Zwischen gestern und morgen

29. September 2025

Die Philippinen: „Ein Land mit 7641 Inseln, über 300 Vulkanen und mehr als 170 Sprachen. Ein Land mit unzähligen Stränden und über 115 Millionen Einwohnern.“ Und Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Joscha Remus ist fasziniert von diesem Land im Fernen Osten. In seiner „Gebrauchsanweisung für die Philippinen“ gelingt es ihm, die Lesenden mit dieser Faszination anzustecken.

Land der Gegensätze

„Die Filipinos,“ schreibt er, „assimilieren mühelos Hochglanzwelt und Armenviertel, Chaos und Ordnung.“ Diese Aussage untermauert Joscha Remus mit vielen Beispielen aus dem filipinischen Alltag, der zwischen christlicher Tradition und amerikanischem way of life pendelt, zwischen Luxus-Malls und winzigen Lädchen. Aber auch zwischen animistischen Ritualen und KI. Sozusagen zwischen gestern und morgen.

Krokodileis und Adidas-Hähnchen

Selbst beim Essen kann man auf dem Philippinen Abenteuerliches erleben, Krokodileis zum Beispiel oder Adidas-Hähnchen (die Hühnerfüße mit den drei Krallen). Joscha Remus war viel unterwegs zwischen den Inseln, hat viel gefeiert mit den feierfreudigen Menschen, aber auch viel Armut gesehen. Kein Wunder, dass so viele Filipinas und Filipinos außerhalb ihrer Heimat arbeiten. Vor allem als Seefahrer sind die Männer begehrt.

Sprechender Kussmund

Man erfährt jede Menge Hintergründe zu Land und Leuten, zu Geschichte und Kultur in diesem lesenswerten Büchlein. Wer kennt schon den Kussmund als Richtungsangabe? Oder das größte Hahnenhotel der Welt, tatsächlich ein Hotel in Form eines Gockels? Wer war schon bei den Traumweberinnen in Mindanao oder bei den Menschen, die in Manila in Friedhofsgruften leben?

Geschichte und Gegenwart

Joscha Remus hat keine Wege gescheut, um Neues zu entdecken, um interessante Menschen zu treffen und hinter die Fassaden zu blicken. Er schreibt über die früheren Kolonialmächte genauso wie über die aktuelle Abhängigkeit des Inselstaats vom mächtigen Nachbarn China. Er beschreibt aber auch die schönsten Strände. Und er schreibt über den Nationalhelden José Rizal, dessen inzwischen auch auf Deutsch erschienener Roman „Noli me tangere“ auf den Philippinen Pflichtlektüre ist.
Womit wir bei der erstaunlich vielfältigen Literatur wären. Remus‘ Gebrauchsanweisung liefert einen Vorgeschmack auf das, was es auf der Buchmesse zu entdecken gibt.

Info. Joscha Remus. Gebrauchsanweisung für die Philippinen, Piper, 220 S., 16 Euro

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