„Rebellinnen zu Fuß“ ist viel mehr als die Geschichte des Wanderns aus Frauensicht. Anneke Lubkowitz beweist anhand von elf literarischen Wanderinnen, dass Frauen schon früh den Mut hatten, sich den Konventionen zu widersetzen und ihre eigenen Wege zu finden. Und während sie über Sophie von La Roche und Mary Shelley, über Mathilde Anneke und Annette von Droste-Hülshoff, über Bettina Brentano, Else Lasker-Schüler oder Simone de Beauvoir und Octavia Butler schreibt, ist sie selbst auch unterwegs, erspürt die Natur auf den Spuren ihrer „Heldinnen“.
Wanderin über dem Nebelmeer
Am liebsten würde Anneke Lubkowitz den berühmten Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich durch eine Wanderin ersetzt sehen. Denn ihre literarischen Wanderinnen hatten durchaus das Zeug dazu, neue Wege zu beschreiten – entgegen aller Gepflogenheiten ihrer Zeit. Und so lernen die Lesenden auch unbekannte Seiten dieser weitgehend bekannten Schriftstellerinnen kennen.
Frühe Bucket list
Wir erfahren, dass Sophie von La Roche „keinem Mann nachtreten“, sondern ihre eigenen Erfahrungen machen wollte – auch wandernd. Wir lesen, dass für Bettina Brentano das Wandern Dichten ohne Worte war und das Abholzen alter Bäume ein unentschuldbares Sakrileg. Mary Shelley macht sich in ihrem Reisebericht „Streifzüge durch Deutschland“ über einen Engländer lustig, der dabei war, „seine sächsische Schweiz abzuhaken: er hatte sein Italien abgehakt, sein Sizilien, er hatte seinen Sonnenaufgang auf dem Berg Ätna abgehakt“ – schon im 19. Jahrhundert gab es wohl so etwas wie eine Bucket list…
Naturlyrik und Landstreicherei
Während wir der Autorin in Bibliotheken folgen, auf Wanderwegen und in Wander-Träume, lernen wir in diesem immer wieder überraschenden Buch Annette von Droste-Hülshoff und ihre Naturlyrik kennen, reisen mit Mathilde Anneke zurück ins aufkommende Industriezeitalter, begleiten Emmy Jennings bei ihrer „Landstreicherei“ und später mit ihrem Mann Hugo Ball ins Tessin, wo die beiden in Hermann Hesse eine verwandte Seele fanden. Für Simone de Beauvoir war Wandern eine ernsthafte Angelegenheit, die sie am liebsten allein unternahm, weil sie es liebte sich zu verlaufen.
Anleitungen für den Alltag
Sie sind wahrhaft Rebellinnen, diese Wanderinnen, die sich furchtlos den Konventionen widersetzen wie die charismatische Annemarie Schwarzenbach oder Octavia Butler, die als Schwarze an die Grenzen der US-amerikanischen Outdoor-Gestaltung stieß. Am Ende gibt Annette Lubkowitz einfach zu befolgende „Anleitungen für Abenteuer im Alltag“, die sich an die Wanderungen ihrer Protagonistinnen anlehnen. Ein rundum inspirierendes Buch für wandernde Leserinnen oder lesende Wanderinnen.
Info Anneke Lubkowitz, Rebellinnen zu Fuß, Kein & Aber, 304 S., 26 Euro
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