Asiatische Herausforderungen
Reisebücher , Rezensionen / 10. April 2026

Rekordhitze, Erdrutsche, Blutegel im Zelt und statt Müsliregel Nudelsuppe: Christine Thürmer, die sich selbst als meistgewanderte Frau der Welt bezeichnet, sieht sich in Asien vor ganz neuen Herausforderungen. In dem Buch „Hiking Asia“ hat sie ihre Erlebnisse in Japan, Südkorea und Taiwan in gewohnt ehrlicher Manier notiert. Hilfsbereite Menschen Der Start auf dem Tokai Shizen Hodo in Japan ist jedenfalls alles andere als ideal. Und die Weitwanderin muss sich mit ungewohnten Erschwernissen herumschlagen. Was dabei hilft, ist nicht nur Thürmers lange Wander-Erfahrung, es sind auch freundliche Menschen, die über sämtliche Sprachgrenzen hinweg hilfsbereit sind.  Weniger Minimalismus Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Tatsache, dass die 57-Jährige nicht mehr so asketisch oder minimalistisch unterwegs ist wie in den Anfängen ihrer Wanderkarriere. Sie gönnt sich zwischendurch gern mal ein Hotel, genießt die Wohltat der japanischen Onsen-Bäder und muss nicht über jeden Berg, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Schließlich will sie auch die Kultur der Länder kennenlernen und ihre oft dramatische Geschichte. Unberechenbare Natur Auf dem Michinoku Coastal Trail in Japan erinnern die Tsunami Gedenkstätten an die Unberechenbarkeit der Natur. Auf Taiwan erlebt Christine Thürmer selbst Erdbeben, Starkregen, sogar einen Taifun und gerät trotz herausfordernder Kletterpartien in einen Wander-Flow. Die Insel…

Der Westen aus Ost-Sicht
Reisebücher , Rezensionen / 30. März 2026

Viel wurde und wird über den Osten geschrieben. Aber „was ist eigentlich mit dem Westen?“ fragte der Verleger Gunnar Cynybulk, der 1985 mit 14 seinem aus der Haft freigekauftem Vater in den Westen nachgereist war. Aus der Frage entstand das Buch „Der Westen – eine ostdeutsche Empfindung“. Ein Buch zur rechten Zeit – auch für Touristen aus West und Ost. Das Trennende Denn Deutschland ist noch lang kein einig Vaterland – auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht. Noch immer trennen die Menschen im Osten und im Westen nicht gerade Welten, aber Erfahrungen und Ansichten. „Die ideale Wiedervereinigung hätte exakt die Republik hervorgebracht, die Westdeutschland für unsere Augen sein wollte“, schreibt Jakob Hein in dem Essay „Der im Osten erfundene Westen“. Traum und Realität Dieser Westen war bunt und schön und für DDR-Bürger unerreichbar. Ihre Vorstellung war geprägt vom Westfernsehen und von den Erzählungen der West-Verwandtschaft. Die seltenen Gäste aus Westdeutschland gaben den Ostdeutschen häufig das Gefühl, nicht gleichwertig zu sein, nicht auf der Höhe der Zeit. Sie wurden mit kleinen Geschenken abgespeist, man erkannte ihnen keine eigenen Errungenschaften zu, sie waren und blieben die armen Verwandten. Flucht in die Ferne Das prägte eine ganze Generation Ostdeutscher nach der Wende….

Bansky und wie er die Welt sieht
Reisebücher , Rezensionen / 16. März 2026

Er gehört zu denen, die Kunst neu definieren: Bansky will mit seiner Street Art die Kunst in den Alltag bringen. Seine Graffiti gelten als revolutionärer Akt – und sie finden sich weltweit, wie dieser fantastische Bildband „Banksy Global Guide“ zeigt. Luca Greco lädt in dem Guide dazu ein, ihm auf eine Reise um die Welt auf Banskys Spuren zu folgen. Diese Spuren zu finden, ist nicht immer einfach, denn viele Werke sind inzwischen verloren, verschwunden wie die Mauern, auf die Bansky sie gesprayt hatte. Trotzdem gibt es in dem Guide Karten, mit deren Hilfe man die noch erhaltenen Graffiti finden kann. Auch QR-Codes helfen dabei. Teddy mit Molotowcocktail Doch der Guide bietet noch mehr: Informationen zu den grundlegenden Themen des Künstlers, dessen Werdegang ebenso immer noch im Dunkeln liegt wie seine Identität. Vielleicht hat ja alles wirklich in Bristol begonnen. Jedenfalls beginnt die Reise hier mit dem Teddybär, der einen Molotowcocktail in der Pfote hält und dem Paint Pot Angel, der Engelskulptur, der Bansky einen roten Farbeimer über den Kopf gestülpt hat. Girl with Balloon Weiter führt die Reise über London, wo Bansky seine Spuren in allen Stadtvierteln hinterlassen hat. Unter anderem mit einer Karikatur der Royals und einer Abbildung…

