Lesefutter für die Kleinen
Kinderbücher , Rezensionen / 3. Juli 2024

In den großen Ferien haben nicht nur Schulkinder viel Zeit, oft sind auch Kitas und Kindergärten geschlossen. Dann müssen sich auch die Kleinsten beschäftigen. Hier ein paar Bilderbücher zum Allein- oder Gemeinsamlesen. Kitakinder Constanze von Kitzing hat schon etliche Pappbücher und Wimmelbücher gestaltet, in denen sie zeigt, wie sich unsere Gesellschaft verändert hat. Das Motto „Ich bin anders als du – ich bin wie du“ gilt auch für das Pappbilderbuch „Jetzt gehe ich in die Kita“ (Carlsen, 15 S, 10 Euro, ab 2). Constanze von Kitzing erzählt von Junas erstem Tag in der Kita in bunten Bilder und kurzen Texten. Papa begleitet sein Töchterchen, denn es wird aufregend für Juna. Sie muss sich erst zurechtfinden bei all den Kindern, den unterschiedlichen Namen. Wie gut, dass auch die Erzieherin sie dabei unterstützt. Und das Spielen mit den anderen Kindern macht Spaß. Nur hin und wieder vermisst Juna ihren Papa. Aber das wird sich sicher bald ändern… Mamakind „Das schönste Kind überhaupt“ heißt das schönstens illustrierte Bilderbuch von William Papas (aracari Verlag, 26 S., 15 Euro, ab 3). Papas erzählt von einem großen Wald, in dem viele Vögel leben – große und kleine, mürrische und glückliche und – wunderschöne wie der Herr…

Bade-Erlebnisse in der Natur
Reisebücher , Rezensionen / 2. Juli 2024

Wenn die Sonne vom Himmel brennt, träumen viele vom Sprung ins kalte Wasser. Nicht in einem Schwimmbad, sondern in der freien Natur. Baden in einem See, einem Fluss, womöglich unter einem Wasserfall. Wildschwimmen“ heißt das bei lonely planets „Happy Places“. 60 solcher Wildbadeplätze in aller Welt stellt der gleichnamige Bildband vor. Nichts für Warmduscher Wildschwimmen ist nichts für Warmduscher, denn so ein See kann ganz schön kühl sein, ein Fluss hin und wieder eiskalt. Aber gerade das kalte Wasser verschafft Glücksgefühle, wenn sich der Herzschlag beschleunigt. Ins Ungewisse sollte man dennoch nicht springen. Gerade an Wildwassern ist Vorsicht angesagt. Dafür kann man beim Schwimmen die Natur erleben – etwa in Gezeitentümpeln oder in Quellwassergumpen. „Wenn ich schwimme, komme ich mir selbst am nächsten“, schreibt die Wildbaderin Freya Bromley im Vorwort. Vom Wasserfall bis zur Salz-Lagune Wie wäre es also mit einem Bad unter den Grandes Cascades d‘Akchour in Marokko, mit Schwimmen in den Sonnenuntergang in Tansania, Abhängen im Hierve El Agua in der Sierra Madre de Oaxaca in Mexiko, einem Salzbad in den Lagunas Escondididas de Baltinache in Chiles Atacama Wüste oder einer Wassermassagen in den Mayfield Falls auf Jamaica? Wildschwimmen in der Stadt Zu weit weg, zu exotisch? Auch…

Der menschliche Wahnsinn
Rezensionen , Romane / 1. Juli 2024

Manchmal hat man bei dem amerikanischen Autor T.C. Boyle das Gefühl, er könne Dinge vorhersagen. In seinem neuen Buch versammelt er unter dem Titel „I walk between the raindrops“ 13 Kurzgeschichten, die der TV-Kritiker Denis Scheck als „starke Geschichten für heftige Zeiten“ bezeichnet. Und gleich in der ersten – Titel gebenden – Geschichte nimmt er vorweg, was vor kurzem im Schweizer Graubünden die Menschen aufgeschreckt hat: „Die riesigen Niederschlagsmengen ließen eine Mure abgehen, die alles, was auf ihrem Weg zum Meer lag, vor sich herschob: Häuser, Wagen, Bäume, Felsblöcke und dreiundzwanzig meiner Nachbarn, die in den darauffolgenden dunklen, kalten, knirschenden Stunden unter Erdmassen begraben und getötet wurden.“ Geschichten aus dem Alltag Wie macht der Mann das? Ganz einfach, Boyle schöpft in dieser apokalyptischen Geschichte aus dem eigenen Erleben. Was der Klimawandel, eines seiner Herzensthemen, gerade bei uns anrichtet, hat Kalifornien schon erlebt. Und der Amerikaner war schon immer ein kritischer Beobachter der gegenwärtigen Entwicklungen. Daraus entstehen dann so köstlich-bösartige Alltagsgeschichten wie „Die Wohnung“, in der eine alte Frau, die einfach nicht sterben will, den Mann in den Wahnsinn treibt, der sie über den Tisch ziehen wollte. Oder die beängstigende Beschreibung einer Zugfahrt, in der eine allein reisende Frau einem Incel…

Fatales Erbe
Rezensionen , Romane / 1. Juli 2024

Donna Leon hat es selten eilig, zum Kern der Kriminalgeschichte zu kommen. Ihre Romane um Commissario Brunetti sind auch immer weniger Krimis als Geschichten, die in Venedig spielen. Gesellschaftskritik wird der erfolgreichen Autorin dabei immer wichtiger. Das gilt auch für den 33. Fall, den der zunehmend frustrierte Commissario zu bearbeiten hat. Der Terror der Babygangs Alles beginnt mit den „Babygangs“, die sich in Venedig gegenseitig terrorisieren und mit ihren Umtrieben auch die Venezianerinnen und Venezianer verunsichern. Brunettis Kollegin, die schöne  Neapolitanerin Claudia Griffoni, wird bei einem Einsatz unfreiwillig in so eine Auseinandersetzung hineingezogen, nachdem die Polizei eine der Gangs aufgegriffen hat. Griffoni übernimmt dabei die Verantwortung für den jungen Orlando, der als einziger nicht von seinem Vater  abgeholt wird. Von diesem Vater,  Dario Monforte, der vor langer Zeit als „Held von Nasiriya“ gefeiert wurde, und seinem fatalen Erbe  werden die Lesenden noch öfter hören. Eine echte Feuerprobe Es beginnt also alles eher harmlos, die Handlung nimmt nur ganz langsam Fahrt auf. Aber ab dem zweiten Drittel kommt die gewiefte Autorin so richtig zur Sache und am Ende gelingt ihr ein filmreifer Showdown, der den Titel „Feuerprobe“ mehr als rechtfertigt.  Dabei  kommt Monforte, dessen unschöne Rolle im Irak-Krieg Brunetti und Griffoni…