Missstimmung im Ferienhaus
Allgemein / 13. Mai 2021

Max Küng seziert gern seine Mitmenschen – als Kolumnist und als Buchautor.  So auch im Roman „Fremde Freunde“. Ein Haus in Frankreich: Wer träumt nicht davon. Jean und Jacqueline haben ihren Traum verwirklicht, aber ihnen laufen die Kosten davon. Warum also nicht Freunde an dem Feriensitz in der französischen Provinz teilhaben lassen? Das Paar lädt die Eltern der Freunde ihres Sohnes auf eine gemeinsame Woche in ihr Haus ein, und Jean verwöhnt die Gaumen seiner Gäste mit enthusiastischer Kochkunst. Gegensätzliche Charaktere Alles sieht gut aus, auch wenn die Paare nicht unbedingt harmonieren. Da sind die herbe und selbstbewusste Graphikerin Veronika und ihr Noch-Ehemann, der wortkarge Zahnarzt Bernhard. Der Gegensatz zu der unsicheren Sängerin Salome und dem von sich überzeugten aber nicht ganz so erfolgreichen Schauspieler Filipp könnte nicht größer sein. Und dann die Gastgeber: Der rundliche Genussmensch Jean und seine etwas naive Jacqueline. Merkwürdige Ereignisse Ganz allmählich schleichen sich Zweifel an dem Projekt ein, merkwürdige Ereignisse stören die oberflächliche Harmonie. Misstrauen keimt auf. Die Spannungen zwischen Veronika und Bernhard trüben die Ferienlaune, und Veronikas ungeniert zur Schau getragene Attraktivität bringt Filipps und Jeans Hormonhaushalt in Wallung, während Filipps ausgestellte Männlichkeit Jacquelines Träume beflügelt. Fremde in Frankreich Max Küng beschreibt in…

Mehr Pfützen braucht das Land
Rezensionen / 11. Mai 2021

„Noch ist es für unsere Heimat Natur nicht zu spät“, resümiert Jan Haft am Ende des ersten Kapitels seines gleichnamigen Buches. Der Natur- und Tierfilmer will die Leser wieder das Staunen über die Mannigfaltigkeit der Natur lehren – angefangen bei den kleinsten und unscheinbarsten Lebewesen. Wie dem Lumbricus badensis, dem badischen Riesenregenwurm, der bis zu einem halben Meter lang wird. Oder der Apornectodea Smaragdina, dem smaragdgrünen Regenwurm. Auch die langbeinigen Weberknechte weiß der Naturliebhaber zu schätzen. Zubetonierte Landschaft Umso größer ist sein Kummer über die bedrohte Natur – ob in Wald oder Feld, in Flusslandschaften oder in den Meeren. Auf den Feldern und Feldwegen registriert er einen ökologischen Niedergang als Folge von Herbiziden. Maisäcker bedrohen den Lebensraum Fluss ebenso wie Begradigungen, eine „unvorstellbare Misshandlung unserer Flüsse“. Darüber hinaus „werden jeden Tag etwa 80 Hektar Landschaft zubetoniert“. Kaum mehr ursprüngliche Natur Und im Wald dominieren Monokulturen und Plantagen – eine leichte Beute für Schädlinge oder Windbruch. Dabei hat schon 1713 der Oberberghauptmann Carl von Carlowitz eine nachhaltige Nutzung der Wälder gefordert: Für jeden gefällten Baum sollte in neuer nachgepflanzt werden. Der Erfolg lässt bis heute auf sich warten, weiß Jan Haft: „Es wurde abgeholzt, was der Wald hergab.“ Auch deshalb haben…

