Was ist mit Hedwig passiert? Christoph Poschenrieder forscht in der Familiengeschichte nach dem Schicksal seiner Großtante, die von den Nazis in der Psychiatrie ermordet wurde. Er zitiert aus den Tagebüchern von Hedwigs Schwester Marie, aus Personalakten, aus medizinischen Ratgebern und dem Buch „Das Weib als Jungfrau“. Irgendetwas muss geschehen sein, dass aus dem „ganz normalen Mädchen“, das lieber mit Bauklötzen als mit Puppen spielte, eine psychotische Frau wurde. Ein Opfer der Euthanasie „Die Hedwig, die haben wohl die Nazis auf dem Gewissen“, sagte Poschenrieders Großvater und legte damit den Keim für dieses Buch, in dem der Schriftsteller versucht, Hedwigs Lebensweg nachzuzeichnen. Als er auf einer „Liste der unnatürlichen Tode“ in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar, die 2018 ein Expertenteam veröffentlichte, den Namen der Großtante fand, war ihm klar, dass Hedwig eines der Münchner Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie war. Rekonstruktion eines Frauenschicksals Für sein achtes Buch hat der frühere Journalist gründlich recherchiert – auch in Bibliotheken und Archiven. Die Lücken in dem von äußeren Zwängen geprägten Lebenslauf hat der Schriftsteller mit Erfundenem gefüllt, dem „Kitt, der die sogenannten Fakten zusammenhält und manch gewagte Konstruktion stabilisiert“. Entstanden ist die beklemmende Rekonstruktion eines Frauenschicksals um die Jahrhundertwende. Hedwig hatte keine Chance auf ein…
Sie sind allesamt gute, wenn nicht sehr gute, Skifahrer: Christoph Schrahe, Thomas Biersack und Stefan Herbke mögen es rasant und lieben auch die Herausforderung. Das prägt auch die Neuauflage ihrer „111 Skipisten in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol, die man gefahren sein muss“. Traumpisten für Könner Viele Traumpisten für Kenner und Könner sind darunter wie die legendäre Kandahar in Crans Montana, deren Namen auf den britischen Feldmarschall Earl Roberts of Kandahar zurückgeht. Die Gletscherabfahrt Morteratsch bei St. Moritz, wo die spektakulären Eisskulpturen am Schwinden sind. Oder auch die Nebelhorn-Talabfahrt mit der schwarzen Piste im Zentrum. Freeriden mit Standfestigkeit Das ultimative Freeride-Erlebnis verspricht – allerdings nur nach Neuschnee – das Mittagstal an der Sella mit einer „furchterregenden Einfahrt. Auch die markierte Route Golden Power in Sportgastein fordert mit dem Steilhang „Golden Rush“ Standfestigkeit im Steilhang. Mehr Genuss Doch nicht alle müssen sich in Steilhänge stürzen: Selbst die gefürchtete Streif hat auch eine Familienabfahrt, die heikle Stellen umgeht. Und zu den schönsten Pistenvarianten am Gottesackerplateau des Ifen gehört die einfachste, die blaue Piste. Eher genussreich ist auch die neun Kilometer lange Armentarola-Abfahrt in den Dolomiten, die entlang gefrorener Wasserfälle und imposanter Felswände führt. Ganz ohne Schnee Auch jenseits der Alpen warten…
Mag sein, dass der Titel „Als ich gegen Stalin im Armdrücken gewann“ ein paar Leute mehr dazu bringt, das Buch von Fredy Gareis zu kaufen. Doch er lenkt in eine falsche Richtung. Die Reise des Autors von Nord nach Süd entlang „des neuen Eisernen Vorhangs“ ist nämlich so viel mehr als ein schnöder Reisebericht von den Hotspots der Selfie-Generation. Er ist eine in dieser Zeit aufrüttelnde und wichtige Lektion in Geschichte. Keine Lehren aus der Geschichte Denn was derzeit in der Ukraine passiert, war längst schon angelegt. Es hat sich immer