Die beiden Protagonisten im Roman „Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber könnten unterschiedlicher nicht sein: Der eine, Bohm, blickt mit 36 Jahren auf ein gescheitertes Leben zurück und ist seit fünf Jahren obdachlos. Die andere, Alina, hat Angst um ihre Zukunft. Sie fürchtet, vom Fernsehsender entlassen zu werden. Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere könnte eine Reportage über das Leben von Obdachlosen sein. Der Hund Und da kommt Bohm ins Spiel. Alina will ihn für ihre Reportage begleiten. Aber Bohm hat kein Interesse, über sein Leben zu reden. Auch wenn er nichts besitzt außer einem ungeöffneten Brief in seinem abgetragenen Parka, will er sich nicht kaufen lassen. Das ändert sich allerdings, als Fox auftaucht, ein kleiner Hund, der sich in Bohms Herz schleicht – und in das von Alina gleich mit. Die Annäherung Ja, das wird eine Liebesgeschichte – und nicht nur solange ein Streichholz brennt. Die beiden fühlen sich von einander angezogen. Gegen ihren Willen. Sie stoßen sich gegenseitig ab, nur um sich darauf noch näher zu kommen. Von dieser ungewöhnlichen Annäherung erzählt Christian Huber mit charmanter Leichtfüßgikeit: „Bohm sah sie an. Dann sahj er in ihre Augen. Ein funkeln, Ein Knistern. Gänsehaut auf Kopfhaut und Nacken. Licht…
Sie sind so schmal und klein, dass man sie locker in die Manteltasche stecken kann. Doch die TOP 10 Reiseführer von DK sind nach einem Relaunch noch übersichtlicher geworden und liefern kompakte Informationen und Inspirationen für die eigene Bucket List. Veränderte Gewohnheiten Das fängt schon mit dem Einstiegskapitel an, das nicht nur die TOP 10 Erlebnisse beinhaltet, sondern auch einen kompakten Einblick in die Geschichte bietet und konkrete Tipps für einen zwei- oder viertägigen Trip. Mit dem Relaunch reagiert der Verlag auf veränderte Lesegewohnheiten und individuelle Reise-Erwartungen. Die Reihe will nicht mehr nur die Frage beantworten, was man gesehen haben sollte, sondern auch, was man vor Ort unternehmen kann und wo man dem Alltag der Menschen nahe kommt. Streetart neben Rembrandt In Amsterdam etwa findet Streetart ebenso einen Platz unter den Top 10 wie Rembrandts Haus oder der neue Westerpark. In Venedig behauptet sich die Auszeit auf dem Lido neben dem Markusplatz und einer Kneipentour auf Venezianisch. Die Themen in Venedig sind neben den üblichen wie Künstler und Feste auch Brücken, Palazzi oder Schriftsteller. Mit dem kleinen Guide kann man einzelne Stadtteile erkunden und sogar Abstecher in die nähere Umgebung machen. Jüdische Geschichte In Amsterdam geht es beim Kapitel Themen…
Der 1971 in Marokko geborene Politologe Rachid Benzine schreibt in dem bewegenden Roman „Der Buchhändler von Gaza“ über das Leiden der Palästinenser und die Kraft der Literatur. Damit setzt er in dem aktuellen Konflikt, in dem Gaza unterzugehen droht, ein Lebenszeichen und in all der gegenwärtigen Trostlosigkeit ein Zeichen der Hoffnung. Ein Bild für Gaza Die Ausgangsbasis ist 2014 die Begegnung eines französischen Fotografen mit einem alten Buchhändler im damals schon weitgehend zerstörten Gaza. Für seine Agentur würde er den Mann zwischen seinen Büchern gern fotografieren: „Dieses Bild zeigt alles. Es zeigt, was aus Gaza geworden ist. Ein alter Buchhändler, der immer noch an seinen Büchern hängt und inmitten der Ruinen weiter liest.“ Ein Leben auf der Flucht Der alte Mann will sich nicht ohne weiteres fotografieren lassen. Der Fotograf müsse sich zuerst die Erzählung seines Lebens anhören, fordert er. Nur dann könne er sich ein vollständiges Bild mache. Und so beginnt der Buchhändler Nabil zu berichten: Von der Vertreibung seiner Familie 1948 aus ihrem Dorf während der Nakba, vom Leben in Flüchtlingslagern, dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und den nie endenden Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Israelis. Nabil ist immer mittendrin – auch zwischen in den Religionen. Denn sein Vater war Christ,…
David Hewson macht in „Das Borgia Porträt“ ein bisschen auf Dan Brown und jagt die Lesenden auf der Suche nach einem verschwundenen Porträt durch Venedig. Ziel der Schnitzeljagd, die in ein Venedig abseits der Touristen-Hotspots führt, ist nicht irgendein Porträt, sondern das der verführerischen Lukrezia Borgia. Der alte Palast Für die junge Engländerin Lizzie Hawker ist das erotische Porträt eine Kindheitserinnerung, bevor ihre Mutter verschwand. Lizzie hat den baufälligen Palast Ca‘Scacchi geerbt und viele Schulden. Das Borgia-Porträt könnte ihre Geldnöte beenden. Aber wo steckt Lukrezia? Der Strippenzieher Mit Hilfe des pensionierten Archivars Arnold Clover – auch er aus England – macht sich die junge Frau auf die Suche. Schon bald stoßen die beiden auf unerwartete Hürden und ahnen, dass ein potenter Strippenzieher die Hände im Spiel hat: Enzo Canale hatte sich vom mittellosen Barmann zum einflussreichen Immobilienmagnaten hochgegaunert. Wie Chas Hawker warb er um die Hand der schönen Comtessa Lucia Scacchi – und verlor. Aber Hawker, Lizzies Vater, war wohl ein ebensolcher Schurke, wenn auch weniger erfolgreich. Das Skelett in der Gruft Für Lizzie, die ihrem Vater seine Eskapaden gern verziehen hat, sind das keine guten Neuigkeiten. Und sie muss noch mehr verkraften. Bei der Suche nach dem verlorenen Porträt…