Hôtel Provençal – ein Haus mit Geschichte
Rezensionen / 4. Mai 2021

„Jeder Besuch an der Côte ist eine Lektion in philosophischer Lebenspraxis… Auf Juan-les-Pins trifft dieser Befund besonders zu….“ schreibt Lutz Hachmeister gegen Ende seines Buches über das „Hôtel Provençal“. Es beginnt mit dem Song von Peter Sarstedt „Where do you go to my lovely?“ und der Zeile „When you go on your summer vacation you go to Juan-les-Pins“ – über ein armes Mädchen, das in der leeren Welt des Jetset Karriere gemacht hat und ihren Sommerurlaub in Juan-les-Pins verbringt, einer „Art Resort für Körperkult, Fun und Games“ an der Côte d‘Azur. Was vom Ruhm übrig bleibt Im Zentrum dieses hedonistischen Hotspots: Das Hôtel Provençal. Hachmeister beschreibt dessen wechselhafte Geschichte und die seiner vielen Besitzer bis in die Gegenwart. Zurzeit steht von dem traditionsreichen Hotel, das zu seinen besten Zeiten alle Reichen, Schönen und auch die Möchtegern-Promis dieser Welt gesehen hat, nur noch ein Betonskelett. French Connection Am Anfang ermüdet das Name-Dropping etwas, denn der Autor widmet sich nicht nur dem seit mittlerweile 44 Jahren leer stehenden Hotel, er bezieht ganz Antibes mit ein, Cannes, Nizza und Saint Tropez. Und da tummelte und tummelt sich alles, was Rang und Namen hat: Milliardäre und Mafiosi, Schauspielerinnen und Scheichs, verarmte Künstler und Kokotten….

Weltwach-Lebenslektionen
Rezensionen / 3. Mai 2021

„Weltwach zu reisen bedeutet nicht, Meilen zu zählen, Passstempel zu sammeln oder Fotoalben zu füllen. Es geht darum, die Augen neuen Orten, das Herz neuen Kulturen und den Geist neuen Denkweisen zu öffnen.“ Erik Lorenz hat sich diesem „Weltwachsein“ verschrieben, dazu nicht nur ein Online-Magazin und einen Podcast gegründet, sondern auch ein Buch mit dem Titel Weltwach geschrieben. Erzählungen vom Reisen Darin erzählt er viel von seinen eigenen Reisen und Abenteuern: Von dem Erlebnis als Jugendlicher auf einer Farm in Australien, vom Abenteuer mit Freunden und Motorrädern im Himalaja, von einer Reise durch den Iran oder vom riskanten Wagnis am Vulkan Mount Mayon. Die Lehren der Podcast-Gäste Dazwischen lässt er seine Podcast-Gäste zu Wort kommen, allesamt bekannte Aussteiger, Abenteurer und Grenzgänger wie Reinhold Messner oder Rüdiger Nehberg, die Weitwanderin Christine Thürmer oder den Wüstengänger Bruno Baumann, den Reise-Anarcho Andreas Altmann oder Weltensammler Ilja Trojanow aber auch den Erfinder der Mikroabenteuer Christo Foerster. Und in jedem Kapitel zieht Lorenz aus den Reise-Erfahrungen eine Lebenslektion. Nicht zur Nachahmung empfohlen Es geht um Rücksichtnahme auf fremde Kulturen, um Nachhaltigkeit beim Reisen, um die richtige Selbsteinschätzung. Aber nicht alles, was Lorenz gewagt hat, eignet sich zur Nachahmung. Ohne Fahr- und Ortskenntnisse mit dem Motorrad…

Roadtrip zum Ich
Rezensionen / 3. Mai 2021

Ciara Geraghty spricht in ihrem Roman existentielle Fragen an:  Gibt es ein echtes Leben im Falschen? Terry Shephard ist eine ganz normale Mittelstands-Mutter mit Mann und zwei erwachsenen Töchtern. Ein eigenes Leben kennt sie nicht, sie wird ja zu Hause gebraucht – bis ihre Freundin Iris, die an fortschreitender MS erkrankt ist, beschließt, in der Schweiz Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Für Terry eine inakzeptable Entscheidung, von der sie die lebensfrohe Iris unbedingt abbringen will. Ungewöhnliches Trio So kommt es, dass sie mit ihrem dementen Vater und der sterbewilligen Freundin eine ganz und gar ungeplante Reise unternimmt, über den Kanal und Frankreich bis in die Schweiz. Ciara Geraghty macht aus dieser ungewöhnlichen Kombination einen tragikomischen Roadtrip, der zu einer Ode an das Leben wird, getreu dem Buchtitel „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“. Selbsterkenntnis mit Lebensfeude Für die Ich-Erzählerin Terry wird diese Fahrt, die ja auch so etwas wie eine Flucht aus der Familie ist, eine Offenbarung. Sie lernt sich selbst von einer ganz neuen Seite kennen, bekommt von ihrem Dad und der Freundin soviel Lebensfreude ab, wie sie es seit Jahren nicht kannte. Bei manchen Beschreibungen gleitet die irische Autorin ins Märchenhafte ab, etwa, wenn das seltsame Trio…