Was ist trendy beim Reisen 2026?
Reisebücher , Rezensionen / 28. September 2025

Trends gibt es nicht nur in der Mode, auch bei Reisen kann man Trends erkennen. Marco Polo zumindest glaubt, dass 2026 ganz bestimmte Städte, Regionen oder Länder ganz oben auf der Wunschliste der Reisenden stehen könnten. Zittauer Gebirge und Ulm Darunter sind auch einige Ziele in Deutschland. Unter „noch unentdeckt“ firmiert etwa das Zittauer Gebirge. Das kleinste Mittelgebirge Deutschlands könnte womöglich auch das unbekannteste sein, mutmaßen die Marco Polo Scouts, und schwärmen von verwunschenen Landschaften.  Als nachhaltig empfehlen sie das Baden-Württembergische Ulm wegen der „überdurchschnittlichen Innovationsdichte“ und „exzellenten Bedingungen für Start-ups“. Aber natürlich sollte man auch das Münster mit dem knapp 162 Meter hohen Turm besuchen. Drehorte und Geoparks Auch Fans von Drehorten kommen laut Marco Polo in Deutschland auf ihre Kosten. Set-Jetter können in Görlitz Drehorte von „Görliwood“ besuchen. Warum genau man im nächsten Jahr Regensburg unbedingt erleben sollte, wird nicht ganz klar – die Stadt ist wohl immer eine Reise wert. Neuen Glanz sieht der Trend Guide in den Geoparks. Von den insgesamt 19 haben es allerdings nur wenige ins Buch geschafft, darunter der Geopark Ries. Guimaraes und Birmingham 2026 wird Guimaraes Europas Umwelthauptstadt – Grund genug für eine Reise nach Portugal. Oder vielleicht auch nach Birmingham, das…

Im Meer der Zeit
Rezensionen , Romane / 17. September 2025

In Italien ist der Roman „Die Insel und die Zeit“ von Claudia Lanteri ein Überraschungserfolg, gar als literarische Sensation. Ihr Romandebüt ist eine Kriminalgeschichte, aber vor allem die Geschichte der Insel Linosa, die scheinbar aus der Zeit gefallen ist. Der Schiffbrüchige Der Erzähler ist Onofrio, genannt Nonò, ein 13-jähriger Bub. Oder ist er nicht eher ein alter Mann? Die Jetztzeit und die Erinnerung fließen in dem Roman in einander. Alles dreht sich um ein Ereignis, das Nonò sein Leben lang nicht loslässt: Ein Schiffbrüchiger namens Surico landet mit seiner toten Frau auf der abgelegenen Insel. Nonò ist elektrisiert, will helfen, die Tragödie aufzuklären. Seine Familie lebt mehr schlecht als recht von der Fischerei des Vaters. Mutter Angelina putzt und bügelt zusätzlich in der Kaserne und hat das Ohr am Maresciallo, der sich als Inselfürst aufspielt und die Untersuchung des Falles leitet. Das Mädchen Auf der Insel verrinnt die Zeit nur zäh. Alles scheint verlangsamt. Der Wissenschaftler, mit dem Nonó viel Freizeit verbringt und von dem er sich Antworten auf seine Fragen erhofft, verlässt den Ort genervt. Als ein kleines Mädchen im Rettungsboot aus dem Meer gefischt wird, sieht es nach einer Wendung in dem Fall aus. Die Kleine hat den…

Mit dem Vierbeiner über alle Berge
Reisebücher , Rezensionen / 13. September 2025

