Von Seneca bis Virginia Woolf, von James Joyce bis zu Michael Köhlmeier, von der Bibel bis zur Romantasy: Meike Winnemuth hat für ihr neues Buch „Eine Seite noch – warum Lesen uns so glücklich macht“ einen Sommer lang alles gelesen, was ihr in die Finger kam. In ihrem Buch schreibt die leidenschaftliche Leserin über Berührendes und Kurioses, über Wissenschaftliches und Persönliches beim Lesen. Bücher unterhalten sie nicht nur, sie geben ihr Antwort auf die Fragen des Lebens: „Poesie ist die Lösung für das Unlösbare. Die Schönheit des Paradoxons, genau das ist Literatur.“ Die Welt im Buch In Tolstois „Krieg und Frieden“, das sie anders als den doch ziemlich sperrigen Ulysses lange vor sich hergeschoben hat, entdeckt Meike Winnemuth eine ganze Welt. Lesend versucht sie sich selbst auf die Schliche zu kommen, verliert sich in Thomas Manns „Zauberberg“ und begibt sich auf die Spuren von Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“. Kreativer Lese-Prozess Ihr Buch sieht sie als Liebeserklärung ans Lesen, das sie als kreativen Prozess versteht. Als einen Dialog zwischen dem Geschriebenen und den Lesenden, die ihre ganze eigenen Erfahrungen, Erwartungen, kulturellen Hintergründe mit einbringen. „Wir lesen mit unserem ganzen Erfahrungsschatz“, ist Meike Winnemuth überzeugt und: „Nie lesen zwei Menschen dasselbe Buch.“…
Rebecca Wait schreibt gern über Familien, auch in ihrem neuen Roman „Meine bessere Schwester“. Und wie heißt es so schön bei Tolstoi: „…jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise“. Die Familie von Alice und Hanna ist besonders unglücklich. Das liegt schon am Erbe der Mutter Celia. Das eher hässliche und schüchterne Mädchen stand lange im Schatten ihrer schönen und klugen Schwester Katy, bis diese in die Schizophrenie abdriftete. Ihr Schicksal hängt fortan wie eine dunkle Wolke über der Familie. Die freudlose Celia krallt sich in ihrer Verzweiflung den Freund ihrer einzigen Freundin, Paul. Dominante Mutter Neben den Zwillingen Alice und Hanna haben den beiden noch den wenig auffälligen und eher gefühlsarmen Sohn Michael. Celia wird zu einer dominanten Mutter, die in der Furcht lebt, ihre Kinder könnten die Schizophrenie ihrer Schwester geerbt haben. Irgendwann entflieht Paul dem lieblosen Haushalt in die Arme einer jüngeren Frau. Ungleiche Zwillinge Trotz des häuslichen Elends steht die hübsche Hanna meist im Mittelpunkt einer großen Freundeschar. Aber der unscheinbaren Alice droht ein ähnliches Schicksal wie Celia, ein Leben ohne Freunde und ohne Liebe: Alice ohne Wunderland. Doch dann scheint sich bei Hanna Katys Erbe zu manifestieren. Die lebenslustige junge Frau verfällt in eine tiefe…