Weihnachten ist Lesezeit

7. Dezember 2025

Es gibt kaum Schöneres an trüben Wintertagen, als sich in Kissen zu kuscheln, in einem Buch zu blättern und sich in andere Gefilde, ja andere Welten und Zeiten, zu träumen. Für solche Reisen im Kopf ist kaum ein Medium besser geeignet als ein Buch. Wir haben unter den vielen Neuerscheinungen dieses Jahres wieder ganz besondere Bücher ausgesucht, die zum Lesen, Schauen und Staunen einladen – und die sich auch unter dem Weihnachtsbaum gut machen.  Lassen Sie sich verführen!

Bücherhimmel

Als Hommage an die Kraft des Lesens sieht lonely planet den fast schon nostalgisch wirkenden Bildband „Bücherschätze“, der in Texten und Fotos 50 außergewöhnliche Bibliotheken in aller Welt vorstellt. Da gibt es in Idaho die wohl kleinste Bibliothek in einer Pappel, werden in Äthiopien Bücher zu Pferde zu den Lesenden gebracht, in Kolumbien auf Eseln und in Oregon mit der Fahrrad-Rikscha. Da ruhen bibliophile Schätze im Katharinenkloster in der Wüste Sinai, bewahrt die Arts Bank in Chicago historische Artefakte, während in der Future Library Manuskripte bekannter Autorinnen und Autoren stehen, die erst 2114 zu lesen sein sollen. Einige der Bibliotheken sind schon Geschichte oder in ihrer Existenz bedroht. Deshalb gibt es seit 2023 in den USA online die Bibliothek der Verbotenen Bücher. Womöglich finden sich einige dieser „banned books“ im Traveler Restaurant in Connecticut, wo die Gäste mit Food & Books verwöhnt werden – mit Essen und Büchern. Was will man mehr?
Info. lonely planet. Bücherschätze. Mit einem Vorwort von Nancy Pearl, 208 S., 24,95 Euro

Waldeslust

Dieser Bildband kommt in außergewöhnlicher Aufmachung daher, verpackt in einen Karton mit der Anmutung von Holz: The Woods hält auch, was Verpackung (und Preis) versprechen. Dem Fotografen Kilian Schönberger ist es gelungen, den einzigartigen Kosmos des Waldes in Fotografien von geradezu magischer Schönheit einzufangen. Dazu kommt das kreative Design von Alex Stieg mit Collagen aus Naturzitaten und Fotografie sowie der grünen Farbgebung im Inneren. Doch dieses Buch ist nicht nur ein Augenschmaus. Es ist vor allem eine Hymne auf den Wald. Wer mehr über seine Bedeutung und den Mythos Wald erfahren will, sollte auch die Texte von Pia Franziska Kraus lesen, in denen Bäume und ihre Geschichte zum Leben erwachen – vom Samenkorn bis zur tausendjährigen Linde, vom Heiligen Hain bis zum Schutzgebiet der Gegenwart.
Info. The Woods mit Fotografien von Kilian Schönberger, Edition We mind publishing, 304 S., 80 Euro

Heimatgefühle

Deutschland ist immer noch das beliebteste Reiseland der Deutschen. Der Bildband „Heimat Deutschland“ zeigt, warum es „zu Hause am schönsten ist“. Und wer durch die reich illustrierten Seiten blättert, staunt über die Vielfalt dieser „Heimat“. Viele kurze Texte erzählen unter dem Motto „Heimatkunde“ von den Besonderheiten der einzelnen Bundesländer. Vom steilsten Weinberg an der Mosel, den Eifel-Krimis von Jacques Berndorf, der Arena auf Schalke, von Niki de Saint Phalle und Hannover, Konopkes Currywurst in Berlin, von Kneipp und König Ludwig im Allgäu, von Bollenhut und Kuckucksuhr im Schwarzwald. Dazu kommt einiges, was typisch deutsch ist wie der deutsche Wald, das deutsche Brot, das deutsche Bier. Und wer den Geschmack der Heimat kosten will, kann Allgäuer Kässpatzen nachkochen oder einen Dresdner Stollen nach Originalrezept backen.
Info.  Heimat Deutschland, Kunth, 340 S., 39,95 Euro

