Sieben Kontinente und zehn Weltwunder in 80 Tagen zu bereisen ist schon eine Herausforderung. Erst recht für zwei Frauen, die zu ihrem 80. Geburtstag auf die Idee kamen, sich auf die Spuren von Jules Verne und Phileas Fogg zu begeben. Corona machte Eleanor Hamby und Sandra Hazelip einen Strich durch die Rechnung. Aber schon ein Jahr später brachen die beiden Freundinnen dann doch zu ihrem größten Abenteuer auf und setzten damit neue Maßstäbe für Reisen im Alter: “Eine Weltumrundung”, schreiben sie selbstsicher in ihrem Buch “The Traveling Nanas”, “war das eindeutige Gegenteil von den Rollatortouren zweier buckliger alter Ladys”.
Jenseits der Alters-Klischees
Tatsächlich sind Ellie, die Fotografin, und Sandy, die Ärztin, in vielem das Gegenteil beliebter Klischees über tattrige Seniorinnen. Selbstbewusst gehen die beiden engen Freundinnen ihren großen Plan an, wenn möglich den Zug statt das Flugzeug zu wählen und in ortsüblichen Unterkünften den Menschen und der Kultur der jeweiligen Länder nahe zu kommen. Dazu muss man wissen, dass Ellie und Sandy über die Zambia Medical Mission und auf weiten Reisen mit ihren Männern schon einige Auslandserfahrung gesammelt hatten. Für die befreundeten Witwen war die Weltumrundung aber eine neue Erfahrung. Wobei beide mit großer Neugierde, viel Optimismus und ebenso viel Empathie unterwegs waren.
Im Königreich von Oz
Sie wagten sich selbst in Krisengebiete, nahmen die Einladungen neuer Reisebekanntschaften gerne an und machten damit die besten Erfahrungen. Nach einer stürmischen Passage der Drakestraße formuliert Ellie ihre Begeisterung für die ungezähmte Natur so: “Ich habe das Königreich von Oz gesehen. So magisch war es.”
Ein Lob der Freundschaft
Immer wieder treffen die abenteuerlustigen Witwen auf Bewunderer, werden für TV-Sender interviewt und machen eines klar: “Nur weil man älter wird, darf man nicht aufhören zu leben.” Mit ihrer Weltumrundung und ihrem Buch wollen die beiden “Menschen aller Altersstufen” inspirieren, dazu ermutigen, neue Wege zu gehen. Ellie und Sandy konnten sich darauf einlassen, Neues auszuprobieren, weil sie sich aufeinander verlassen konnten. Und so ist ihr Buch auch eine Hommage auf die Freundschaft.
Grenzen überwinden
Schade nur, dass es in dem Buch ziemlich durcheinander geht. Man muss schon sehr aufpassen, um zu wissen, wer gerade erzählt. Mal wird Sandy zitiert, dann wieder Ellie, dann berichten alle beide. Hinzu kommt noch eine zusätzliche Erzählerstimme. So gerät das Ganze etwas umständlich. Trotzdem ist diese ganz besondere Reise-Geschichte unbedingt zu empfehlen. Ermuntert sie doch dazu, auch im Alter Grenzen zu überwinden und sich auf Neues einzulassen.
Info. Eleanor Hamby/Sandra Hazelip mit Elisa Petrini. The Traveling Nanas, Malik, 20 Euro
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