David Hewson macht in „Das Borgia Porträt“ ein bisschen auf Dan Brown und jagt die Lesenden auf der Suche nach einem verschwundenen Porträt durch Venedig. Ziel der Schnitzeljagd, die in ein Venedig abseits der Touristen-Hotspots führt, ist nicht irgendein Porträt, sondern das der verführerischen Lukrezia Borgia. Der alte Palast Für die junge Engländerin Lizzie Hawker ist das erotische Porträt eine Kindheitserinnerung, bevor ihre Mutter verschwand. Lizzie hat den baufälligen Palast Ca‘Scacchi geerbt und viele Schulden. Das Borgia-Porträt könnte ihre Geldnöte beenden. Aber wo steckt Lukrezia? Der Strippenzieher Mit Hilfe des pensionierten Archivars Arnold Clover – auch er aus England – macht sich die junge Frau auf die Suche. Schon bald stoßen die beiden auf unerwartete Hürden und ahnen, dass ein potenter Strippenzieher die Hände im Spiel hat: Enzo Canale hatte sich vom mittellosen Barmann zum einflussreichen Immobilienmagnaten hochgegaunert. Wie Chas Hawker warb er um die Hand der schönen Comtessa Lucia Scacchi – und verlor. Aber Hawker, Lizzies Vater, war wohl ein ebensolcher Schurke, wenn auch weniger erfolgreich. Das Skelett in der Gruft Für Lizzie, die ihrem Vater seine Eskapaden gern verziehen hat, sind das keine guten Neuigkeiten. Und sie muss noch mehr verkraften. Bei der Suche nach dem verlorenen Porträt…
Francesco Vidotto erzählt in „Meine Berge bist du“ eine bewegende Geschichte aus einer vergangenen Zeit. Der Ich-Erzähler lernt in den Dolomiten einen alten Mann kennen, der sich Guido Contin nennt. Die Dörfler nennen den schweigsamen Einzelgänger Cognac. Aber nachdem er unter den Fundstücken des Erzählers das Porträt eines Mädchens gesehen hat, wird der Alte gesprächig. Ein Leben in Briefen Er teilt mit dem Fremden Briefe an die Berge, die ein gewisser Onesto geschrieben hat. In diesen Briefen spielt sich ein ganzes Leben ab – angefangen von einer Entführung über das Wiedersehen mit der Mutter und dem Zwillingsbruder Santo bis zur großen Liebe und dem schweren Verzicht. Liebe und Schicksal Es ist ein hartes Leben in den Bergen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ein einfaches Leben voller Entbehrungen – auch für die allein erziehende Mutter der Zwillinge. Doch trotz der Armut erleben die Kinder ein liebevolles Zuhause, und die Brüder sind einander in herzlicher Zuneigung verbunden. Aber das Schicksal stellt sie auf eine harte Probe. Feindliche Wirklichkeit Onesto und Santo verlieben sich in die hübsche Celeste. Zusammen mit deren Bruder erleben sie die Natur in aller Unschuld als Abenteuer. Doch diese Natur kann auch unbarmherzig sein, noch unbarmherziger sind die…
Drei Frauen, drei Generationen, drei Außenseiterinnen – davon die bei Stuttgart lebende Autorin Hannah Häffner in ihrem Romandebüt „Die Riesinnen“, das sie in einem fiktiven Schwarzwalddorf ansiedelt. Da, wo noch bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts strenge Sitten galten und Unangepasstheit gesellschaftlich geächtet war. Großmutter, Mutter und Enkelin, die Riesinnen, scheinen nicht in diese enge, ja engstirnige Dorfgemeinschaft zu passen. Zu groß sind sie, zu knochig, zu rothaarig. Gegen alle Umstände Hannah Häffner begleitet die drei Frauen durch die Zeit: Liese ist als Frau des Metzgers in ihrer Zeit und deren