wiederholt. Und dass trotz all der schlimmen Erfahrungen mit Deportation, Folter, Unterdrückung und Manipulation wieder viele Menschen von den Vorteilen autokratischer Regierungen schwafeln zeigt, wie geschichtsvergessen die Menschheit ist – auch bei uns. Der Dünger für neue Konflike Umso wichtiger ist ein Buch wie das des belesenen Fredy Gareis, das nicht als akademische Vorlesung daherkommt, sondern im Erzählmodus eines Reisenden, den man gern begleitet. Und sein Fazit sollte allen zu denken geben, die trotz der russischen Aggression und trotz des Zulaufs für rechtsradikale Parteien noch unbesorgt in die Zukunft schauen: „Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging und Europa blutend und geschunden am Boden lag, halfen ihr die Amerikaner…
ElinaEines muss man Elina Penner lassen: Ihr Roman „Die Unbußfertigen“ ist am Puls der Zeit. Das Setting ist ein abgelegenes Herrenhaus, in das zehn Menschen, die das Internet erfolgreich gemacht hat, eingeladen sind. Es sind sieben Männer und drei Frauen: Natasch, eine junge Fitness-Influencerin mit dem berühmtesten Arsch und der festen Überzeugung, dass sie nur erntet, was ihr zusteht. Marco, ihr Freund und Manager. Der Rentner Klaus, der mit seinen bissigen Kritiken Hotels und Restaurants in den Ruin getrieben hat. Die Momfluencerin Anny, die skrupellos ihre Kinder vermarktet. Der Stalker Max, der Rechtsradikale Yannik, der Fuckboi Justin, der Macho Sergej. Schließlich Jutta, die sich im Netz als Madam Wisdom präsentiert und mit ihren esoterischen Ratschlägen vor allem Frauen vom oft lebensrettenden Arztbesuch abgehalten hat. Schuld und Sühne Sie alle sind Anhänger der App „Haɪmlɪk“, die alles andere als heimlich ist. Denn wer dort einen höheren Rang erreichen will, darf nichts verheimlichen, muss seine innersten Geheimnisse preisgeben. Das haben sie alle getan. Die Einladung von Haɪmlɪk zu einem exklusiven Wochenende sehen sie anfangs als Belohnung. Doch da liegen sie gründlich falsch: „Ihr habt furchtbare Dinge getan, für die man euch nicht schuldig sprechen kann“, hören sie eine KI-Stimme aus dem alten…
Mit dem Roman „Sellemond oder von der Schwierigkeit, Touristen zu töten“ ist Josef Oberhollenzer gleich auf mehreren Ebenen ein Wagnis eingegangen. Schon der Titel provoziert. Und dann erst der Inhalt, der sich alles andere als leicht liest. Das liegt einerseits an der Vorliebe des Autors für Kleinschreibung, andererseits an der überbordenden Fülle der Anmerkungen. Die würde man des Leseflusses wegen zwar gern ignorieren, brächte sich dabei aber nicht nur um interessante Details sondern auch um ein paar Extra-Lacher. Ein Männergespräch Denn der Südtiroler Oberhollenzer, der sich hier ganz locker als Nestbeschmutzer outet, hat durchaus – schwarzen – Humor. Die Geschichte bezieht auch daraus ihre Würze. Eigentlich ist es kaum mehr als ein Gespräch zwischen zwei Männern, die sich nur oberflächlich kennen. Der Ältere, nur F. genannt oder auch Franz Richard, schreibt auf, was der jüngere Sellemond ihm anvertraut – meist im Konjunktiv. Und Sellemond ist nicht nur sehr gesprächig, er bringt auch eine ganze Riege von Geliebten in seinen Erzählungen unter. Da verliert man schon mal den Überblick, auch wenn Josef Oberhollenzer gleich zu Anfang des Buches eine Auflistung aller Personen gemacht hat. Nur Geduld! Wohin die weitschweifigen Gespräche führen werden, wird in einem Zeitungstext mit der reißerischen Titelzeile „Schon…