Rekordhitze, Erdrutsche, Blutegel im Zelt und statt Müsliregel Nudelsuppe: Christine Thürmer, die sich selbst als meistgewanderte Frau der Welt bezeichnet, sieht sich in Asien vor ganz neuen Herausforderungen. In dem Buch „Hiking Asia“ hat sie ihre Erlebnisse in Japan, Südkorea und Taiwan in gewohnt ehrlicher Manier notiert. Hilfsbereite Menschen Der Start auf dem Tokai Shizen Hodo in Japan ist jedenfalls alles andere als ideal. Und die Weitwanderin muss sich mit ungewohnten Erschwernissen herumschlagen. Was dabei hilft, ist nicht nur Thürmers lange Wander-Erfahrung, es sind auch freundliche Menschen, die über sämtliche Sprachgrenzen hinweg hilfsbereit sind. Weniger Minimalismus Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Tatsache, dass die 57-Jährige nicht mehr so asketisch oder minimalistisch unterwegs ist wie in den Anfängen ihrer Wanderkarriere. Sie gönnt sich zwischendurch gern mal ein Hotel, genießt die Wohltat der japanischen Onsen-Bäder und muss nicht über jeden Berg, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Schließlich will sie auch die Kultur der Länder kennenlernen und ihre oft dramatische Geschichte. Unberechenbare Natur Auf dem Michinoku Coastal Trail in Japan erinnern die Tsunami Gedenkstätten an die Unberechenbarkeit der Natur. Auf Taiwan erlebt Christine Thürmer selbst Erdbeben, Starkregen, sogar einen Taifun und gerät trotz herausfordernder Kletterpartien in einen Wander-Flow. Die Insel…
Francesco Vidotto erzählt in „Meine Berge bist du“ eine bewegende Geschichte aus einer vergangenen Zeit. Der Ich-Erzähler lernt in den Dolomiten einen alten Mann kennen, der sich Guido Contin nennt. Die Dörfler nennen den schweigsamen Einzelgänger Cognac. Aber nachdem er unter den Fundstücken des Erzählers das Porträt eines Mädchens gesehen hat, wird der Alte gesprächig. Ein Leben in Briefen Er teilt mit dem Fremden Briefe an die Berge, die ein gewisser Onesto geschrieben hat. In diesen Briefen spielt sich ein ganzes Leben ab – angefangen von einer Entführung über das Wiedersehen mit der Mutter und dem Zwillingsbruder Santo bis zur großen Liebe und dem schweren Verzicht. Liebe und Schicksal Es ist ein hartes Leben in den Bergen vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Ein einfaches Leben voller Entbehrungen – auch für die allein erziehende Mutter der Zwillinge. Doch trotz der Armut erleben die Kinder ein liebevolles Zuhause, und die Brüder sind einander in herzlicher Zuneigung verbunden. Aber das Schicksal stellt sie auf eine harte Probe. Feindliche Wirklichkeit Onesto und Santo verlieben sich in die hübsche Celeste. Zusammen mit deren Bruder erleben sie die Natur in aller Unschuld als Abenteuer. Doch diese Natur kann auch unbarmherzig sein, noch unbarmherziger sind die…
Viel wurde und wird über den Osten geschrieben. Aber „was ist eigentlich mit dem Westen?“ fragte der Verleger Gunnar Cynybulk, der 1985 mit 14 seinem aus der Haft freigekauftem Vater in den Westen nachgereist war. Aus der Frage entstand das Buch „Der Westen – eine ostdeutsche Empfindung“. Ein Buch zur rechten Zeit – auch für Touristen aus West und Ost. Das Trennende Denn Deutschland ist noch lang kein einig Vaterland – auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht. Noch immer trennen die Menschen im Osten und im Westen nicht gerade Welten, aber Erfahrungen und Ansichten. „Die ideale Wiedervereinigung hätte exakt die Republik hervorgebracht, die Westdeutschland für unsere Augen sein wollte“, schreibt Jakob Hein in dem Essay „Der im Osten erfundene Westen“. Traum und Realität Dieser Westen war bunt und schön und für DDR-Bürger unerreichbar. Ihre Vorstellung war geprägt vom Westfernsehen und von den Erzählungen der West-Verwandtschaft. Die seltenen Gäste aus Westdeutschland gaben den Ostdeutschen häufig das Gefühl, nicht gleichwertig zu sein, nicht auf der Höhe der Zeit. Sie wurden mit kleinen Geschenken abgespeist, man erkannte ihnen keine eigenen Errungenschaften zu, sie waren und blieben die armen Verwandten. Flucht in die Ferne Das prägte eine ganze Generation Ostdeutscher nach der Wende….
