts mehr zu tun.“

Leiden bis zur Selbstaufgabe

Dabei hat sie den Mann doch gewollt, so sehr, dass sie ihn der Anderen, Malika, abspenstig machen musste. Und die Musiklehrerin Malika leidet unter dem Verlust, still bis zur Selbstaufgabe. Bis ihre Schwester Jorinde, die Schauspielerin, eine neue Aufgabe für sie hat. Jorindes Ehe mit dem westdeutschen Kollegen Torben ist gescheitert, sie trägt das Kind eines anderen im Bauch. Am Ende ziehen die Schwestern zusammen.
Malika wird zur Vertrauten von Jorindes Kindern. Und Jorinde fragt sich, ob ihre Kinder die Kindheit „halbwegs unverletzt überstehen. Ob sie starke Erwachsene sein werden. Alle Erwachsenen richten je nach Grad ihrer Beschädigung mehr oder weniger Unheil in dieser Welt an.“

Keine Lust auf Mittelmäßigkeit

Die Liebe ist für diese Frauen harte Arbeit, so unterschiedlich sie auch sind.  Daniela Krien zeichnet sie alle irgendwie unvollständig, gebrochen. Dennoch sind es Frauen, die ihr Leben meistern, wenn auch nicht immer so wie sie es erträumt haben. Diese Frauen wachsen an ihren Niederlagen, lernen aus ihrem Scheitern und geben sich trotzdem nicht mit Mittelmäßigkeit zufrieden.
Für Männer wie Götz, auf ein eher traditionelles Frauenbild fixiert, allerdings sind Frauen wie Brida unverständlich:
„Ob sie jemals daran gedacht habe, zu viel zu wollen, fragte er dann, und seine Stimme zitterte. Ob sie geglaubt habe, man könne alles haben, ohne Verzicht, ohne Beschränkung? Ob sie ernsthaft gedacht habe, sich Kinder und Kunst und Kultur und Freunde und Mann und Sex und Zeit zum Lesen und Zeit zum Nichtstun und spontane Fluchten und wer weiß was alles noch nehmen zu können, ohne einen Preis zu bezahlen?“
Erstaunlich, dass sich Männer diese Frage lange nicht stellen mussten…
Info: Daniela Krien. Die Liebe im Ernstfall, Diogenes, 288 S.,22 Euro

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