Sieben Kontinente und zehn Weltwunder in 80 Tagen zu bereisen ist schon eine Herausforderung. Erst recht für zwei Frauen, die zu ihrem 80. Geburtstag auf die Idee kamen, sich auf die Spuren von Jules Verne und Phileas Fogg zu begeben. Corona machte Eleanor Hamby und Sandra Hazelip einen Strich durch die Rechnung. Aber schon ein Jahr später brachen die beiden Freundinnen dann doch zu ihrem größten Abenteuer auf und setzten damit neue Maßstäbe für Reisen im Alter: “Eine Weltumrundung”, schreiben sie selbstsicher in ihrem Buch “The Traveling Nanas”, “war das eindeutige Gegenteil von den Rollatortouren zweier buckliger alter Ladys”. Jenseits der Alters-Klischees Tatsächlich sind Ellie, die Fotografin, und Sandy, die Ärztin, in vielem das Gegenteil beliebter Klischees über tattrige Seniorinnen. Selbstbewusst gehen die beiden engen Freundinnen ihren großen Plan an, wenn möglich den Zug statt das Flugzeug zu wählen und in ortsüblichen Unterkünften den Menschen und der Kultur der jeweiligen Länder nahe zu kommen. Dazu muss man wissen, dass Ellie und Sandy über die Zambia Medical Mission und auf weiten Reisen mit ihren Männern schon einige Auslandserfahrung gesammelt hatten. Für die befreundeten Witwen war die Weltumrundung aber eine neue Erfahrung. Wobei beide mit großer Neugierde, viel Optimismus und ebenso viel…
Rekordhitze, Erdrutsche, Blutegel im Zelt und statt Müsliregel Nudelsuppe: Christine Thürmer, die sich selbst als meistgewanderte Frau der Welt bezeichnet, sieht sich in Asien vor ganz neuen Herausforderungen. In dem Buch „Hiking Asia“ hat sie ihre Erlebnisse in Japan, Südkorea und Taiwan in gewohnt ehrlicher Manier notiert. Hilfsbereite Menschen Der Start auf dem Tokai Shizen Hodo in Japan ist jedenfalls alles andere als ideal. Und die Weitwanderin muss sich mit ungewohnten Erschwernissen herumschlagen. Was dabei hilft, ist nicht nur Thürmers lange Wander-Erfahrung, es sind auch freundliche Menschen, die über sämtliche Sprachgrenzen hinweg hilfsbereit sind. Weniger Minimalismus Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Tatsache, dass die 57-Jährige nicht mehr so asketisch oder minimalistisch unterwegs ist wie in den Anfängen ihrer Wanderkarriere. Sie gönnt sich zwischendurch gern mal ein Hotel, genießt die Wohltat der japanischen Onsen-Bäder und muss nicht über jeden Berg, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Schließlich will sie auch die Kultur der Länder kennenlernen und ihre oft dramatische Geschichte. Unberechenbare Natur Auf dem Michinoku Coastal Trail in Japan erinnern die Tsunami Gedenkstätten an die Unberechenbarkeit der Natur. Auf Taiwan erlebt Christine Thürmer selbst Erdbeben, Starkregen, sogar einen Taifun und gerät trotz herausfordernder Kletterpartien in einen Wander-Flow. Die Insel…
Dass sich Nicola Förg im Schlusswort zu ihrem informativen Buch „Landwissen“ selbst als „Bauerntrampel am Alpenrand“ bezeichnet, kann man getrost unter dem Etikett Koketterie abspeichern. Die Reisejournalistin und engagierte Tierfreundin hat sich längst als Krimi-Autorin einen Namen gemacht. Dass sie als Landei wieder auf dem Land lebt, verschafft ihr allerdings den unschätzbaren Vorteil, die Auswüchse der Freizeitindustrie vor der Haustür beobachten zu können. Selfie-Unkultur Daher also ein Knigge für alle, die in der Natur unterwegs sind. Mit vielen Anregungen zum