Von Seneca bis Virginia Woolf, von James Joyce bis zu Michael Köhlmeier, von der Bibel bis zur Romantasy: Meike Winnemuth hat für ihr neues Buch „Eine Seite noch – warum Lesen uns so glücklich macht“ einen Sommer lang alles gelesen, was ihr in die Finger kam. In ihrem Buch schreibt die leidenschaftliche Leserin über Berührendes und Kurioses, über Wissenschaftliches und Persönliches beim Lesen. Bücher unterhalten sie nicht nur, sie geben ihr Antwort auf die Fragen des Lebens: „Poesie ist die Lösung für das Unlösbare. Die Schönheit des Paradoxons, genau das ist Literatur.“ Die Welt im Buch In Tolstois „Krieg und Frieden“, das sie anders als den doch ziemlich sperrigen Ulysses lange vor sich hergeschoben hat, entdeckt Meike Winnemuth eine ganze Welt. Lesend versucht sie sich selbst auf die Schliche zu kommen, verliert sich in Thomas Manns „Zauberberg“ und begibt sich auf die Spuren von Virginia Woolfs „Mrs. Dalloway“. Kreativer Lese-Prozess Ihr Buch sieht sie als Liebeserklärung ans Lesen, das sie als kreativen Prozess versteht. Als einen Dialog zwischen dem Geschriebenen und den Lesenden, die ihre ganze eigenen Erfahrungen, Erwartungen, kulturellen Hintergründe mit einbringen. „Wir lesen mit unserem ganzen Erfahrungsschatz“, ist Meike Winnemuth überzeugt und: „Nie lesen zwei Menschen dasselbe Buch.“…
Die achtjährige Mini schreibt ihre ganzen Sorgen in ein Logbuch. Und „Logbuch einer Himmelsstürmerin“ heißt auch das Buch, in dem Frauke Angel von Minis Sorgen und Leidenschaften erzählt und das Lilly L‘Arronge so toll illustriert hat. Das technische Wunder Die kleine Mini sieht sich selbst als „technisches Wunder“, denn sie verdankt es dem technologischen Fortschritt, dass sie und ihr minikleines Herz überlebt haben. Aber jetzt hat sie Herzschmerz. Sie vermisst ihre beste Freundin Silla, mit der sie ihre Leidenschaft für Roboter und Astronautik teilen konnte. Als Baby, das weiß Mini, war sie total verkabelt. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass sie zum Technikfreak wurde, denkt sie. Und bisher hat Silla immer mitgemacht bei Minis Unternehmungen, weil sie mal Astronautin werden wollte. Top Models und Läsches Doch Silla hängt inzwischen mit Cheyenne und Ludmilla ab, die mal Top Models werden wollen und Läsches haben. Mit ihre Gerede von überschlanken Models haben sie dafür gesorgt, dass Silla immer magerer wurde. Womöglich, fürchtet Mini, schrumpft auch das Gehirn der Freundin. Was dann? Auch Minis selbst gebastelter Roboter MT-One kann da nicht weiterhelfen. Dabei hat er sich doch schon mal gemeldet – auf einem Zettel in seiner Streichholzschachtel-Brust. Aber eine Freundin kann…
Drei Frauen, drei Generationen, drei Außenseiterinnen – davon die bei Stuttgart lebende Autorin Hannah Häffner in ihrem Romandebüt „Die Riesinnen“, das sie in einem fiktiven Schwarzwalddorf ansiedelt. Da, wo noch bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts strenge Sitten galten und Unangepasstheit gesellschaftlich geächtet war. Großmutter, Mutter und Enkelin, die Riesinnen, scheinen nicht in diese enge, ja engstirnige Dorfgemeinschaft zu passen. Zu groß sind sie, zu knochig, zu rothaarig. Gegen alle Umstände Hannah Häffner begleitet die drei Frauen durch die Zeit: Liese ist als Frau des Metzgers in ihrer Zeit und deren Konventionen verhaftet. Im Dorf ist sie Außenseiterin wie der Franz, mit dem auch niemand redet. Aber als sie nach dem überraschenden Tod des Ehemanns, der die Tochter schlug, mit Cora allein auf sich gestellt ist, wächst sie über sich selbst hinaus. Sie erkämpft sich und der Tochter ein selbstbestimmtes Leben – gegen das Dorf und die Umstände. Die Welt und das Dorf Anders als die Mutter ist Tochter Cora von Anfang an unangepasst, nimmt sich, was sie will. Sie will hinaus aus der dörflichen Enge, wo keine Freunde hat. Sie will die Welt erobern, sich selbst er-spüren. Ihre Rückkehr ist nicht freiwillig, aber sie knüpft an die…