Donna Leon ist inzwischen 76, und sie lebt schon seit geraumer Zeit nicht mehr in Venedig. Wie alt ihr Commissario Guido Brunetti ist, weiß man nicht so recht. Auf jeden Fall löst er in diesem Buch seinen 28. Fall. Aber in der Familie Brunetti und im Polizeipräsidium scheint die Zeit still zu stehen. Die Kinder leben immer noch zu Hause, der Vize-Questore ist immer noch kein einfacher Vorgesetzter und die schöne Signorina Elettra ein hilfreich...

Florian Harms ist einer Versuchung erlegen. Mit einer ziemlich haarsträubenden Geschichte um die Jagd auf den besten Geschmack der Welt hat sich der ehemalige Spiegel-online- und derzeitige T-online-Chef als Krimi-Autor versucht und ist dabei wohl seinen eigenen Ambitionen zum Opfer gefallen. Der Journalist wollte nicht nur einen „kulinarisch gewürzten Reisekrimi“ schreiben, sondern die Leser auch über verschiedene Ebenen mit dem Alltag im Ori...

Noch ist Großbritannien in der EU, das gilt auch für die großen Sommerferien, für die sich Südengland als Ziel anbietet. Cornwall und Devon locken mit traumhaften Stränden, angenehmen Temperaturen, romantischen Dörfern und zauberhaften Landschaften zwischen Meer und Moor. Familienurlaub „at its best“, findet die Journalistin Antje Gerstenecker, die mit ihren zwei Kindern immer wieder gerne in Englands Süden reist und von jeder Reise neue Tipps...

Paolo Rumiz ist Italiens emsigster Reiseschriftsteller, und er scheut keine Mühen. Für ein Buch hat er im Leuchtturm gewohnt, für ein anderes war er auf dem Po unterwegs. Doch was er und seine Reisefreunde bei der Wiederentdeckung der antiken Via Appia erlebt haben, hätte er sich nicht träumen lassen. Über 612 Kilometer gingen sie über die legendäre Römerstraße von Rom aus nach Brindisi. Jahrhunderte der Vernachlässigung Doch Jahrhunderte der ...

„All diese Reliquien, sagte sie, machen mein Herz zu Stein.“ Cécile, die Frau des Ich-Erzählers Michel Flavent in dem neuen Roman von Sorj Chalandon, kann nicht verstehen, warum ihr Mann in seiner Werkstatt eine längst vergangene Tragödie am Leben hält: Das Grubenunglück in der Zeche Saint Amé von Lievins, dem 42 Bergleute zum Opfer fielen. Auch Joseph Flavent, genannt Jojo, überlebte es nicht. Nach Meinung von Michel, der den älteren Bruder ü...

Baedeker: Zurück zu den Anfängen
Rezensionen / 23. Mai 2019

Die Bucket list ist ein alter Hut. Schon Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten Reisende „Pflicht-Sehenswürdigkeiten“ ab – die der Baedeker mit Sternchen versehen hatte. Da hatten Dampfschiff und Eisenbahn schon das „Massenreisen“ ermöglicht, und die wohlhabende Mittelschicht gönnte sich Pauschalurlaub in schwimmenden Hotels. Wer sich individuell auf Reisen begeben wollte, griff zum Baedeker. Der Baedeker war so zuverläs...

Annäherung an die Welt
Rezensionen / 23. Mai 2019

402 Nächte, 119 Schlafplätze in 13 Ländern und auf vier Kontinenten: Der österreichische Fernsehjournalist Jakob Horvat hat es sich nicht leicht gemacht beim Entdecken der Welt, und er hat zwischendurch auch mit seiner Idee gehadert, allein und ohne großen Komfort unterwegs zu sein. Am Ende seiner langen Reise „rein ins Leben“ ist er aber überzeugt davon, dass ihm zwar viel erspart geblieben wäre, wenn er sich nicht „raus aus der Kom...

Wer ist Philipp Lyonel Russell?
Rezensionen / 6. Mai 2019

Der Übersetzer ist bekannt: Der deutsche Schriftsteller Christoph Hein hat den Roman von Philipp Lyonel Russell „Am Ende ein Blick aufs Meer“ in einem kongenial heiteren Plauderton ins Deutsche übertragen. Erzählt wird das Leben des erfolgreichen britischen Autors P.G. Wodehouse (1881 bis 1975). Wodehouse, im Leben mit dem Spitznamen Plum (Pflaume) geschlagen, heißt bei Russell Frederick Bingo Mandeville und war wie sein Vorbild scho...