In 50 Tagen über die Alpen nach Verona – klingt machbar. Aber wie ist es, wenn man mit einem Vierbeiner über die Berge wandern will? Die Journalistin Nadine Regel hat ihren Ralfi, einen Portugiesischen Podengo, aus einem Tierheim geholt und gemeinsam mit ihm schon einige Touren im Camper unternommen. Die Alpen sind eine andere Herausforderung, doch nach einigen Berg-Wanderungen ist Nadine Regel überzeugt, dass Ralfi einen „siebten Sinn für Berge“ hat. Jetzt will sie bei einer Alpenüberquerung herausfinden, „wozu wir als Hund-Mensch-Team in der Lage sind“. Der Hund und seine Bedürfnisse Und so plant sie ihre ganz individuelle Route von München nach Verona für den Spätsommer. Dabei muss sie auch die Bedürfnisse des Begleit-Hundes mit einplanen – und die Tatsache, dass Hunde nicht überall willkommen sind. Vor allem Oberbayern hat Nadine Regel „als nicht besonders hundefreundlich“ erlebt. „Zum Beispiel ist Hunden der Zugang zu den bekannten Bergseen wie dem Kochel- und Walchensee aus hygienischen Gründen verwehrt.“ Immer mit im Gepäck sind Hundedecke, Hundegeschirr mit Haltegriff, Rettungsgeschirr und natürlich Futter und Wasser. Die Grenzen kennen Damit bei der Wanderung über alle Berge auch nichts schief geht, sollten Mensch und Hund ihre Grenzen kennen, rät Nadine Regel, die ihren Ralfi immer an…

100 Jahre nach 1984
Rezensionen , Romane / 2. September 2025

Keine 60 Jahre trennen unsere Gegenwart von der Dystopie Tomorrowland. Antonia Michaelis und Peer Martin haben ihren aufrüttelnden Jugendroman ganz bewusst im Jahr 2084 angesiedelt, 100 Jahre nach Orwells Klassiker 1984. Die Welt droht unbewohnbar zu werden, Küstenstriche sind untergegangen, das Inland droht auszutrocknen. Außerhalb Europas ist alles noch schlimmer. Und im wieder geteilten Deutschland droht ein neuer Krieg. Die Partei Dabei hatte die Partei, die so schön blau präsentiert, eine lebenswerte Zukunft versprochen. Allerdings nur deutschen Menschen. Die anderen, die als Flüchtlinge ins Land kamen, wurden in Lager gesteckt. Und Menschen, die sich nicht anpassen wollten, landeten in der JVA. Wie Hannes. Oder der „Prediger“, der ständig von einer besseren Welt faselt. Den Systemausfall nutzen einige Häftlinge zur Flucht – auch Hannes und der Prediger. Sie werden einander noch öfter begegnen. Freunde Doch zuerst trifft Hannes auf Moa, einen schwarzen Jungen, der es auf verschlungenen Wegen bis nach Deutschland geschafft hat. Die beiden fassen Vertrauen zu einander. Und dann ist da noch die „Prinzessin“, Greta-Anna, Tochter des deutschen Sicherheitschefs, weißblond und blauäugig. Sie versteckt die zwei Jungs in ihrem luxuriösen Elternhaus und flieht mit ihnen, als es brenzlig wird. Flucht Zu den drei Freunden gesellen sich noch die syrische…

Im Laufschritt um Großbritannien
Reisebücher , Rezensionen / 2. September 2025

Elise Downing hat etwas geschafft, was sie sich selbst nicht zugetraut hatte: Weil der Alltag nach dem Studium und eine toxische Beziehung sie frustriert, stürzt sie sich in ein Laufabenteuer. Auf Küstenpfaden will sie Großbritannien umrunden – rund 8.000 Kilometer im Laufschritt und ohne viel Erfahrung. In ihrem oft selbstironischen Buch „Küstenpfade“ erzählt sie, wie sie sich „durch ein großes Abenteuer hindurchgewurstelt hat“ – ohne zu wissen, wie man eine Karte liest oder ein Zelt aufbaut. Und sie warnt davor, es ihr nachzumachen. Nicht ganz ungefährlich Denn so ganz ungefährlich ist so ein Unterfangen nicht. Da lauern nicht nur aggressive Kühe, die Elise besonders fürchtet, da enden auch Wege im Nirgendwo, trifft man auf schräge Typen und kommt sich zwischendurch ziemlich verlassen vor. Und doch ist Elise Downing davon überzeugt, dass sie das Richtige gemacht hat. Aber nur, weil sie keine Verpflichtungen hatte und ein Elternhaus, „in das ich zurückkehren konnte“. Nicht nur das, Vater und Mutter begleiten sie teilweise auch auf den abgelegenen Pfaden. Mitläufer auf Zeit Auch jede Menge Freunde teilen hin und wieder die Lauf-Erfahrung und immer mehr Fremde, die von Elises Abenteuer im Netz gelesen hatten. So kommt es, dass sie in den ersten Monaten ganz…

