Süße Früchte im Pfarrgarten
Rezensionen , Romane / 27. April 2026

Martina Bogdahn, 1976 in Weißenburg geboren, hat etwas geschafft, was nur wenigen gelingt. Ihr Debut „Mühlensommer“ schnellte von Null auf Bestsellerniveau. Nun legt die 50-Jährige mit „Mirabellentage“ nach. Und wieder erzählt sie mit viel Empathie und Humor vom Leben im fiktiven Blumfeld, das an den fränkischen Ort angelehnt ist, in dem Bogdahn aufwuchs. Diesmal steht die Pfarrhaushälterin Anna Nass im Mittelpunkt. Nach dem Tod des Pfarrers, den sie seit ihrer Kindheit kannte, droht ihr Leben aus dem Takt zu geraten. Der Neue aus dem Norden Die 54-jährige Anna muss schauen, was sie mit dem Rest ihres Lebens machen will. Bisher hat ihre Rolle als Pfarrhaushälterin nicht hinterfragt, sie hatte sich an das harmonische Zusammenleben mit dem Schulfreund Josef im Pfarrhaus gewöhnt. Aber kaum ist er tot, steht schon ein neuer Pfarrer auf der Matte, jung, blond und aus dem hohen Norden. Seine Sprache, fürchtet Anna, würden die Dörfler nicht verstehen. Italienisch aus dem Kochbuch Wie soll er da den Verstorbenen dezent unter die Erde bringen? Kurzerhand beschließt Anna, dass Fridjof sich ins Italienische retten könnte – mittels ihres italienischen Kochbuchs. Denn in Blumfeld, da ist sie sicher, spricht niemand italienisch. Und so lauschen die Dörfler hingerissen den italienischen Tönen aus…

Jenseits von Landlust
Rezensionen , Romane / 16. April 2024

Martina Bogdahn weiß, wovon sie schreibt. Das spürt man vor allem in den eindringlichen Schilderungen des Landlebens in ihrem ersten Roman „Mühlensommer“. Die Fotografin ist in Weißenburg geboren und auf einem Einödhof aufgewachsen. Die Ähnlichkeiten mit der Protagonistin des Romans sind also nicht zufällig. Wie die Ich-Erzählerin Maria hat Martina Bogdahn dem elterlichen Hof den Rücken gekehrt, um zu studieren und später in München zu leben. Zwischen Stadt und Land Was sie in „Mühlensommer“ thematisiert, kennt sie selbst: Das Leben zwischen zwei Welten und die Sehnsucht nach Heimat. Dabei ist die Mühle, die im Mittelpunkt des Romans steht, alles andere als heile Welt. Das Geld ist knapp, auch die beiden Kinder Thomas und Maria müssen mithelfen – bei der Ernte, beim Hopfenzupfen, auch beim Schlachten. Die Eltern haben wenig Zeit für die Kinder, die Oma führt ein strenges Regime und entspricht so gar nicht den kindlichen Vorstellungen einer liebevollen Großmutter. Im Gegenteil, als Maria sich über die ersten Katzenbabys freut, werden sie von der Oma ertränkt. Nur keine Sentimentalitäten. Vertraute Gerüche Maria hat sich weit entfernt von diesem Leben, ist in der Großstadt angekommen und hat dort auch arrivierte Freunde gefunden. Die zwei Töchter sind Mode affin und haben keine…