guten Umgang mit Flora und Fauna und viel Kritik an der heutigen Selfie-Unkultur. Aus gutem Grund. Denn immer mehr Menschen überrennen rücksichtslos sensible Naturlandschaften in den Alpen und hinterlassen Müll und Schlimmeres. Sie parken auf Privatgrund, auf Wiesen und Forstwegen, verschrecken Wildtiere in den Wäldern und Rinder auf ihren Weiden. Sie zertrampeln ahnungslos kleine Biotope, die für den Fortbestand von Insekten überlebenswichtig sind. Zumutungen für die Tiere Nicola Förg schreibt mit viel Herzblut über Mistkäfer und Murmeltier, über Geier und Gämsen. Den Trend, draußen zu übernachten sieht sie ebenso kritisch wie Nachtwandern. Nicht einmal nachts könnten sich die Tiere in ihrem natürlich Habitat sicher fühlen, ärgert sich die Tierfreundin. Und zählt auf, was untertags schon eine Zumutung für Wildtiere ist:…
„Mal gucken“ denkt sich Josefine Gauck immer wieder auf der Weltreise, die sie mit ihrer Familie unternimmt. „Mal gucken“ ist auch der Titel des Buches über diese ungewöhnliche Reise einer fünfköpfigen Familie. Denn neben den zwei Jungs ist auch die kleine, sehbehinderte Pauli mit von der Partie. Sie soll noch soviel wie möglich von der Welt sehen, ehe sie ihr Augenlicht ganz verliert, wünschen sich die Eltern. Mal gucken Bei der Vorbereitung der einjährigen Auszeit planen sie nur das Nötigste. „Mal gucken“ wird zum geflügelten Wort – bis zum Ende dieses aufregenden Jahres, das in einer Lebensentscheidung mündet. Kanada, die USA, Neuseeland, Australien sind die Stationen, schließlich noch Bali, wo Josefine Gauck sich angekommen fühlt. Erntehelfe und Hundehüter Die Erlebnisse ihrer Reise werden noch länger nachhallen. Die Familie hat viel unternommen, um den Kindern die Welt zu zeigen. Sie waren mit einem Riesencamper unterwegs und mit einem kleinen Wohnmobil, in dem sie kaum Platz hatten. Sie arbeiteten als Erntehelfer auf einem Biohof, wohnten als Haustierhüter in einer weitläufigen Villa, nächtigten in einem heruntergekommenen Trailer und in den unterschiedlichsten airbnb-Unterkünften. Zwischendurch gönnten sie sich auch Hotelnächte, um wieder zu duschen und in einem Bett zu schlafen. „Ich müsste lügen, wenn ich…
„Die Reise unseres Lebens“, so auch der Titel ihres Buches, war für Alexander Källner und Lovis Wiefelspütz die gemeinsame einjährige Weltreise. Das liegt auch daran, dass Alex „körperlich behindert“ ist, wie er selbst schreibt, und deshalb auf Hilfe angewiesen. Die bekommt er auf der Reise von seinem besten Freund Lovis, der mit AHDS zu kämpfen hat. In ihrem Buch beschreiben sie abwechselnd ihre Reise-Erfahrungen, aber auch den nicht ganz leichten gemeinsamen Alltag. Ein Balanceakt Lovis ahnt, dass „diese Reise ein Balanceakt werden wird zwischen dem, was Alex und ich wollen und dem, was wir schaffen können“. Er attestiert dem Freund „an liebenswerten Größenwahn grenzende Ideen“, weiß aber auch „diese Reise ist für mich bereits vor dem ersten Tag eine Reise zu mir selbst“. Hilfe leisten und annehmen Einfach ist das Ganze weder für Lovis, der Alex‘ körperliche Pflege übernehmen und ihn bei Barrieren unterstützen muss, noch für Alex, der diese Hilfe immer wieder annehmen muss, nicht. Es gibt Diskussionen, ja auch Streit – was die Freunde nicht verschweigen. Spontane Hilfsbereitschaft Aber die schönen, die unvergesslichen Reise-Erlebnisse überwiegen. Die vielen Freunde, die sie in aller Welt finden, die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen, die Fremdheit und Schönheit der Reiseziele. Alexander Källner, der…