Im Bann des Tradwifes
Rezensionen , Romane / 28. August 2025

Hannah Lühmann ist Journalistin und hat sich intensiv mit dem Social-Media-Phänomen der Tradwives beschäftigt, also jener Frauen, die im Gegensatz zu modernen Feministinnen die alte Geschlechterrolle lebt. Ein Rollenbild, das für von Familie und Beruf überforderte Mütter durchaus eine Versuchung darstellen kann. Von dieser Versuchung handelt Hannah Lühmanns Roman „Heimat“. Alptraum der Spießigkeit Jana und Noah sind mit ihren beiden Kindern in eine Siedlung im Grünen gezogen, die sie schon bald als einen „Alptraum der Spießigkeit“ empfinden. Während der Lehrer Noah jeden Tag zu seiner Schule in die Stadt fährt, fehlen Jana die sozialen Kontakte. Sie hat ihren Job gekündigt und ist wieder schwanger.  Sie hadert mit der kleinbürgerlichen Umgebung, mit dem oft abwesenden Noah, dem Mutter-Stress. Die Superfrau Und dann erscheint Karolin – so schildert es Hannah Lühmann: Eine attraktive Frau mit blauen Augen und blonden Haaren, die Rilke aus dem Kopf zitieren kann und trotzdem ihre beiden kleinen Kinder problemlos im Griff zu haben scheint. Zu Hause habe sie noch drei weitere, verrät Karolin der verdutzten Jana, die schon bald davon überzeugt ist, in dieser Frau die perfekte Freundin gefunden zu haben. Perfekte Inszenierung Und perfekt ist auch Karolins Inszenierung als Tradwife auf Instagram: beim Kuchenbacken mit den…

Verhängnisvolles Schweigen
Rezensionen , Romane / 26. August 2025

Zaire – seit 1997 nennt sich das Land Demokratische Republik Kongo – feiert den 14. Jahrestag der Unabhängigkeit erlangt. Der Vater bringt im weißen Mercedes seine Familie zu einem Wohnsitz mit Pool. Wir sind im Jahr 1974 in Kinshasa. Und hier beginnt Christina Fonthes‘ aufwühlender Debütroman „Wohin du auch gehst“. Die Erinnerung Mira erinnert sich an den Jubel über die Unabhängigkeit von Belgien, das seine rohstoffreiche Kolonie brutal ausgebeutet hat. Und sie erinnert sich an eine Szene, die sich ihr buchstäblich eingebrannt hat: Stimmengewirr im Dunkeln, Rauch, eine leblose Gestalt an einem Holzpfahl, darunter verklumpte Autoreifen, aus denen Flammen züngeln. „Man hat sie zusammen erwischt, zwei Frauen“, erklärt die ältere Schwester Ya Eugenie dem jungen Mädchen. Unafrikanische Liebe Es ist eine Schlüsselszene. Denn in dem Debütroman der in Kinshas geborenen britisch-kongolesischen Autorin geht es auch um queere Liebe. „Unafrikanisch“ sei das, findet die in inzwischen in England lebende Mira, die sich nach schweren Schicksalsschlägen vom lebenslustigen Teenager zur bigotten Schwester Mireille entwickelt hat. „Wohin du auch gehst“ ist eine Familiengeschichte, in der die Frauen im Mittelpunkt stehen. Dabei folgt man den beiden Protagonistinnen durch vier Länder – Kongo, Belgien, Frankreich und England. Trost aus der Freikirche Die zweite Stimme neben…

