Ein bisschen erinnert der Mystery-Thriller „Nur wir“ von Angelika Scheffel an den Kult-Film „Das Blair Witch Project“, auch wenn hier niemand zu Tode kommt. Vier Teenager stranden im Rahmen eines Survival-Camps auf einer kleinen Insel. So richtig engagiert ist nur der bestens ausgestattete Elio, der sich dieses Abenteuer gewünscht hat. Womöglich auch noch Noomi, das hübsche Mädchen mit den rosaroten Haaren. Die abenteuerlustige Ada wäre lieber mit ihrem Freund Selim unterwegs, und der coole Ty hat sowieso auf nichts Lust.
Der seltsame Junge
Aber die Auszeit auf der seltsamen Insel bringt die vier einander näher. Und dann wäre da noch dieser merkwürdige Junge, Teo, der zwar etwas unbeholfen wirkt aber auch nett und sympathisch. Alle vier haben mit ihm ganz eigene Erfahrungen, die sie mit den anderen nicht teilen wollen. Und obwohl Teo ihnen wegen seiner Unsicherheit irgendwie leid tut, sind sie auch misstrauisch. Irgendetwas stimmt mit dem Jungen nicht.
Wut und Verzweiflung
Dann entdeckt Ada etwas, das ihr Misstrauen bestätigt. Sie kann auch die anderen überzeugen und schnell schlägt die Sympathie für Teo in Wut um. Selbst der so empathische Elio wird zum Sadisten. Teo, das Opfer, fördert die schlimmsten Eigenschaften der Jugendlichen zu Tage. Sie erkennen sich selbst nicht wieder. Und dann ist der Furor plötzlich vorbei. Teo hat den auf ihn einprügelnden Ty schwer verletzt. Jetzt müssen die vier zusammenhalten, um nicht zu verzweifeln. Sie wollen überleben. Und was ist mit Teo?
Existenzielle Fragen
Annika Scheffel hat in ihrem Mystery-Thriller ein in Zeiten von KI und neuen Ängsten höchst aktuelles Thema aufgegriffen. Philosophische und existenzielle Fragen darüber, was einen Menschen ausmacht, stellen sich da von selbst. Interessant ist auch die Janusköpfigkeit der Charaktere. Ihre anerzogenen Eigenschaften schlagen ins Gegenteil um, sobald die Unsicherheit an der Oberfläche kratzt. Die dünne Firnis der Zivilisation stellt Annika Scheffel ebenso glaubhaft wie spannend dar – und das in einer Sprache, die Jugendliche anspricht. Lesen lohnt sich: „Nur wir“ liefert auf jeden Fall jede Menge Diskussionsstoff.
Info. Annika Scheffel. Nur wir, Carlsen, 240 S., 15 Euro
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