Rein ins volle Leben
Reisebücher , Rezensionen / 16. März 2026

„Einfach mitten hinein in das Lebensgefühl der Stadt!“ wollen die neuen DUMONT Direkt Reiseführer. Die Reihe setzt auf Individualität statt Mainstream, auf entschleunigtes Entdecken statt reiner Faktenfülle. Die Nummer zwei unter den Kompaktreiseführern präsentiert sich 2026 grundlegend erneuert – in Gestaltung, Struktur und inhaltlicher Ausrichtung. Runderneuerte Städteführer Das zeigt sich schon am Cover mit dem verschlungenen Wegemotiv, das schon auf die 15 Direktkapitel hinweist. 30 Stadtbände sind schon auf dem Markt, darunter Amsterdam, New York, Paris und Rom. Aber auch kleinere und nicht weniger attraktive Städte wie Leipzig, Salzburg oder Triest. Informative Doppelseite Typisch für alle Bände ist die neue Doppelseite „Direkt ankommen“ mit praktischen Tipps. Auf dem ebenfalls doppelseitigen Kompass finden sich die passenden Seitenzahlen. Auch die Quartierpläne auf den Seiten sind mit den Buchinhalten verknüpft, ebenso der faltbare Stadtplan. Auf gerade mal 120 Seiten finden sich hier die wichtigsten Informationen, Anregungen und Tipps für einen anregenden und aufregenden Städtetrip. Viel Insiderwissen Zum Beispiel Triest: Annette Krus Bonnaza mag nach eigenen Worten die „alltagscharmante“ Stadt mit dem multikulturellen Flair, Europas größtem Stadtplatz am Meer, den wildromantischen Felsenbuchten und den an Wien erinnernden Kaffeehäusern. Folgt man ihr auf die 15 Wege, bekommt man einiges an Insiderwissen geboten. Etwa über den…

Mehr Respekt für Tiere und Pflanzen
Reisebücher , Rezensionen / 9. März 2026

Dass sich Nicola Förg im Schlusswort zu ihrem informativen Buch „Landwissen“ selbst als „Bauerntrampel am Alpenrand“ bezeichnet, kann man getrost unter dem Etikett Koketterie abspeichern. Die Reisejournalistin und engagierte Tierfreundin hat sich längst als Krimi-Autorin einen Namen gemacht. Dass sie als Landei wieder auf dem Land lebt, verschafft ihr allerdings den unschätzbaren Vorteil, die Auswüchse der Freizeitindustrie vor der Haustür beobachten zu können. Selfie-Unkultur Daher also ein Knigge für alle, die in der Natur unterwegs sind. Mit vielen Anregungen zum guten Umgang mit Flora und Fauna und viel Kritik an der heutigen Selfie-Unkultur. Aus gutem Grund. Denn immer mehr Menschen überrennen rücksichtslos sensible Naturlandschaften in den Alpen und hinterlassen Müll und Schlimmeres. Sie parken auf Privatgrund, auf Wiesen und Forstwegen, verschrecken Wildtiere in den Wäldern und Rinder auf ihren Weiden. Sie zertrampeln ahnungslos kleine Biotope, die für den Fortbestand von Insekten überlebenswichtig sind. Zumutungen für die Tiere Nicola Förg schreibt mit viel Herzblut über Mistkäfer und Murmeltier, über Geier und Gämsen. Den Trend, draußen zu übernachten sieht sie ebenso kritisch wie Nachtwandern. Nicht einmal nachts könnten sich die Tiere in ihrem natürlich Habitat sicher fühlen, ärgert sich die Tierfreundin. Und zählt auf, was untertags schon eine Zumutung für Wildtiere ist:…