Lust auf Berge und Seen
Reisebücher , Rezensionen / 26. August 2025

Sommer, Sonne, Ferien. Es muss nicht immer die große Reise sein. Auch Ausflüge in die Umgebung können überraschend und spannend sein. Die Bayern etwa haben nicht nur die Berge, sondern auch wunderschöne Seen vor der Haustür. Und der ADAC-Roadtrips-Band „Oberbayern mit Chiemgau“ macht Lust auf Spritztouren oder auch eine längere Sommerfrische. Da wird schon der Weg zum Ziel. Bayerische Genusslandschaft Nicht nur die hinten eingehängte Planungskarte hilft bei der Orientierung. Auch die Gliederung in fünf Kapitel zeigt gleich, wo‘s am besten langgeht. „Von See zu See“ zum Beispiel lädt dazu ein, die oberbayerische Seenlandschaft zwischen Starnberger See und Ammersee zu erkunden – mit Abstechern zu Staffel- und Kochelsee. „Bayerischen Genüssen“ – vor allem Hopfen und Spargel – ist man zwischen Wasserburg am Inn, Abensberg und Schrobenhausen auf der Spur. Nützliche App Alle Kapitel sind in drei Etappen unterteilt, die sich miteinander verbinden lassen. Je nachdem kann man auch die Touren der unterschiedlichen Kapitel miteinander kombinieren – mittels Querverbindungen. Dabei helfen die Umsteigepunkte mit QR-Code, über den man eine eigene Route festlegen kann. Wer dazu noch die ADAC Trips App heruntergeladen hat, findet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit aktuellen Details. Außerdem hilft die App auch beim Navigieren. Im Wechsel der Jahreszeiten Wer…

Der Mann im Dunkeln
Rezensionen , Romane / 22. August 2025

Ingrid Noll ist ein Phänomen. Sie sitzt nicht nur mit fast 90 Jahren am Schreibtisch, sie versetzt sich für ihr neues Buch Nachteule  auch in die Zeit der Pubertät zurück. Denn Luisa, die Ich-Erzählerin, ist gerade mal 15 Jahre alt, als sie Tim kennenlernt. Schnell wickelt der Obdachlose das Mädchen um den Finger. Denn die brave Luisa, in der Schule als Streberin abgestempelt, sehnt sich danach, aus der kleinbürgerlichen Enge ihres Elternhauses auszubrechen. Die Adoptivtochter aus Peru Als sie ein Gespräch ihres Vaters über ein eigenes Kind mitbekommt, wird ihr wieder einmal deutlich, dass sie adoptiert ist – ein indigenes Mädchen aus Peru, eine Exotin. Lieben ihre Eltern sie überhaupt? Eigentlich geht es ihr gut, die Eltern sind wohlhabend, sie ist behütet in einem großen Haus am Waldrand aufgewachsen. Und sie ist ja auch auch dankbar dafür. Aber sie ist auch innerlich zerrissen. Zumal in dieser kleinen Familie nichts so richtig heil ist. Nachtsicht Alle scheinen auf ihre Rollen fixiert – und nicht nur Luisa träumt davon auszubrechen. Dabei kommt ihr eine ganz besondere Gabe zu Hilfe: Sie kann im Dunkeln sehen. Dabei kommt ihr Brechts Dreigroschenoper in den Sinn und die Zeilen „und man sieht nur die im Lichte,/Die…

Alptraum Alm
Reisebücher , Rezensionen / 22. August 2025

Das hatte sich Francesco Gubert ganz anders vorgestellt, als er als Senner auf eine Alm im Valsugana ging. Zurück zur Natur, zum echten Leben wollte er. Doch dann wurde dieser erträumte Almsommer zum Alptraum. Mit dem jungen Hirten hat Francesco von Anfang an Probleme. Und die Arbeit als Käser ist viel härter als er erwartet hat. Der Senn von der Nachbaralm hatte wohl Recht mit seiner Aussage: „Wenn man miteinander klarkommt, ist die Alm ein Paradies. Wenn nicht, ist sie die Hölle.“ Ein Höllentrip Für Francesco Gubert wird der Sommer auf der Alm zum Höllentrip. „Mach deinen Käse und bleib ruhig“, sagt er sich zwar, wenn der Frust zu groß ist. Aber das hilft nicht gegen den Stress mit dem Hirten und die harte Arbeit. Seine Hände werden rau vom Waschen des Käses, einzig das Kneten der Butter schafft Erleichterung. Für Francesco ist diese Beschäftigung auch eine Art Meditation, die ersehnte Rückkehr zu den einfachen Dingen. Doch das reicht nicht, zu viel hat sich angestaut, und Francesco fühlt nicht überfordert. Romantischer Traum In dem „Almtagebuch“ mit dem Titel „Weiche Butter, raue Hände“ schreibt er ehrlich über seine Empfindungen, seinen Frust, den Ärger mit dem Hirten, die Verbitterung. Bleiben oder gehen?…