Das Jane Austen Jahr geht bald zu Ende, aber wohl nicht der Hype um die englische Autorin, die heute mehr denn je gefeiert wird. Zu ihrer Zeit – sie wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon geboren – hatte es die Tochter eines kunstsinnigen Pfarrers allerdings nicht ganz leicht, Anerkennung zu finden. Ihre ersten Bücher erschienen denn auch nicht unter ihrem Namen, sondern mit dem Hinweis „by a lady“. Bath und die Bälle Würde Jane Austen heute all die jungen Frauen sehen, die ihre Bücher lieben und die daraus entstandenen Filme oder auch die an Austens Welt angelehnte Netflix-Serie Bridgerton, sie würde sich wundern. Vielleicht würde sie sich auch über das Jane-Austen-Festival ausgerechnet im von ihre ungeliebten Bath freuen. Immerhin ging sie gern auf Bälle – und die gab’s im noblen Bath zuhauf. Bridgerton-Schauplätze Antje Gerstenecker hat sich auf die Spuren der Schriftstellerin begeben, aber in ihrem Buch auch die Bridgerton-Drehorte mit aufgenommen. Das ermöglicht es ihr, so manches Herrenhaus zu besichtigen oder auch das reizvolle Clovelly zu besuchen, ja sogar den Keira- Knightley-Felsen im Peak District aus der Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“. Wo Jane Austen lebte Aber natürlich war Gerstenecker auch da, wo sich Jane Austens Leben abgespielt…
Da hat sich DuMont was Feines für die freien Tage über Weihnachten einfallen lassen: Fantastische Rätselreisen – Geschichten, Sudokos, Bilder- und Texträtsel, Quizfragen, Logeleien. Mit dem „Intergalaktischen Reisebüro“ geht‘s durch Raum und Zeit, zum Mond und wieder zurück. Und am Ende womöglich in eine Weltraum-Zukunft. Knifflige Aufgaben Über 200 Rätsel laden Freunde von Sputnik, Star Wars und Science Fiction dazu ein, ihre Kenntnisse zu Quantenphysik, Schwerkraft und Weltraum-Pionieren zu testen. Das kann ganz schön knifflig werden. Um Texte zu decodieren, aus einem Buchstabensalat Wörter zu formen oder um den Weg durch ein Labyrinth zu finden, braucht es Köpfchen, viel Allgemeinwissen und – hin und wieder – auch den Griff nach den Lösungen im hinteren Buchteil. Wie wär’s mit Klingonisch? Vielleicht hilft es aber auch, zusammen zu knobeln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auf der Reise durchs All begegnet man alten Bekannten wie Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“), der Hündin Laika und Schrödingers Katze, ET und anderen Aliens, entdeckt neue Galaxien und alte Filme. Wer mag, kann sogar ein paar Brocken Klingonisch lernen. WA` heißt demnach „Gute Reise“ und die kann man allen wünschen, die sich über das Intergalaktische Reisebüro auf die fantastische Rätselreise durchs Universum begeben. Info …
Xavier Kieffer kann‘s nicht lassen. Der luxemburgische Koch, der eigentlich mit seinem kleinen Restaurant eine ruhige Kugel schieben wollte, muss schon wieder der Polizei Konkurrenz machen. Und weil sein Schöpfer Tom Hillenbrand sich den Koch ausgedacht hat, um Skandale im Gastrobereich zu thematisieren beispielsweise gepanschtes Olivenöl oder giftiger Honig, geht es auch diesmal um ein Genussmittel. Ein ganz besonderes: Champagner. Niedergang einer Dynastie Der inzwischen kriminalistisch versierte Koch kommt in „Verhängnisvoller Champagner“ nicht nur betrügerischen Machenschaften um den edlen Tropfen auf die Spur. Er muss auch den Tod eines Freundes und Rivalen aufklären und sich mit der ehemaligen Geliebten Fabienne auseinander setzen. Luc Raiser, früher als Sohn einer Champagner-Dynastie, Held der Köche-Clique, hat das heruntergewirtschaftete Champagner-Gut wohl am Rande der Legalität weiter geführt. Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau, Kieffers Ex-Freundin Fabienne. Unfall oder Mord? Beide hat der Koch seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Doch auf einer Gastro-Messe trifft er den alten Freund wieder und willigt ein, sich mit ihm zu treffen. Kieffers Freundin Valerie ist nicht begeistert von der Aussicht, die Ex-Freundin zu sehen. Und dann stirbt Luc vor den Augen des Freundes, begraben unter einer Palette Champagner. Ein Unfall? Oder doch ein perfide geplanter Mord? Legendärer Gründungsmythos…
Die Veranstalter wissen: Nur mit Hotel, Strand oder Pool sind die wenigsten Reisenden zufrieden zu stellen. Gefragt sind einmalige Erlebnisse, Wow-Momente, die man vielleicht nur einmal im Leben hat. Der Bildband „Jetzt. Hier. Perfekt“ widmet sich solchen außergewöhnlichen Momenten und hilft dabei, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Damit kommt er zum Jahresende genau richtig. Denn über die Weihnachtszeit planen viele ihre Reisen fürs kommende Jahr. Warum also nicht einmal, eine Reise rund um ein Erlebnis ins Auge fassen? Johannisfeuer und Indian Summer In dem schön illustrierten Band sind die unterschiedlichsten Wow-Momente versammelt. Manche haben religiöse Hintergründe wie die Semana Santa z.B. im spanischen Malaga, die Heilig-Blut-Prozession in Brügge, die Johannisfeuer in den bayerischen Alpen, aber auch das Holi-Fest im indischen Vrindovon oder der Tanz der Derwische im türkischen Konya. Andere kehren alljährlich mit den Jahreszeiten wieder: das japanische Kirschblütenfesten Hamani etwa, die Lavendelblüte in der Provence, der Indian Summer in Nordamerika, die Tulplenblüte im niederländischen Keukenhof. Karneval und Oktoberfest Auch der Karneval in Venedig oder in Rio, der Mardi Gras in New Orleans oder die Basler Fasnacht, der Viehabtrieb im Allgäu, das Oktoberfest in München oder das Naadam-Festival in der Mongolei sind solche wiederkehrenden Ereignisse, die sich…
In seinem neuen Roman „Königin Esther“ bezieht John Irving dezidiert Stellung zum tragischen Konflikt im Nahen Osten. Der Roman erzählt von einem jüdischen Mädchen, das sich schon als Kind in die Tradition der jüdischen Königin Esther stellt, die einst ihr Volk vor der Vernichtung bewahrt hat. Die kleine Esther lebt im Kinderheim St. Clouds, das der aus „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ bekannte Dr. Larch führt. Sie ist ein eigensinniges Mädchen, das zu einer selbstbewussten, eigensinnigen Frau heranwächst, nachdem es von der freundlich-liberalen Familie Winslow adoptiert wurde – als Kindermädchen für die jüngste Tochter, Honor. Die Frucht einer Verschwörung Die beiden Mädchen werden engste Freundinnen und hecken miteinander eine erstaunliche Zusammenarbeit aus: Esther soll sich schwängern lassen und ein Kind austragen, das Honor großziehen will. So könnte die jüngste Winslow-Tochter ohne Sex zur Mutter werden. Die Frucht dieser Verschwörung ist James, genannt Jimmy, ein schüchterner Kerl, der behütet in der Großfamilie aufwächst und vom Großvater die Liebe zur Literatur, vor allem zu Dickens, geerbt hat. In Wien, wo er Deutsch lernen soll und darauf hofft, seine stets abwesende leibliche Mutter Esther kennenzulernen, wird Jimmy erwachsen. Wiener Antisemitismus Von Ferne lenkt Esther die Schritte des jungen Mannes, der davon träumt, Schriftsteller…