Konventionen verhaftet. Im Dorf ist sie Außenseiterin wie der Franz, mit dem auch niemand redet. Aber als sie nach dem überraschenden Tod des Ehemanns, der die Tochter schlug, mit Cora allein auf sich gestellt ist, wächst sie über sich selbst hinaus. Sie erkämpft sich und der Tochter ein selbstbestimmtes Leben – gegen das Dorf und die Umstände. Die Welt und das Dorf Anders als die Mutter ist Tochter Cora von Anfang an unangepasst, nimmt sich, was sie will. Sie will hinaus aus der dörflichen Enge, wo keine Freunde hat. Sie will die Welt erobern, sich selbst er-spüren. Ihre Rückkehr ist nicht freiwillig, aber sie knüpft an die…
„Ich rebelliere!“, ruft das Känguru als es in die Küche kommt. „Aha“, sage ich, „wogegen rebellierst du denn?“ „Gegen die Zustände“ „Verständlich“, sage ich „gerade zu löblich.“ Ein Känguru rebelliert gegen den Kapitalismus – und wird zum Bestseller. Das berühmte Beuteltier von Marc-Uwe Kling ruft im fünften Band zur Rebellion auf und fordert Frührente für Merz, Putin, Lukaschenko, Erdogan, Orban, Netanjahu… Chamenei ist auch dabei. Schließlich konnte das Känguruh nicht wissen, dass Israel den iranischen Machthaber töten würde. Sonst weiß es natürlich (fast) alles, zum Beispiel über den Kapitalismus und die Profitinteressen. Die Trump-Show Oder über die Trump-Show: „Trump ist ein Typ, der die Präsidentschaft in beispielloser Manier nutzt, um sich selbst zu bereichern. Einer, der sich von Katar einen goldenen Jet schenken lässt, während seine paramilitärischen Truppen mit Gewalt Großeltern von ihren Enkeln trennen. Der den Ostflügel des Weißen Hauses abreißt, um sich einen goldenen Tanzsaal bauen zu lassen, während seine Schergen im Kongress Millionen von Amerikanern die Krankenversicherung rauben. Der seine eigene Kryptowährung erfindet, damit man ihn besser schmieren kann, während die Lebenshaltungskosten für alle anderen auf Grund seiner willkürlichen Zölle und der daraus resultierenden Inflation immer weiter steigen.“ Rebellieren, aber wie? Die Liste ist noch um einiges…
Amelie Fried hat in früheren Romanen auf ihre Familiengeschichte zurück gegriffen. In ihrem neuen Roman „Eine von uns“ geht es um aktuelle Trends und Gefahren – vor allem für Frauen. „Happy wife, happy life“: Nelly setzt ihr komfortables Leben in einer reichen Blase auf Instagram in Szene. Tradwife nennt man Frauen wie sie, die Mutter- und Hausfrau-Sein propagieren wie in den 50er-Jahren. Nelly wünscht sich nichts anderes. Sie ist tatsächlich happy mit dem erfolgreichen Tom, mit ihren Töchtern Cleo und Emma und der luxuriösen Villa, in der die Familie lebt. Eine Ausbildung hat sie nicht, hatte sie auch nicht nötig, wie ihr Vater meint. Schließlich hat das Mädchen aus der Provinz mit dem erfolgreichen Wirtschaftscoach Tom ihren Prinzen gefunden. Ein Sturz und der Absturz Ihr Prinzessinnendasein hinterfragt Nelly nicht. Sie fühlt sich zugehörig zu den Schulmuttis aus den teuren Villen der Nachbarschaft. Auch die Töchter haben sich an das bequeme Leben ohne Geldsorgen gewöhnt, das Tom ihnen ermöglichte. Doch dann ändert ein Sturz vom Rad alles. Tom verfällt in eine Art Wachkoma – akinetischer Mutismus ist die beunruhigende Diagnose. Nicht genug damit, Nelly muss auch feststellen, dass sie pleite ist und Tom sogar ihr Haus verkauft hat. Doch es dauert,…