 

Küchenlatein

Kulinarische Reisen liegen im Trend. Wer das dicke Buch „Lago“ aufschlägt, findet sich alsbald im Genussreich zwischen Lago Maggiore und Gardasee. Appetitanregende Food-Fotos und ebensolche Rezepte wechseln sich ab mit Landschaftsaufnahmen sowie Porträts von Köchen, Bäckern und Produzenten. Auf knappen 400 Seiten präsentiert sich die ganze kulinarische Bandbreite der Region. Auf Bauernhöfen und Weingütern, in Küchen und auf Märkten verlocken einzigartige Käsesorten, Schmortöpfe und raffinierte Nudelgerichte zu einem genussreichen Kennenlernen der Küche der norditalienischen Seen. Man liest über die Geburtsstunde des Gorgonzola und das Geburtsjahr des Franciacorta. Man schaut in Küchen und Keller und wirft daneben immer wieder einen Blick in die Landschaft, in der diese Köstlichkeiten gedeihen und verarbeitet werden. Für die nächste Reise hat man darüber hinaus jede Menge Genuss-Adressen.
Info. Catherine Roig/Text und Emanuela Cino/Fotografie. Lago – Die Küche der norditalienischen Seen, Prestel, 400 S., 38 Euro

Meeresrauschen

Cover Am Meer der Zeit

Seinem Vater, der ihn lehrte „Bücher zu lieben und das Mittelmeer“ hat Lorenzo Cipriani das Buch „Am Meer der Zeit“ gewidmet, in dem er eine 5000 Meilen lange mediterrane Segelreise auf den Spuren alter Kulturen beschreibt. Aber nicht nur von Odysseus, den Argonauten oder dem Meeresgott Poseidon wird auf 350 Seiten erzählt. Man begegnet auch einem jungen Leonhard Cohen und seiner Muse Marianne auf der Insel Hydra, begleitet den Autor und seine Freunde in Museen und Tavernen und nimmt Teil an Segelabenteuern zwischen Scylla und Charybdis. Dabei ist die Begeisterung Ciprianis für die alten Kulturen ansteckend wie seine Neugier. Lesend erlebt man durch Geschichten aus alter Zeit Bekanntes wie Pompeji, Athen oder Venedig neu und dringt in bisher unbekannte Gefilde ein, etwa in die untergegangene Stadt Pavlopetri. Es sind Reisen im Kopf, zu denen man sich auch noch die Szenerie dazudenken muss. Das Buch kommt ohne jede Illustration aus. Eigentlich schade.
Info.  Lorenzo Cipriani. Am Meer der Zeit, Delius Klasing, 350 S., 29,90 Euro

Bergluft

Das Alpenvereinsjahrbuch ist in diesem Jahr eine Jubiläumsausgabe: Vor 150 Jahren erschien in Wien die erste Ausgabe, die sich mit der Venedigergruppe beschäftigte. Was lag näher, als dieses imposante Gebirge 150 Jahre später noch einmal in den Augenschein zu nehmen? Und die Veränderung zu dokumentieren, den der Klimawandel beschert? Überhaupt steht dieser Jubiläumsband ganz im Zeichen des Wandels. Georg Bayerle (Der Alpen-Appell) beschreibt gleich zu Anfang, wie dramatisch die Alpen sich verändert haben. Und Dominik Oswald mahnt: So wie die Berge sich wandeln, müsse sich auch der Alpinismus wandeln. Auch jenseits dieser aktuellen Probleme hat das Jubiläums-Buch Lesens- und Sehenswertes zu bieten: Eine Geschichte über die Alpen-Sherpas, etwa, jene Menschen, die früher dafür sorgten, dass die Hütten bewohnbar wurden. Das Porträt einer Hüttenwirtin oder ein Diskussionsbeitrag zu Free Solo. Und es lohnt sich, bis zum Ende zu blättern und die Erinnerungen von Clemens J. Setz an eine Klassenfahrt nach Südtirol zu lesen, aber auch zwei Lesestücke zu Mallory, geschrieben von KI.
Info. Axel Klemmer (Redaktion). AV-Jahrbuch Berg 2026, Tyrolia, 256 S., 25 Euro

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