Mag sein, dass der Titel „Als ich gegen Stalin im Armdrücken gewann“ ein paar Leute mehr dazu bringt, das Buch von Fredy Gareis zu kaufen. Doch er lenkt in eine falsche Richtung. Die Reise des Autors von Nord nach Süd entlang „des neuen Eisernen Vorhangs“ ist nämlich so viel mehr als ein schnöder Reisebericht von den Hotspots der Selfie-Generation. Er ist eine in dieser Zeit aufrüttelnde und wichtige Lektion in Geschichte. Keine Lehren aus der Geschichte Denn was derzeit in der Ukraine passiert, war längst schon angelegt. Es hat sich immer wiederholt. Und dass trotz all der schlimmen Erfahrungen mit Deportation, Folter, Unterdrückung und Manipulation wieder viele Menschen von den Vorteilen autokratischer Regierungen schwafeln zeigt, wie geschichtsvergessen die Menschheit ist – auch bei uns. Der Dünger für neue Konflike Umso wichtiger ist ein Buch wie das des belesenen Fredy Gareis, das nicht als akademische Vorlesung daherkommt, sondern im Erzählmodus eines Reisenden, den man gern begleitet. Und sein Fazit sollte allen zu denken geben, die trotz der russischen Aggression und trotz des Zulaufs für rechtsradikale Parteien noch unbesorgt in die Zukunft schauen: „Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging und Europa blutend und geschunden am Boden lag, halfen ihr die Amerikaner…
In 50 Tagen über die Alpen nach Verona – klingt machbar. Aber wie ist es, wenn man mit einem Vierbeiner über die Berge wandern will? Die Journalistin Nadine Regel hat ihren Ralfi, einen Portugiesischen Podengo, aus einem Tierheim geholt und gemeinsam mit ihm schon einige Touren im Camper unternommen. Die Alpen sind eine andere Herausforderung, doch nach einigen Berg-Wanderungen ist Nadine Regel überzeugt, dass Ralfi einen „siebten Sinn für Berge“ hat. Jetzt will sie bei einer Alpenüberquerung herausfinden, „wozu wir als Hund-Mensch-Team in der Lage sind“. Der Hund und seine Bedürfnisse Und so plant sie ihre ganz individuelle Route von München nach Verona für den Spätsommer. Dabei muss sie auch die Bedürfnisse des Begleit-Hundes mit einplanen – und die Tatsache, dass Hunde nicht überall willkommen sind. Vor allem Oberbayern hat Nadine Regel „als nicht besonders hundefreundlich“ erlebt. „Zum Beispiel ist Hunden der Zugang zu den bekannten Bergseen wie dem Kochel- und Walchensee aus hygienischen Gründen verwehrt.“ Immer mit im Gepäck sind Hundedecke, Hundegeschirr mit Haltegriff, Rettungsgeschirr und natürlich Futter und Wasser. Die Grenzen kennen Damit bei der Wanderung über alle Berge auch nichts schief geht, sollten Mensch und Hund ihre Grenzen kennen, rät Nadine Regel, die ihren Ralfi immer an…
Warum fühlen sie sich nicht als Europäer? Auf der Suche nach Erklärungen für das Verhalten seiner Schülerinnen und Schüler geht Jan Kammann, Lehrer an einer Europaschule, auf eine Reise in deren Heimatländer – nach Griechenland, Nordmazedonien, Serbien, in die Türkei, nach Ungarn, in die Ukraine und – ja auch das – nach Nordirland. Ein heterogener Kontinent Auch er muss lernen, wie heterogen dieser Kontinent ist, was die einzelnen Nationalitäten voneinander trennt, wie lange Kriege und Konflikte nachhallen – nicht nur im Balkan, auch in Nordirland. Der