Waisenkind von Galit Dahan Carlibach ist ein widerspenstiger Roman, den man sich erst erschließen muss, ehe er einen Sog entwickelt, dem man sich kaum entziehen kann. Die israelische Autorin ist in Sderot, Aschdod und Jerusalem aufgewachsen und kennt das Land von innen. Ihr Roman Waisenkind ist auch ein Porträt dieser sehr zwiespältigen Gesellschaft. Schlimme Erfahrungen Die junge, rothaarige Avital wächst in mehr als prekären Verhältnissen auf dem Land bei den Großeltern auf. Keine gute Ausgangsbasis: Die Großmutter ist Alkoholikerin, der Großvater pädophil. Kein Wunder, dass Avital da Reißaus nimmt. Allerdings schlittert das junge Mädchen auf der Suche nach ihrem unbekannten Vater von einem Desaster ins nächste, wird missbraucht und alkoholabhängig. Große Veränderung Erstaunlich , wie resilient Avital trotz aller Rückschläge ist. Das liegt womöglich auch an den wenigen Menschen – in dem Fall vorwiegend Männern – die ihr ohne Hintergedanken helfen. Und dann tritt der alte, reiche Achituv in ihr Leben, und von einem Tag auf den anderen ändert sich alles. Suche nach dem Vater Klingt schon nach happy end? Doch das ist es nicht. Denn da kommt Ramon dazwischen, der charismatische, rothaarige Mann von Achituvs Tochter. Das muss ihr lang ersehnter „Lear“ sein, glaubt Avital. Lear, so nennt sie…
Daniel Faßbender war Seemann und wäre selbst gern Profisurfer geworden. Jetzt hat der Nachrichtenredakteur und Autor („Die weltbeste Geschichte vom Fallen“) mit „Heaven‘s Gate“ sein Debüt als Krimiautor gegeben. Im Zentrum steht ein abgehalfteter Surfer, der wider Willen zum Detektiv wird. Der Anti-Held und die Welle Dabei bedient sich Fassbender ziemlich großzügig bei Vertretern des Hardboiled-Genres wie Raymond Chandler. Sein Caruso ist ein echter Anti-Held, versoffen und oft verpeilt. Ein Tagträumer, den es auf der kleinen Philippinen-Insel Surogao ins Zentrum einer gigantischen Korruptionsaffäre spült. In dieser Monsterwelle, die tödlicher ist als die namensgebende „Heaven‘s Gate Welle“ droht der wankelmütige Caruso unterzugehen. Wilder Westen auf der Insel Dabei hat er sich doch nur von einer schönen und reichen Spanierin dazu anheuern lassen, ihren verlorenen Sohn zu suchen. Der verwöhnte und gelangweilte Juan wollte wohl auf der Insel beim Drogenschmuggel mitmischen und hat in ein Wespennest gestochen. Denn auf der Insel herrscht „Wilder Westen“, wie Juans Vater Diego, der gerade erst aus dem Knast entlassen wurde, weiß: „Die Mexikaner mischen ganz sicher mit, die Chinesen sowieso, und dann noch lokale Gruppen.“ Skrupellose Feinde Diego ist nicht nur schlau, sondern auch stark. Und Stärke kann Caruso wirklich brauchen. Denn auf der Suche nach…
So schnell kann‘s gehen: Nach dem Abi ist der eher introvertierte Daniel auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Er zweifelt, sieht sich umzingelt von Fake Nachrichten und falschen Freunden. Und dann fällt ausgerechnet er auf den Nazi Steffen herein. Heimat Sonnenhof Denn dieser Steffen kommt bei seinen Mails empathisch rüber, zugewandt. Daniel lässt sich überreden, auf den abgelegenen Sonnenhof zu kommen, wo Steffen mit seiner Frau und den Zwillingen Freya und Gerold lebt. Möglichst autark, wie er Daniel erklärt. Der Sonnenhof soll zur Heimat der Familie