Entdecker mit Todesmut
Rezensionen / 6. Mai 2019

Ein bisschen was hat diese Explorer Academy von Hogwarts, dem Zauberer-Internat von Harry Potter. Doch im Internat, in dem der junge Hawaiianer Cruz lernt, geht es nicht um Zauberei, sondern um Forschung. Und Cruz fühlt sich dem Erbe seiner Mutter verpflichtet, die angeblich bei einem Labor-Unfall ums Leben kam, als er noch klein war. Doch seine Mom hat ihm eine Botschaft hinterlassen, und allmählich dämmert es Cruz, dass ihr Tod kei...

Ein Leben im Abseits
Allgemein / 6. Mai 2019

Im Original heißt das Buch von Ann Weisgarber „The Glovemaker“, denn Deborah, die Hauptfigur, ist Handschuhmacherin. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel „Unter Heiligen“ und weist damit schon auf einen ungewöhnlichen Inhalt hin. Die amerikanische Autorin nimmt ihre Leser mit in eine für uns fremde Welt, die der Mormonen Ende des 19. Jahrhunderts. Wie ihr Mann Samuel und ihr Schwager Nels ist Deborah Mormonin. Leben in einer „D...

Im Netz der Dottoressa
Rezensionen / 6. Mai 2019

Er kennt die Szene. Massimo Carlotto, 1956 in Padua geboren, hat selbst Erfahrung mit Gerichten, Richtern und Gefängnisinsassen. Er geriet unter Mordverdacht, wurde verurteilt, war jahrelang auf der Flucht und saß bis zu seiner Begnadigung sechs Jahre hinter Gittern. Diese Erfahrungen machen die Krimis des Italieners so authentisch. Carlotto kennt die harte Sprache der Kriminellen, ihre Skrupellosigkeit – und ihre Verletzlichke...

Straße der Träume
Rezensionen / 27. April 2019

China macht seit Jahren mit seinem Seidenstraßen-Projekt Schlagzeilen. Die wirtschaftsmächtige Volksrepublik investiert Milliarden in Straßen, Bücken, Tunnels und Bahnstrecken für Hochgeschwindigkeitszüge, um einen Abschnitt der legendären Seidenstraße zwischen Xinjing und Zentralasien wieder zu beleben. Dabei, so schreibt Alfred de Montesquiou gleich zu Anfang seines informativen Bildbands „Abenteuer Seidenstraße“ gäbe es die Seiden...

Der verstummte Sänger
Rezensionen / 27. April 2019

Mit der Melodie „Ein Lied geht um die Welt“ wurde der kleinwüchsige Tenor Joseph Schmidt endgültig zum Liebling der Deutschen. Und doch war seiner Karriere ein baldiges Ende beschieden, geriet der Sänger in Vergessenheit. Denn Joseph Schmidt war Jude. Der Mann, der noch 1937 in der Carnegie Hall aufgetreten war, dessen Stimme Millionen rührte, war in Nazideutschland unerwünscht. Keine Gegenwart ohne Vergangenheit Heimatlos wie so vie...

Bäuerin ohne Land
Allgemein / 16. April 2019

„Vom Aldi-Kind zur Öko-Landwirtin“ schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ zum Buch von Anja Hradetzky  „Wie ich als Cowgirl die Welt bereiste und ohne Land und Geld zur Bio-Bäuerin wurde“. Gut 300 Seiten braucht die junge Frau, um dahin zu kommen, wo sie wohl immer schon hin wollte: „Hier im Odertal war nun mein Kanada, auch wenn die Weite nicht ganz so weit, die Kälte nicht ganz so kalt war und natürlich die Pferde fehlten.“ ...

Irrungen und Wirrungen
Rezensionen / 16. April 2019

Wer lieber unter die Leute geht, sollte die Finger von diesem Roman  von Joel Dicker lassen.  Sein neues Buch „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ entwickelt auf 667 Seiten einen Sog, der dazu führt, dass man am liebsten gar nicht mehr aus dem Haus gehen möchte, um das Buch nicht aus der Hand legen zu müssen. Dabei ist der hochspannende Roman nur mehr halb so dick wie die Erstfassung. Aber eben immer noch dick genug. Ein Mordfall ...