unkonventionelle Lehrer, der am liebsten in Hostels absteigt und keiner Plauderei aus dem Weg geht, erlebt viel herzliche Gastfreundschaft, stößt aber auch immer wieder an seine Grenzen. Schmerzhafte Erfahrungen Nach dem Erfolg seines Bestsellers „Ein deutsches Klassenzimmer“ lässt sich Jan Kammann auch in diesem Buch gern auf neue Erfahrungen ein, er entdeckt dabei nicht nur kulinarische Besonderheiten, sondern auch spannende Hintergründe – etwa zum russischen Überfall auf die Ukraine. Hier wird ihm klar, dass für die Menschen damals ihr bisheriges Leben endete und „es nie wieder so sein wird wie es war“. Widersprüchliche Gefühle Das gilt auch für seine Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine: „In den ersten Tagen in der Schule tauschten sie…
Warum fühlen sie sich nicht als Europäer? Auf der Suche nach Erklärungen für das Verhalten seiner Schülerinnen und Schüler geht Jan Kammann, Lehrer an einer Europaschule, auf eine Reise in deren Heimatländer – nach Griechenland, Nordmazedonien, Serbien, in die Türkei, nach Ungarn, in die Ukraine und – ja auch das – nach Nordirland. Heterogener Kontinent Auch er muss lernen, wie heterogen dieser Kontinent ist, was die einzelnen Nationalitäten voneinander trennt, wie lange Kriege und Konflikte nachhallen – nicht nur im Balkan, auch in Nordirland. Der unkonventionelle Lehrer, der am liebsten in Hostels absteigt und keiner Plauderei aus dem Weg geht, erlebt viel herzliche Gastfreundschaft, stößt aber auch immer wieder an seine Grenzen. Wichtige Hintergründe Nach dem Erfolg seines Bestsellers „Ein deutsches Klassenzimmer“ lässt sich Jan Kammann auch in diesem Buch gern auf neue Erfahrungen ein, er entdeckt dabei nicht nur kulinarische Besonderheiten, sondern auch spannende Hintergründe – etwa zum russischen Überfall auf die Ukraine. Hier wird ihm klar, dass für die Menschen damals ihr bisheriges Leben endete und „es nie wieder so sein wird wie es war“. Zusammen und doch allein Das gilt auch für seine Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine: „In den ersten Tagen in der Schule tauschten…
Ihre Deutschlandumrundung sollte etwas besonderes sein: Joyce Hübner ist Läuferin aus Leidenschaft und liebt Marathons. Warum also nicht Deutschland in Marathons umrunden? 2023 ist sie gestartet und hat in 140 Tagen 5200 Kilometer und 57.000 Höhenmeter geschafft – in 120 Marathons. Das hat die junge Frau, die im Internet als runninggirl.joyce bekannt ist, immer wieder an ihre Grenzen gebracht, ihr aber auch ganz neue Einsichten und Ausblicke vermittelt. Verliebt ins Allgäu Von Zäunen, Felsbrocken und Grenzsteinen hat sie sich auf ihrem langen Weg nicht aufhalten lassen, auch nicht von Kühen und anderem Getier. Sie hat sich in die Allgäuer Landschaft, in die Berge und allgemein in das Bundesland Bayern verliebt: „Auch wenn ich mich auf den Rundwegen um die Seen immer wieder durch Menschenmassen bewegen muss – hier zu sein ist Balsam für die Seele. Vor allem, weil ich gar nicht damit gerechnet hatte, das ganze Märchenland Allgäu in geballter Form präsentiert zu bekommen.“ Trübe Tage, schlechtes Gewissen Es gab aber auch trübe Tage, an denen sie an sich selbst zweifelte, an denen sie geschwächt auf die Piste ging oder sich im Fels verirrte. Das „megaschlechte Gewissen“ quälte sie dann wohl zurecht, weil sie nicht nur sich selbst, sondern auch…