werden. Das Wort Heimat triggert Daniel, aber bei Steffen klingt es für ihn völlig natürlich. Oberflächliche Kontakte Von Mal zu Mal fühlt er sich auf dem Sonnenhof mehr zuhause. Mit Mutter und Schwester hat er ohnehin nur sporadischen Kontakt, mit dem Vater und dessen neuer Frau noch weniger. Und zu den Mitbewohner der WG, Luise und Roberto, ist das Verhältnis eher oberflächlich. Obwohl ihn Lu, wie er Luise nennt, fasziniert. Er fühlt sich angezogen von der Lebenslust der jungen Frau, von ihrer Spontaneität. Wachsende Zweifel Aber Lu macht es ihm nicht leicht, sie zu durchschauen. Auch aus Frust wendet er sich noch mehr dem Sonnenhof zu. Doch dann taucht da Katharinas Bruder…
Könnte es so gewesen sein, in Oberammergau vor fast 400 Jahren? 1633, als das erste Passionsspiel stattfand? Robert Löhr hat sich in seinem Roman „Oberammergau“ hineingedacht in die damalige Zeit, als das schwer von der Pest betroffene Dorf seine Hoffnung in einen Eid setzte, der bis heute gilt: Nehme Gott diese Heimsuchung vom Dorf, wolle man die Passion Christi spielen – bis zum Ende der Zeit. Das gespaltene Dorf Robert Löhr hat sich intensiv hineingedacht in die Zeit, als Oberammergau ein Dorf am Ende der Welt war, arm und abgelegen. Als Kriege und Pest wüteten und die Menschen in Angst und Schrecken versetzten. Vielen half der Glaube an ein besseres Jenseits, andere lehnten sich auf gegen einen Gott, der das irdische Elend zuließ. Löhr schildert eine gespaltene Dorfgemeinschaft, skizziert Menschen, die vom Schicksal – oder von der überstandenen Pest – gezeichnet sind. Es geht um Macht und Aberglauben, um Feindschaft und Liebe, um Intrigen und Heuchelei. Mächtige Gegner In dieses Wespennest kommt der junge Pfarrer Johannes und sieht sich alsbald mit der Verwirklichung des Passionsversprechens überfordert. Ihm fehlen die Worte, um das Stück lebendig werden zu lassen. Ihm fehlen die Akteure, die Kulissen, die Kostüme. Und doch packt ihn der…
Nicola Förg ist nicht nur Krimi-Autorin, sondern auch Reisejournalistin. Da liegt es nahe, dass sie ihre Reise-Erfahrungen auch in ihren Krimis einbringt. In „Schroffe Klippen“ geht es für Irmi Mangold nach Irland. Dabei ist Irmi ja eigentlich im Ruhestand. Aber ihre Mitbewohnerin Louise setzt auf die legendäre Spürnase der Ex-Kommissarin, um den mysteriösen Tod der jungen Anja aufzuklären. Doch kein Selbstmord? Anja war mit Louises Tochter Babsie befreundet, und die glaubt nicht an den Selbstmord ihrer Freundin. Louise muss Irmi nicht lange überreden, sich um den Fall zu kümmern. Zumal es gerade in der Beziehung zum abwesenden Lebensgefährten kriselt. Für die Lesenden ist das Ganze am Anfang allerdings schon etwas sehr konstruiert. Das legt sich im Lauf der „Ermittlungen“, bei denen wieder Student Malcolm eine wichtige Rolle spielt. Die verschwundene Tochter Die beiden „Laien-Ermittler“ sind schnell mittendrin in diesem Kriminalfall. Anja hatte als Remote Workerin für ein Pharmaunternehmen gearbeitet und mit ihren beiden Teenager-Kinder Kilian und Kim in einem Luxus-Wohnwagen gelebt. Nach ihrem Tod – sie war am Fuß der Klippen gefunden worden – war Kim verschwunden. Der Vater hatte Kilian mit zurück nach Deutschland genommen. Die Greyhound-Mafia Irmi und Malcolm machen sich also auch auf die Suche nach der…