Wie du mir, so ich dir

28. September 2025

Zwischenmenschliches steht im Zentrum des neuen Romans von T.C. Boyle, der wieder auf Deutsch noch vor dem englischen Original erscheint. „No way home“ ( Kein Weg nach Hause), erzähle von der obsessiven Liebe von zwei Männern zu einer Frau, die sich nicht zwischen ihnen entscheiden mag, heißt es im Klappentext.

Im Trumpland

Aber der Roman aus Trumpland ist auch eine Beschreibung des amerikanischen Alltags in der Provinz. In Boulder City in Nevada hat der junge Assistenzarzt Terrence das Haus seiner Mutter geerbt. Bis er seine Abschlussexamen bestanden hat, muss sich Terry in Los Angeles mit wenig Geld und einer Bruchbude begnügen. Deshalb würde er das Haus am liebsten verkaufen. Aber dann stößt er auf Bethany, die sich nach einem One Night Stand kurzerhand bei ihm einquartiert.

Bethanys Gift

Ihr Freund Jesse, ein unengagierter Lehrer, hat sie verlassen. Und besser als im Container ist das alte Haus allemal. Auch den Hund von Terrys Mutter nimmt Bethany in Obhut. Gegen seinen Willen fühlt sich der junge Arzt immer mehr zu der schönen, wenn auch oberflächlichen Frau hingezogen. Ist sie wirklich „Gift“, wie Jesse warnt? Oder will der Ex den so plötzlich aufgetauchten Rivalen nur aus dem Weg haben. Denn jetzt will Jesse Bethany wieder für sich.

Auge um Auge

Auf gegenseitige verbale Attacken folgen tätliche Angriffe. Zuerst von Jesse, dann von Terrence in der Logik: Wie du mir so ich dir. Auch der Hund gerät zwischen die Fronten, die sich immer mehr verhärten. Nur Bethany scheint von all dem wenig berührt. Sie will Terrence und die Sicherheit, aber sie will auch Party, Spaß und nimmt dafür auch Jesses Übergriffe in Kauf. Als alles zwischen ihnen noch gut war, fühlten sie sich wie Bonnie und Clyde. Da kann Terry nicht mithalten. „Spießer“ nennt ihn Jesse abschätzig. Dabei lebt er selbst in den Tag hinein, ziellos, gedankenlos. Drogen, Alkohol, Medikamentenmissbrauch – für Jesse und seine Freunde ist das alltäglich.

Böse Omen

Terry kennt die Anzeichen. Er hat auch Obdachlose behandelt wie Frances, die in einer Hundehütte vegetiert: „Er sah Frances über die Straße gehen. Sie war barfuß und trug nur ihr Krankenhausnachthemd, das ihre dürren Beine und schlaffen Pobacken unbedeckt ließ. Keiner der zahlreichen Passanten beachtete sie auch nur im Geringsten – sie war bloß eine weitere Irre in einer endlosen Parade von Irren.“ Frances‘ Tod ist wie ein Menetekel.

Dazu passt auch die Natur: Rund um Boulder City holt sich die Wüste immer mehr Land. Das Wasser im Stausee ist zurückgewichen und „alle möglichen unschönen Sachen“ waren aufgetaucht: „Bootswracks, ein Wagen ,die skelettierten Überreste von Menschen, die ertrunken und in einem Fall sogar ermordet worden waren – die Füße waren von Beton umschlossen gewesen wie im Film“.

Düstere Aussichten

Irgendwie fühlt sich Jesse davon inspiriert, will die Geschichte des Stausees erzählen. Ein Roman schwebt ihm vor. Denn ein Autor, denkt er, wäre etwas ganz anderes als normale Menschen, etwas Cooleres auch als ein Arzt. Nur schreibt sich so ein Roman nicht so einfach und so wartete Jesse darauf „dass die Worte kamen“.

T.C. Boyle hat keine Probleme damit, die richtigen Worte zu finden. Der Autor zeigt auch in diesem Roman sein Talent für schwarzen Humor, hinter dem sich tiefsinnige Gedanken verbergen. In No way home kommen alle drei Protagonisten zu Wort. Gleichberechtigt schildern sie ihre Sicht der Dinge, die immer mehr eskalieren. Wobei alle drei die Schuld beim jeweils anderen sehen und dabei im eigenen Sumpf verharren. Der Schluss lässt zwar alles offen, aber ohne Einsicht sind die Aussichten für die Zukunft eher düster.

Info.  T.C.Boyle. No way home, Deutsch von Dirk van Gunsteren, Hanser, 400 S., 28 Euro

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