Im Zickzack durch Europa
Allgemein , Reisebücher , Rezensionen / 24. Februar 2026

„Wo Züge sind, da sind auch (meistens) Geschichten“, scheibt Tom Chesshyre in seinem Reisebericht „Bummelzug nach Istanbul“. Diese Geschichten waren mit ein Grund dafür, dass der Journalist mit Freund Danny per Interrail durch Europa fuhr – auf den Spuren des berühmten Orient-Express. Allerdings nicht auf die luxuriöse Tour, sondern „auf eine Art und Weise, die signifikant weniger angeberisch war (und deutlich preiswerter)“. Jeder Tag ein Anfang Der Freund ist für zwei Wochen mit von der Partie, den Rückweg von Istanbul tritt Tom Chesshyre allein an. Im Buch zeichnet er die Reise minutiös nach, erzählt alte Geschichten aus dem Orient-Express, der nicht nur Agatha Christie zu Krimis inspiriert hat, sondern auch Graham Greene. Und natürlich erleben die beiden „mittelalten Männer“ bei ihrer Tour d‘Europe auch neue Geschichten. „Es ist, als würde man jeden Tag eine neue Seite aufschlagen“, stellt Freund Danny fest: „Jeder Tag ist wie ein neuer Anfang.“ Fremde Europäische Union Über Nürnberg, das den beiden Reisenden wegen der NS-Geschichte vor allem „bizarr“ erscheint, und Wien geht es weiter in den Osten des Kontinents. Dabei stolpern sie auch noch über die Kulturhauptstadt des Jahres 2023, Timisoara. Vor allem aber wundern sie sich, wie anders als im Westen es hier überall…

Mit offenen Augen in die Welt
Reisebücher , Rezensionen / 19. Februar 2026

„Mal gucken“ denkt sich Josefine Gauck immer wieder auf der Weltreise, die sie mit ihrer Familie unternimmt. „Mal gucken“ ist auch der Titel des Buches über diese ungewöhnliche Reise einer fünfköpfigen Familie. Denn neben den zwei Jungs ist auch die kleine, sehbehinderte Pauli mit von der Partie. Sie soll noch soviel wie möglich von der Welt sehen, ehe sie ihr Augenlicht ganz verliert, wünschen sich die Eltern. Mal gucken Bei der Vorbereitung der einjährigen Auszeit planen sie nur das Nötigste. „Mal gucken“ wird zum geflügelten Wort – bis zum Ende dieses aufregenden Jahres, das in einer Lebensentscheidung mündet. Kanada, die USA, Neuseeland, Australien sind die Stationen, schließlich noch Bali, wo Josefine Gauck sich angekommen fühlt. Erntehelfe und Hundehüter Die Erlebnisse ihrer Reise werden noch länger nachhallen.  Die Familie hat viel unternommen, um den Kindern die Welt zu zeigen.  Sie waren mit einem Riesencamper unterwegs und mit einem kleinen Wohnmobil, in dem sie kaum Platz hatten. Sie arbeiteten als Erntehelfer auf einem Biohof, wohnten als Haustierhüter in einer weitläufigen Villa, nächtigten in einem heruntergekommenen Trailer und in den unterschiedlichsten airbnb-Unterkünften. Zwischendurch gönnten sie sich auch Hotelnächte, um wieder zu duschen und in einem Bett zu schlafen. „Ich müsste lügen, wenn ich…

Gemeinsam stark
Reisebücher , Rezensionen / 10. Februar 2026

„Die Reise unseres Lebens“, so auch der Titel ihres Buches, war für Alexander Källner und Lovis Wiefelspütz die gemeinsame einjährige Weltreise. Das liegt auch daran, dass Alex „körperlich behindert“ ist, wie er selbst schreibt, und deshalb auf Hilfe angewiesen. Die bekommt er auf der Reise von seinem besten Freund Lovis, der mit AHDS zu kämpfen hat. In ihrem Buch beschreiben sie abwechselnd ihre Reise-Erfahrungen, aber auch den nicht ganz leichten gemeinsamen Alltag. Ein Balanceakt Lovis ahnt, dass „diese Reise ein Balanceakt werden wird zwischen dem, was Alex und ich wollen und dem, was wir schaffen können“. Er attestiert dem Freund „an liebenswerten Größenwahn grenzende Ideen“, weiß aber auch „diese Reise ist für mich bereits vor dem ersten Tag eine Reise zu mir selbst“. Hilfe leisten und annehmen Einfach ist das Ganze weder für Lovis, der Alex‘ körperliche Pflege übernehmen und ihn bei Barrieren unterstützen muss, noch für Alex, der diese Hilfe immer wieder annehmen muss, nicht. Es gibt Diskussionen, ja auch Streit – was die Freunde nicht verschweigen. Spontane Hilfsbereitschaft Aber die schönen, die unvergesslichen Reise-Erlebnisse überwiegen. Die vielen Freunde, die sie in aller Welt finden, die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen, die Fremdheit und Schönheit der Reiseziele. Alexander Källner, der…

