Von Kindern und Katzen

12. Juli 2026

„Die meisten Menschen sehen überhaupt nur wenig von dem, was da ist“, sagt Mond, der seltsame Junge in den zerrissenen Klamotten, den Jeremias auf der griechischen Insel Kreta trifft. Mond, was für ein seltsamer Name. Aber was ist nicht seltsam an dieser Geschichte, die Antonia Michaelis unter dem Titel „Katzenmond“ erzählt?

Die geheimnisvolle Tür

Ein unglaubliches Abenteuer, das ein bisschen an Alice im Wunderland erinnert. Nur, dass Jeremias hier nicht durch einen Spiegel geht, sondern eine Tür finden muss. Der Junge aus Deutschland ist mit seinen Eltern in den Sommerferien auf der Insel. Was ihm gleich auffällt, sind die vielen streunenden Katzen.

Die Sorge der Katzen

Und dann natürlich dieser seltsame Junge, zu dem Jeremias sich sofort hingezogen fühlt. Dabei weiß er nichts über Mond. Außer, dass er keine Eltern mehr hat und hin und wieder unter Autos schläft. Und, dass er den Katzen der Insel helfen will. Die sorgen sich um ihren Winterplatz, eine alte Villa. Ein Geschäftsmann im silbernen Anzug hat sie gekauft und will sie abreißen lassen, um eine noble Touristenunterkunft zu bauen.

Der Katzenkönig

Jeremias, der zu Hause kaum Freunde hatte, solidarisiert sich schnell mit Mond und den Katzen. Die dritte im Bunde ist Nyx, ein Mädchen, das im Rollstuhl sitzt. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Katzenkönig, einem Jungen, der das Überleben der Streunerkatzen gesichert hat aber vor langer Zeit verschwunden ist. Nur der Katzenkönig, da sind sich alle drei sicher, kann die alte Villa und damit die Katzen retten.

Die Nachtwelt

Um ihn zu finden brauchen sie eine Tür.  Nur so können sie die Schwelle zur Nachtwelt überschreiten, wo all das möglich ist, was Erwachsene nicht für möglich halten. Mit diesem Kunstgriff kann Antonia Michaelis ihr Märchen weiter spinnen, in dem es um echte Freundschaft geht, um Geld und Gier, um Mobbing und Mut – und natürlich um Katzen.  Lebendige und künstliche.  Denn  der „Anzugmann“ will die Streunerkatzen durch perfekte künstliche Kreaturen ersetzen.

Katzenliebe

Eine Horrorvorstellung für Mond, Nyx und Jeremias: „Die streunenden Katzen, die nicht künstlichen, nicht perfekten, einohrigen oder einäugigen, abgelebten, die Freigeister, die sich nichts sagen und sich nicht zähmen ließen, waren verschwunden. Nirgends hockte eine winzige schwarze Fadenkatze, von nirgendwoher kam eine ängstliche Gelbe angerannt und wollte sich hinter einem verstecken, nirgends saßen drei bunt gefleckte Glückskatzen und redeten Unsinn.“

Kinderhelden

Gelingt es den Kindern, die Invasion der künstlichen Katzen zu verhindern? Werden sie den Katzenkönig finden? Antonia Michaelis lässt Jeremias erzählen, den Elfjährigen, der als Katzenretter ebenso über sich hinauswächst wie das Mädchen Nyx. Am Ende sehen auch die Erwachsenen mehr von dem, was da ist. Bis dahin fiebert man mit Jeremias, Nyx und Mond mit. Denn trotz so mancher haarsträubender Geschehnisse hält Antonia Michaelis den Spannungsbogen bis zum Ende und lässt damit der Langeweile keine Chance.

Info. Antonia Michaelis. Katzenmond, Oetinger, 318 S., 16 Euro, ab 10

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