Wanderhäppchen in Nationalparks
Reisebücher , Rezensionen / 10. Februar 2026

Rund 4000 Nationalparks gibt es heute weltweit. Der erste war der Yellowstone-Nationalpark in den USA, der 1872 gegründet wurde. Die Idee, besonders schöne und unberührte Natur unter Schutz zu stellen, fand schnell weltweit Nachahmer. Mit dem Buch 500 Walks Nationalparks präsentiert Mary Caperton Morton Erlebniswanderungen weltweit als Appetithäppchen. Es müssen auch nicht immer anstrengende und lange Fußmärsche sein oder gefährliche Bergtouren, manche Nationalparks kann man auch bei entspannten Spaziergängen entdecken. Rim-Trail am Grand Canyon Der elf Kilometer Lake Louise Lakefront Trail in Kanada etwa ist sogar teilweise rollstuhlgeeignet. Das gilt auch für den spektakulären Rim-Trail im Grand Canyon Nationalpark, wo es Shuttlebusse ermöglichen, die 21 Kilometer lange Wanderung entlang der Abbruchkante der Grand Canyon Schlucht in Etappen zu machen. Leicht zu bewältigen ist auch der 1,7 Kilometer lange Volcano Trail in Costa Rica. Dagegen verlangt die Besteigung des 5897 Meter hohen Vulkans im Nationalpark Cotopaxi in Ecuador schon allein wegen der Höhe und der Gletscherwanderung Erfahrung, Ausdauer und Trittsicherheit. Herausforderung Watzmann Auch den 18 Kilometer langen Cliffs of Moher Coastal Walk im irischen Burren-Nationalpark entlang wandern will, muss sich auf eine mittelschwere Herausforderung gefasst machen und sollte schwindelfrei sein. Und die Watzmann-Tour im Nationalpark Berchtesgaden gilt schon wegen der Wegfindung…

Inselträume mit Odysseus
Reisebücher , Rezensionen / 28. Januar 2026

Oft sind Reisen eine Flucht aus dem Alltag. Das gilt auch für Laura Coffey. In ihrem Buch „Odysseus und ich“ beschreibt die Journalistin ihre Reisen auf den Spuren des „listenreichen“ Helden, die ihr dabei halfen, die Unbilden ihres traurigen Alltags hinter sich zu lassen. Der Vater krebskrank, der Geliebte eine Enttäuschung, dazu noch Corona und das Gefühl des Eingesperrtseins. Das Epos als Reiseführer Laura Coffey versucht, der deprimierenden Realität in ihrer Heimat Großbritannien zu entfliehen – in sonnigere Gefilde und mit einer Ausgabe der Odyssee. Das Buch wird für sie zum Reiseführer durch die Inselwelt des Mittelmeers und durch ihre Gefühlswelt. Wobei die Autorin sich einige Freiheiten herausnimmt, was die Inseln der Odyssee angeht. Sie hält sich dabei an die englische Übersetzung von Emily Wilson, die ihrerseits wenig Interesse zeigte, die „Welt des Epos auf der realen Landkarte zu verorten“. Helden und Mythen So kommt es, dass Laura Coffey mehr in italienischen Gewässern unterwegs ist als in griechischen. Sie bereist Sizilien und die liparischen Inseln und bezieht sich dabei immer wieder auf die griechische Götter- und Sagenwelt. „Mythen schaffen Sinn, zeigen uns, wie wir uns zurechtfinden wenn wir verloren und allein sind und überhaupt nicht mutig fühlen. Sie geben uns…